Die nächste Milliardenübernahme im KI-Sektor ist perfekt: Marvell Technology schluckt den Optikspezialisten Lumentum für einen rechnerischen Unternehmenswert von 115 Milliarden Dollar. Die Nachricht sorgt vorbörslich für Erleichterung bei Anlegern. Die Marvell-Aktie legt rund drei Prozent zu. Der Grund: Trotz des gewaltigen Kaufpreises muss der Chipkonzern keinen Milliardenbetrag in bar auf den Tisch legen.
- Aktientausch statt Barzahlung: Lumentum-Aktionäre erhalten 4,5 Marvell-Aktien je Anteilsschein.
- 115 Milliarden Dollar Dealwert: Der Preis entspricht rechnerisch 1.132 Dollar je Lumentum-Aktie und einer Prämie von 23,9 Prozent.
- 550 Milliarden Dollar Marktpotenzial: Mehr als eine Milliarde Dollar jährliche Kostensynergien sollen zusätzlich helfen.
Für Marvell ist der Deal strategisch ein großer Schritt. Der Konzern kombiniert seine Expertise bei Netzwerkchips, kundenspezifischen KI-Beschleunigern und elektrischen Verbindungen mit Lumentums Know-how bei optischen Transceivern, Hochleistungslasern und optischen Schaltsystemen.
Der Hintergrund: Rechenzentren für Künstliche Intelligenz stoßen zunehmend an die Grenzen klassischer Kupferverbindungen. Mit immer leistungsfähigeren KI-Systemen steigen die Anforderungen an Bandbreite, Geschwindigkeit und Energieeffizienz. Optische Technologien auf Basis von Licht werden deshalb immer wichtiger. Genau hier setzt die Übernahme an.
Durch den Zusammenschluss entsteht ein Anbieter, der nahezu die gesamte Verbindungstechnik zwischen einzelnen Chips, Servern und Rechenzentren abdecken kann. Das soll die Entwicklung integrierter Lösungen beschleunigen und Marvell einen besseren Zugang zu den milliardenschweren Investitionen der Hyperscaler verschaffen.
Enormes Marktpotenzial
Marvell beziffert den adressierbaren Markt des fusionierten Unternehmens auf 550 Milliarden Dollar. Zudem sollen jährliche Kostensynergien von mehr als einer Milliarde Dollar entstehen. Bereits im ersten vollständigen Jahr nach Abschluss soll sich die Übernahme positiv auf den bereinigten Gewinn je Aktie auswirken.
Reiner Aktientausch
Entscheidend ist allerdings die Finanzierung des Deals: Da Marvell ausschließlich eigene Aktien ausgibt, fließt kein entsprechender Milliardenbetrag in bar ab. Die bisherigen Marvell-Aktionäre werden nach dem Abschluss rund 67 Prozent am gemeinsamen Unternehmen halten, die Lumentum-Anteilseigner etwa 33 Prozent. Eine Verwässerung ist damit verbunden, ein enormer Liquiditätsabfluss bleibt dem Konzern aber erspart.
Der Abschluss ist für das erste Halbjahr 2028 geplant. Bis dahin stehen noch Aktionärs- und Behördenzustimmungen aus.
Dank des Deals gewinnt Lumentum vorbörslich rund zweieinhalb Prozent, für Marvel geht es um drei Prozent aufwärts. Zwar steht keine der beiden Aktien auf der Empfehlungsliste des AKTIONÄR, der Chip-Titan-Index profitiert aber dennoch von der Nachricht. Neben Marvell sind in diesem Auswahlindex 19 weitere führende Unternehmen aus der Chipbranche vertreten. Für die zuletzt schwächelnde Chipbranche ist der Deal eine positive Nachricht.
Heute, 13:21
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