24.04.2016 Markus Bußler

Newmont Mining: Ende des Schreckens

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Indonesien ist mit seinen 17.508 Inseln der größte Inselstaat der Welt. Jahr für Jahr lockt allein die Insel Bali über vier Millionen Touristen nach Indonesien. Doch der größte Steuerzahler in Indonesien ist nicht etwas die Tourismusindustrie. Es ist der Bergbau. Freeport-McMoRan betreibt mit der Grasberg-Mine in Indonesien die weltgrößte Kupfer- und Goldmine. Und auch die zweitgrößte Gold- und Kupfermine des Landes, Batu Hijau, ist für das Land eine wichtige Einnahmequelle – und auch ein wichtiger Arbeitgeber. Mehr als 7.000 Menschen finden auf der Mine und durch Zulieferer Arbeit. Doch in der Vergangenheit gab es immer wieder Streit zwischen dem Minenbetreiber Newmont Mining und der indonesischen Regierung. Zwischenzeitlich hat Indonesien sogar ein Exportverbot für unverarbeitetes Kupfererz erlassen. Damit wollte die Regierung die heimische Wirtschaft stärken und noch mehr Arbeitsplätze schaffen. Doch für Newmont war das ein Ärgernis – schließlich sah man sich durch die Politik unter Druck gesetzt. Und den Aktionären schmeckte der Dauerstreit auch nicht.

Doch jetzt deutet sich eine Lösung an: Newmont könnte seinen Anteil an der Mine schon bald verkaufen und die Probleme damit los sein. Die Zeichen mehren sich, dass eine Investorengruppe ein rund zwei Milliarden Dollar schweres Gebot für eine Mehrheitsbeteiligung an Batu Hijau abgeben wird. Zwar ist die Summe bislang nur ein Gerücht, doch das soll von Leuten stammen, die mit den Verhandlungen vertraut sind. Hinter der Investorengruppe steht Arifin Panigoro, Gründer der größten privaten Öl- und Gasfirma Indonesiens, PT Medco Energi TbK. Gegenüber Journalisten erklärte Panigoro, dass es nur noch eine Formalie sei, bis der Kauf verkündet wird und dies könne schon in den kommenden Tagen der Fall sein.

Großen Gegenwind vonseiten der Regierung gibt es offensichtlich nicht. Medien in Indonesien berichten, Präsident Joko Widodo befürwortet das Geschäft, da es „im nationalen Interesse“ sei.

Für Newmont sind das gute Nachrichten. Das Unternehmen hat seinen Anteil an der Mine zum Verkauf gestellt, nachdem die Probleme in Indonesien kein Ende genommen haben. Einerseits könnte Newmont damit den Streit mit der Regierung beenden, ohne das Gesicht zu verlieren. Andererseits könnte der Konzern eine Geldspritze erhalten, mit der entweder die Schulden gesenkt oder – wahrscheinlicher – neue Investitionen getätigt werden können. Die Frage ist: Wie viel Geld würde voraussichtlich an Newmont fließen? Zunächst sind die Eigentumsverhältnisse an Batu Hijau ziemlich kompliziert. Unterm Strich gehören Newmont über Tochtergesellschaften, die zum Großteil gemeinsam mit der japanischen Sumitomo betrieben werden, 31,5 Prozent an der Mine. Allerdings soll den bisherigen Berichten zufolge mit den zwei Milliarden Dollar nur ein Mehrheitsanteil an der Mine erworben werden – Newmont aber wohl vollständig herausgekauft werden. Damit dürfte Newmont mit einer Geldspritze im Bereich von 1,0 bis 1,5 Milliarden Dollar rechnen.

Im Gegenzug fällt für Newmont eine anteilige jährliche Produktion von zuletzt 240 Millionen Pfund Kupfer und 328.000 Unzen Gold weg. Das ist sicherlich für den Konzern ein Rückschritt. Doch wie oben bereits geschrieben: Newmont kann dieses Geld wieder reinvestieren. Es gibt einige Projekte, die für Newmont interessant wären. Der Jackpot wäre sicherlich eine Übernahme von Detour Gold. Der kanadische Goldproduzent wird im laufenden Jahr mehr als 500.000 Unzen Gold produzieren und es ist das einzige Projekt dieser Größenordnung, das noch nicht in der Hand eines großen Produzenten ist. Allerdings ist Detour nicht ganz billig. Börsenwert: rund 3,7 Milliarden Kanadische Dollar – also rund 2,5 Milliarden US-Dollar. Hier käme allenfalls ein kombinierter Cash-Share-Deal infrage. Sprich: Newmont könnte einen Teil der Übernahme in Cash, den anderen Teil durch die Ausgabe neuer Aktien bezahlen.

Deutlich günstiger käme der Kauf von Asanko Gold – der Konzern hat gerade die kommerzielle Produktion für seine Asanko-Goldmine in Ghana erreicht. Die Mine soll ab nächstem Jahr rund 190.000 Unzen pro Jahr zu Gesamtkosten von 781 Dollar je Unze produzieren. Das Projekt kann durch die Phase 2, in der das Esaase-Depot miteinbezogen wird, zu einer Produktion von 400.000 Unzen pro Jahr ansteigen. Genau die Größenordnung, die Newmont suchen dürfte. Börsenwert: rund 620 Millionen Kanadische Dollar – rund 420 Millionen US-Dollar. Allerdings müsste Newmont auch rund 150 Millionen Dollar Schulden mit übernehmen. Aber das wäre sicherlich kein allzu großes Problem.

Denkbar wäre von der Größenordnung auch ein Interesse an Torex. Das El-Limon-Guajes-Projekt soll jährlich 360.000 Unzen zu Gesamtkosten von 637 Dollar je Unze produzieren. Das Problem: Die Mine liegt in einem Gebiet Mexikos, das immer wieder im Visier von Kartellen liegt. Dennoch: Torex hat zusätzlich das Media-Luna- Projekt, das noch einmal 7,4 Millionen Unzen Gold-Äquivalent beinhalten soll und eine potenzielle zweite Mine beherbergen könnte. Börsenwert: 1,4 Milliarden Kanadische Dollar – also rund 0,95 Milliarden US-Dollar.

Und noch etwas ist mittlerweile denkbar: Newmont könnte mit Barrick Gold fusionieren. Die beiden Konzerne haben sich in den vergangenen Monaten von Problemprojekten getrennt. Vor einigen Jahren gab es schon Gespräche, die aber wegen unterschiedlicher Vorstellungen abgebrochen wurden. Ein neuer Anlauf ist gar nicht unwahrscheinlich. Beide stehen heute besser da als noch vor zwei Jahren. Barrick hat mit einer sinkenden Produktion zu kämpfen. Eine Fusion könnte dieses Problem schnell lösen.

Mit einem Verkauf von Batu Hijau löst Newmont ein Problem, das in den vergangenen Monaten immer wieder hochgekocht ist. Der Verkaufserlös verschafft Newmont finanziellen Spielraum. Der Konzern kann sich nach neuen Projekten umsehen und den Markt aktiv konsolidieren. Eine Fusion mit Barrick mag aus heutiger Sicht etwas weit gegriffen sein. Doch in der Vergangenheit gab es bereits eine Annäherung.