Aumovio und BMW legen ihren zähen Rechtsstreit überraschend bei. Obwohl der Zulieferer 350 Millionen Euro zahlt und die Marge kappen muss, schießt die Aktie an die MDAX-Spitze. Der Markt feiert das Ende der Unsicherheit und ein gewaltiges Auftrags-Paket.
Die Aumovio-Aktie schießt am Donnerstagspätnachmittag um bis zu 14 Prozent nach oben und markiert mit 42,00 Euro den höchsten Stand seit Ende Februar. Der Grund für den Kurssprung ist eine Ad-hoc-Meldung, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt: Aumovio zahlt eine hohe Millionenstrafe an BMW und senkt die Jahresziele. Dennoch greifen Anleger massiv zu.
Teurer Vergleich, aber maximale Erleichterung
Aumovio und BMW haben sich auf einen Vergleich geeinigt, um rechtliche Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit einem zurückliegenden Gewährleistungsfall bei einem integrierten Bremssystem beizulegen.
Aumovio zahlt dafür einen Vergleichsbetrag von 350 Millionen Euro an die Münchner. Die Summe wird in zwei Tranchen im dritten und vierten Quartal 2026 fällig. Bislang hatte Aumovio für diesen Streitfall lediglich 54 Millionen Euro zurückgestellt.
Dass der Markt die Nachricht trotzdem feiert, liegt an der Neuausrichtung der Partnerschaft: BMW vergibt im Zuge der Einigung neue Aufträge in einem Volumen von über einer Milliarde Euro an Aumovio. Damit ist das Drohszenario einer abgebrochenen Kundenbeziehung vom Tisch.
Die Zahlen im Überblick
Die Entschädigungszahlung belastet das zweite Quartal spürbar. Vorläufige Eckdaten für Q2 2026:
- Bereinigter Umsatz: 4,244 Milliarden Euro (ohne Vergleichseffekt wären es 4,307 Milliarden Euro gewesen).
- Bereinigtes EBIT: 50 Millionen Euro, was einer Marge von 1,2 Prozent entspricht. Ohne den Vergleich hätte das EBIT bei 152 Millionen Euro (Marge: 3,5 Prozent) gelegen.
- Normalisierter Freier Cashflow: -34 Millionen Euro.
Infolge der Einigung passt der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr 2026 an:
- EBIT-Marge (bereinigt): 3,0 bis 4,0 Prozent (bisher: 3,5 bis 5,0 Prozent).
- Umsatz (bereinigt): 17,0 bis 17,5 Milliarden Euro (bisher: 17,0 bis 18,5 Milliarden Euro).
- Freier Cashflow: 500 bis 700 Millionen Euro (bisher: 500 bis 800 Millionen Euro).
Die finanzielle Belastung schmerzt kurzfristig, aber der strategische Nutzen überwiegt bei Weitem. Börsianer hassen nichts mehr als unkalkulierbare Rechtsrisiken. Mit dem Vergleich ist der größte Belastungsfaktor der letzten Monate ausgeräumt. Der neue Milliardenauftrag von BMW unterstreicht zudem, dass Aumovio technologisch unverzichtbar bleibt. Sowohl die Aktie von Aumovio als auch die von BMW sind derzeit laufende Empfehlungen von DER AKTIONÄR. Investierte Anleger bleiben bei beiden Werten an Bord.
Heute, 18:13
Bei Google bevorzugen