Der französische Bahntechnikkonzern Alstom schockt Anleger mit einer drastischen Gewinnwarnung. Statt einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 Prozent rechnet das Unternehmen für 2026/27 nur noch mit einem Prozent. Noch schwerer wiegt der erwartete Mittelabfluss: Der freie Cashflow soll im laufenden Geschäftsjahr bei minus 1,5 Milliarden Euro liegen. Die Aktie bricht daraufhin um rund 30 Prozent ein.
- EBIT-Margenziel von 6,5 auf ein Prozent gesenkt.
- Freier Cashflow soll im Gesamtjahr minus 1,5 Milliarden Euro erreichen.
- Probleme bei der Zugplattform Coradia Max und Verzögerungen in Europa belasten das Geschäft.
Die Probleme bei Alstom sind erheblich. Vor allem die Abwicklung der Zugplattform Coradia Max bereitet dem Konzern Schwierigkeiten. Betroffen sind sechs Projekte mit einem Auftragsvolumen von rund fünf Milliarden Euro. Produktionsprobleme, Nachrüstungen und Verzögerungen treiben die Kosten nach oben. Hinzu kommen Strafzahlungen bei deutschen Projekten. Die Belastungen treffen damit nicht nur die Profitabilität, sondern auch die Liquidität.
Wie groß das Ausmaß ist, zeigt der Blick auf den Cashflow. Bereits im ersten Halbjahr belief sich der freie Mittelabfluss auf 1,2 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr rechnet Alstom inzwischen mit minus 1,5 Milliarden Euro. Rund eine Milliarde Euro davon soll sich nach Einschätzung des Managements in den kommenden Jahren wieder umkehren, sobald ausstehende Meilensteinzahlungen eingehen. Eine kurzfristige Entlastung ist das allerdings nicht.
Prognose zusammengestrichen
Auch die operativen Ziele werden zusammengestrichen. Die geplante Wagenproduktion sinkt von ursprünglich 4.400 bis 4.500 auf rund 4.000 Einheiten. Das organische Umsatzwachstum soll nur noch im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich liegen. Zwar legte der Umsatz im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu, doch das Wachstum kann die massiven Probleme bei der Projektabwicklung nicht kompensieren.
Sanierung unter Druck
Alstom will gegensteuern. Neben operativen Veränderungen plant das Management einen Schuldenabbau von rund zwei Milliarden Euro bis spätestens September 2027. Dafür kommen ausdrücklich auch Verkäufe von Unternehmensteilen und Beteiligungen infrage. Welche Vermögenswerte konkret veräußert werden sollen, ist noch offen. Einen detaillierten Fahrplan will der Konzern im zweiten Quartal 2027 vorstellen.
Die Kürzung des Margenziels und der erwartete Cash-Abfluss von 1,5 Milliarden Euro sind ein schwerer Rückschlag. Der Konzern muss zunächst beweisen, dass er seine Großprojekte wieder in den Griff bekommt und die Liquidität stabilisieren kann. Angesichts des Kurseinbruchs ist die Aktie zwar deutlich günstiger geworden. Ein Boden ist damit aber noch lange nicht erreicht. Anleger machen einen großen Bogen um die Aktie, die kein Kauf ist.
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