17.01.2019 Michel Doepke

Nel, PowerCell, Bosch und Co: Es geht in die heiße Phase

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Nel ASA
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Nur noch knapp drei Monate – dann startet die Nikola World in Phoenix, Arizona von Nikola Motor Company. In einem Interview mit Transport Topics im Rahmen der Technologie-Messe CES spricht Firmenlenker Trevor Milton über die großen Pläne mit den Brennstoffzellen-Trucks. Bereits Ende des Jahres solle es für zwei Großkunden – Anheuser-Busch und U.S. Xpress Enterprises – Flottentests geben. Inwieweit werden Bosch und PowerCell in die Produktion der Trucks eingebunden? Und welche Rolle wird Nel beim Aufbau der nötigen Wasserstoff-Infrastruktur spielen? Spannende Monate stehen bevor!

Toyota glaubt an die Story

In Sachen Konkurrenz bei Brennstoffzellen-Trucks trifft Nikola Motor auch auf den Wasserstoff-Pionier Toyota. Doch Andrew Lund, Chefingenieur der Produktentwicklung bei den Japanern, wünscht im Interview mit Transport Topics dem Start-up alles Gute: "Sie sind ein sehr interessantes Unternehmen. Natürlich werden sie Lastwagen für Schwertransporte produzieren. In gewisser Weise sind wir Konkurrenten. Aber ich betrachte sie eher als Partner für eine wachsende Infrastruktur", so Lund.

Bosch an Bord

In den kommenden Monaten dürfte sich bei Nikola Motor entscheiden, wer endgültig als Zulieferer infrage kommt. Auf Anfrage des AKTIONÄR zum Projekt mit dem US-Unternehmen erklärte Bosch: "Ebenso entwickelt Bosch mit dem US-Start-up Nikola Motor Company in den USA einen Elektroantrieb für Trucks mit Wasserstoff-Energieversorgung, der sich leistungstechnisch an die Spitze seines Marktsegments setzen soll. Mit diesen strategischen Schritten will Bosch den Markt für Nutzfahrzeuge mit Brennstoffzelle von Anfang an gestalten. Hinzu kommt: Die Wasserstoff-Technologie im Nutzfahrzeug wird die technische Entwicklung weiter vorantreiben, sodass Brennstoffzellen-Antriebe in der Zukunft auch im Pkw eine Alternative sein können. Die Brennstoffzelle ist für Bosch damit ein weiterer wichtiger Baustein, um weltweiter Marktführer in der Elektromobilität zu werden."

Spannung bei PowerCell

Wie stark PowerCell in das Nikola-Motor-Projekt eingebunden sein wird, sollte sich auch in diesem Jahr entscheiden. Im November 2017 haben die Schweden mit dem Start-up eine Kooperation geschlossen. Gegenüber dem AKTIONÄR zeigte sich PowerCell-CEO Per Wassén optimistisch: "Die Kooperation entwickelt sich wie geplant. Im vergangenen Herbst haben wir unser neues Brennstoffzellenlabor eingeweiht, eines der leistungsfähigsten Brennstoffzellenlabors der Welt. Ein Hauptgrund für unsere Entscheidung, in diese neue Anlage zu investieren, ist die Notwendigkeit, längere und realistischere Tests unserer leistungsfähigeren Brennstoffzellenstacks durchzuführen, die in Schwerlastfahrzeugen wie den Langstreckentrucks von Nikola verwendet werden." Nicht minder spannend: Vor wenigen Wochen hat PowerCell ausgerechnet mit Bosch ein Termsheet geschlossen. Hochspannendes Unternehmen, doch nur für risikobewusste Anleger mit Stopp bei 2,90 Euro.

Mega-Aufträge für Nel?

Im Gespräch mit Transport Topics betont Nikola-Motor-Chef Trevor Milton, dass sein Unternehmen geplant habe, 700 Wasserstoff-Stationen in den kommenden sieben Jahren in den USA zu errichten, 14 Stationen sollen bis 2021 in Betrieb gehen. Zunächst seien zwei Stationen in Phoenix geplant. Dabei dürfte es sich um Stationen der norwegischen Nel handeln. Im Exklusiv-Interview vom September betonte Nel-Chef Jon André Løkke: "Wir sind gerade dabei, Nikola Motor zwei Demo-Stationen zu liefern. Der Plan sieht vor, die beiden Tankstellen gegen Jahresende beziehungsweise im ersten Halbjahr 2019 zu installieren. Dazu gehören jeweils eine Standardstation und ein Elektrolyseur, der außerhalb der Fabrik in Phoenix, Arizona, aufgebaut wird. Damit kann Nikola Motor dann seinen Prototyp auf die Straße bringen – der offizielle Start ist Mitte April. Wir werden vor Ort sein und Nikola unterstützen."

Zuletzt ist die Nel-Aktie gegen den Markt kräftig gestiegen. In der Bewertung von rund 600 Millionen Euro steckt bereits jede Menge Fantasie. Die Norweger müssen nun den Schalter umlegen und Aufträge an Land ziehen. Trotz der hohen Bewertung: Nel zählt zu den am besten positionierten Unternehmen im Bereich Wasserstoff.