Deutschland ringt um Reformen – während in Argentinien bereits zehn Mal so mutig die Wirtschaft entfesselt wurde. Milei will sein Land radikal für die Künstliche Intelligenz öffnen und setzt auf die Wirtschaftswissenschaft. Das sagt Dr. Hans-Dieter Holtzmann im Interview.
Messi trifft, Deutschland ist bei der WM in den USA Mittelmaß und guckt den schnellen, mutigen Ballzauberern anderer Länder nur noch zu. Auch die Wirtschaft steht seit Jahren still, während Argentinien ein Rekordwachstum erreicht und damit Menschen aus der Armut befreit.
Und es geht weiter: Milei rief den Kongress auf, 2026 zum Jahr der Strukturreformen zu machen, und will weitere 90 Reformmaßnahmen durchsetzen. Unter anderem eine Steuerreform zur Verminderung der Abgabenbelastung von Unternehmen und Bürgern, weitere Deregulierungen zur Öffnung und Liberalisierung von Märkten bis hin zu einer Bildungsreform, die auf mehr Wettbewerb setzt und die Förderung von benachteiligten Kindern vorsieht.
Live aus Buenos Aires berichtet im Gespräch mit uns Dr. Hans-Dieter Holtzmann von der Aufbruchstimmung. Er ist Projektleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) und verantwortet das Büro für Argentinien. Der Südamerika- und Finanzexperte war 25 Jahre lang in strategischen und operativen Positionen bei der Deutschen Bank AG tätig.
Herr Dr. Hans-Dieter Holtzmann, ganz Argentinien jubelt in diesen Tagen mit Messi und auch die Wirtschaft wächst wieder. Hält die Freude an?
Die zuvor chronische Inflation von über 200 Prozent konnte auf rund 30 Prozent auf Jahresbasis reduziert werden und sinkt tendenziell weiter. Zudem konnte zwei Jahre in Folge ein Haushaltsüberschuss erzielt werden, und die Regierung ist entschlossen, auch in diesem Jahr einen Überschuss zu erzielen. Trotz der Einsparungen wies Argentinien 2025 mit 4,4 Prozent die höchste Wachstumsrate Lateinamerikas auf und Analysten erwarten für dieses Jahr drei bis vier Prozent.
Wieso setzt Milei stark auf Reformen, während Deutschland zögert?
Milei hat 2023 ein wirtschaftlich und politisch heruntergewirtschaftetes Land übernommen. Argentinien war vor 100 Jahren eines der reichsten Länder der Welt und Sehnsuchtsland für Einwanderer aus aller Welt, darunter auch viele Deutsche. Unter den Peronisten ist es dann falsch abgebogen und hat sich – trotz reicher Ressourcen – jahrzehntelang in einer Abwärtsspirale befunden. Deutschland kann aus den bitteren Erfahrungen Argentiniens lernen: erstens, dass Erfolge stets neu erarbeitet werden müssen. Zweitens, dass unkontrollierte Staatsschul den, selbst wenn als „Sondervermögen“ deklariert, kein Garant für Wachstum und Beschäftigung sind, sondern wachstumsfreundliche Rahmenbedingungen und Strukturreformen entscheidend sind.
Jetzt setzt Milei auch beim Thema KI beherzt Impulse. Mit Erfolg?
Milei setzt auf eine Kombination aus günstiger Energie und attraktivem Umfeld für Investitionen in KI. Durch die Nutzung aller Energiequellen – von Gas, Öl, erneuerbaren Energien bis zur Kernenergie – will die Regierung energieintensiven Firmen wie Data-Centern attraktive Kostenvorteile bieten. Zudem strebt Milei an, Argentinien zu einem globalen Hub für KI zu entwickeln, durch niedrigschwellige Regulierung und steuerliche und regulatorische Sonderanreize im Rahmen des neuen „Súper RIGI“-Programms. Argentinien verfügt bereits über eine zweistellige Zahl international erfolgreicher „Einhorn“-Unternehmen im Technologiesektor. In Deutschland belasten den Ausbau der KI hohe Energiekosten und eine restriktive Regulierung auf nationaler und EU-Ebene. Argentinien sieht in KI die Chance für Innovation und Wachstum, Deutschland legt den Fokus eher auf die Vermeidung von Risiken.
3 Aktien für den Argentinien-Boom – darunter die OpenAI-KI-Chance
Lesen Sie das ganze Interview im neuen Aktien-Report „Argentinien 2030“. Hier werden drei argentinische Aktien vorgestellt, die das Zeug haben, vom Wachstum der Wirtschaft und dem Aufbau der Künstlichen Intelligenz direkt und indirekt zu profitieren.
Heute, 10:27