20.06.2005 DER AKTIONÄR

Megafusion in Holland?

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Der niederländische Telekomkonzern Versatel soll kurz vor der Übernahme stehen. Der Medienmogul John de Mol steht in den Startlöchern. Bietet sich bei Versatel nun eine Kaufchance auch für Anleger?

Der niederländische Telekomkonzern Versatel soll kurz vor der Übernahme stehen. Der Medienmogul John de Mol steht in den Startlöchern. Bietet sich bei Versatel nun eine Kaufchance auch für Anleger?

Von Nancy Lanzendörfer

Big Brother"-Erfinder John de Mol kaufte erst vor kurzem mit seiner Firma Talpa den niederländischen Hörfunk-Marktführer Radio 538; zukünftig will er aber auch mit einem neuen TV-Kanal auf Sendung gehen. Als Distributionsvehikel könnte ihm dann Versatel dienen. Wie zufällig hält der Milliardär über Talpa auch 42 Prozent an der zweitgrößten holländischen Telekomgesellschaft.

Der Medienmogul glaubt, dass es künftig keine Trennung mehr zwischen Fernsehen, Radio, Internet und Telefonie geben wird und sämtliche Mediendienste über ein Netzwerk angeboten werden. De Mol gilt daher auch als treibende Kraft hinter der bevorstehenden Megafusion zwischen Talpa, Versatel und der belgischen Belgacom. Die drei Unternehmen führen derzeit Gespräche über eine Zusammenarbeit. Medienkreise gehen davon aus, dass Talpa oder Belgacom noch bis Ende des Monats eine Übernahmeofferte für Versatel vorlegen werden.

Versatel ist sowohl im Heimatland als auch in Belgien aktiv und erwirtschaftet rund die Hälfte des Umsatzes in Deutschland. Das Glasfasernetz von Amsterdam über Brüssel nach München bis nach Flensburg umfasst auch Verbindungen via Paris und London nach New York. Konkurrent Belgacom könnte somit neue Märkte erschließen, Talpa könnte für die Programme sorgen, die über die Netze von einem fusionierten Konzern verbreitet werden können. Letztere erwarb bereits gemeinsam mit Versatel Senderechte für die Übertragung niederländischer Fußballspiele.

Talpa und Belgacom stehen genügend Mittel zur Verfügung, um die Übernahme der an der Börse mit rund einer Milliarde Euro bewerteten Versatel zu stemmen. Gerüchten zufolge sollen die Belgier sogar bereit sein, bis zu 1,3 Milliarden Euro zu zahlen.

Im Gegensatz zu Versatel werden Belgacom ohne die Fusion eher dürftige Perspektiven zugesprochen. Die Wachstumsmöglichkeiten auf dem Heimatmarkt sind mittlerweile beschränkt. Versatel hingegen könnte Analysten zufolge auf einem guten Weg sein, bald schwarze Zahlen zu schreiben. Im ersten Quartal 2005 verringerte sich der Verlust von 7,2 Millionen Euro im Vorjahresquartal auf 2,5 Millionen, der Umsatz verbesserte sich um 31 Prozent auf 178 Millionen.

Beflügelt von der Übernahmefantasie konnte die Aktie von Versatel zwischenzeitlich bereits gut zulegen. Der Chartverlauf zeugt aber auch von einer hochvolatilen Entwicklung. Das Papier eignet sich also nur für nervenstarke Anleger. Sollten sich die Spekulationen bewahrheiten, dürften kurzfristig 25- bis 30-prozentige Kurssteigerungen drin sein.

 

 

Artikel aus DER AKTIONÄR (25/05).

 

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