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26.03.2021 Benedikt Kaufmann

Microsoft: 10 Milliarden für Discord – wieso?

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Zum Wochenbeginn überraschte folgender Insiderbericht die Anleger: Microsoft wolle Discord übernehmen. Am Freitag berichtet nun das Wall Street Journal, dass die beiden Konzerne sich in exklusiven Verhandlungen befinden und ein Deal bereits im April geschlossen werden könnte. Aber warum will Microsoft wohl über zehn Milliarden Dollar für Discord auf den Tisch legen?

Ganz einfach: Discord passt hervorragend zu Microsofts aktueller Übernahmestrategie. Denn nach den gescheiterten Übernahmegesprächen mit TikTok, dem Ende der Live-Game-Streaming-Plattform Mixer und dem fehlenden Zoom-Moment bei Skype sucht der Internetriese noch immer nach einem erfolgreichen Markteinstieg im Social-Media-Bereich für nicht-professionelle Nutzer.

Starker Boost für die Gaming-Sparte

Die 140 Millionen monatliche Nutzer anziehende Kommunikationsplattform Discord, auf der man miteinander chatten, sprechen oder Videostreams schauen kann, passt hier perfekt. Insbesondere da Microsoft neben dem Spiele-Abonnement Game Pass, der aktuell aggressiv durch einige Deals und Übernahmen erweitert wird, den Zugriff auf die Gaming-Community ausweiten kann.

Allein die Möglichkeit auf 140 Millionen Gamer einzuwirken, stärkt das Gaming-Ökosystem von Microsoft enorm und erzeugt positive Synergien. Hier sind beispielsweise spezielle Angebote für Discord-Nutzer denkbar, die auch den Game Pass abonniert haben. Auf die gleiche Weise stärkt Amazon sein Gaming-Ökosystem mit Twitch.tv und dem sogenannten Prime Loot. Gleichzeitig formen sich auf Discord aber auch abseits des Gaming-Segments neue Communitys mit weiterreichenden Interessen.

Zudem kann Microsoft mit einer Übernahme seinem Cloud-Konkurrenten Google einen wichtigen Kunden wegschnappen. Denn aktuell läuft Discord noch auf der Google Cloud – nach einer Übernahme aber wohl auf Azure.

Microsoft kann sich teure Übernahmen leisten und wenn man die reine Vertriebsplattform Game Pass durch Discord mit Leben füllen kann, könnte der Konzern endlich über eine eigene Online-Community verfügen, die man mit attraktiven Angeboten erst bezirzen und dann langfristig melken kann.

Mischt man hier noch eine Prise Cloud-Gaming auf Azure hinzu, hat Microsoft neben Tencent die besten Chancen sich in Zukunft noch weiter (und vor allem breiter) von der Gaming-Konkurrenz abzusetzen. Fehlt eigentlich nur noch eine Engine mit etwas VR-Flair – vielleicht wird ja eines Tages die Unity-Übernahme die Krönung.

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