Circle Internet Group setzt trotz glänzender Quartalszahlen den Rotstift an. Der Emittent der Stablecoin USDC streicht rund fünf Prozent seiner Belegschaft. Betroffen sind knapp 70 Arbeitsplätze. Der Grund: Das Unternehmen will seine Strukturen verschlanken und verstärkt auf Künstliche Intelligenz setzen. Die Kosten für Abfindungen und Übergangsgelder belaufen sich auf 9,1 Millionen Dollar. Circle folgt damit Wettbewerbern wie Coinbase, Kraken und Robinhood, die ihre Teams in den vergangenen Monaten ebenfalls verkleinert haben.
Operativ lief das dritte Quartal für das Krypto-Unternehmen deutlich besser als erwartet. Der Umsatz legte im Vorjahresvergleich um 17 Prozent auf 864,9 Millionen Dollar zu. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 776,7 Millionen Dollar gerechnet.
Noch deutlicher übertraf Circle die Prognosen beim Ergebnis. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen stieg um fünf Prozent auf 226 Millionen Dollar oder 84 Cent je Aktie. Die Konsensschätzung lag zuvor bei nur 91,6 Millionen Dollar. Ein wesentlicher Treiber für diesen Sprung war der Vorabverkauf des neuen ARC-Tokens, der 182 Millionen Dollar in die Kassen spülte.
Stütze durch Coinbase, Unruhe bei Binance
Während das Marktumfeld anspruchsvoll bleibt, wächst das Kernprodukt weiter. Das durchschnittliche Umlaufvolumen von USDC kletterte im Jahresvergleich um acht Prozent auf 73,3 Milliarden Dollar.
Besonders die Partnerschaft mit Coinbase treibt das Wachstum. Auf der US-Börse erreichte das verwahrte USDC-Volumen mit 22 Milliarden Dollar einen neuen Rekordwert, was einem Zuwachs von 49 Prozent entspricht. Komplexer gestaltet sich die Lage bei Binance. Circle konnte nach dem jüngsten Großhack bei der weltgrößten Krypto-Börse schnell reagieren und über 800 Millionen Dollar in gestohlenen USDC einfrieren. Das stärkt Circles Standing als verlässlicher Partner. Gleichzeitig belasten die jüngsten Kundenabflüsse bei Binance das Geschäft: Ziehen Nutzer Kapital ab, drückt das auch auf die Nutzung und die Umlaufmenge von USDC.
Rückenwind verspricht die US-Aufsicht OCC. Neue Vorgaben für Zahlungs-Stablecoins treten im Januar in Kraft und schaffen klare Spielregeln für die Branche.
Circle präsentiert starke Zahlen und nutzt das Polster für einen strategischen Umbau. Die starke Verankerung bei Coinbase sowie regulatorische Fortschritte stützen das Geschäftsmodell. Das weiterhin stark angeschlagene Chartbild spricht allerdings noch gegen einen Einstieg. Anleger bleiben daher vorerst an der Seitenlinie.
05.11.2026, 20:38
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