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17.03.2020 Martin Mrowka

Lufthansa: Wie schlimm steht es um die deutsche Fluggesellschaft?

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Deutsche Lufthansa

Die Lufthansa-Aktie gehört am Dienstag schon wieder zu den schwächsten Werten im DAX. Dabei hatte alles am Morgen noch so gut ausgesehen. Nun sorgt aber eine Meldung aus Italien für neue Verunsicherung. Dort muss die ohnehin seit Jahren kriselnde Fluggesellschaft Alitalia wegen der Corona-Krise verstaatlicht werden.

Laut der Agentur Reuters plant die italienische Regierung, die Kontrolle über Alitalia zu übernehmen, da die ohnehin taumelnde Fluggesellschaft aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus-Ausbruchs nun in existenzielle Not gerät. Als erste Maßnahme stellt die italienische Regierung hat 600 Millionen Euro zur Verfügung, um die Fluggesellschaft über Wasser zu halten.

Schon Anfang des Jahres hatte Alitalia 400 Millionen von der Regierung erhalten, die nun offenbar aufgebraucht sind, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person mitteilte.

Spohr: "Mit den Regierungen aktive Unterstützungen besprechen"

Die Lufthansa steht deutlich besser da, allerdings lotet die deutsche Fluggesellschaft für den Fall, dass sich die Corona-Krise verschlimmert oder länger hinzieht, ebenfalls mögliche Staatshilfen aus. Der Vorstand habe sich angesichts "dieser bisher unbekannten Herausforderung daher entschieden, mit den Regierungen unserer Heimat-Länder nicht nur wie bisher über den Abbau von Belastungen zu sprechen, sondern auch über aktive Unterstützungen, sobald diese notwendig werden", hatte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Montag gesagt.

Von einer Staatsbeteiligung wie in Italien will man in Lufthansa-Kreisen aber angesichts der hohen Liquiditätsreserven nichts wissen. Dass mögliche Hilfen unterhalb einer Beteiligung über die Frankfurter Staatsbank KfW organisiert werden könnten, blieb aber zumindest unwidersprochen.

Unterdessen kürzt die Lufthansa ihre laufenden Ausgaben und versucht Investitionen zu verschieben. Für einen Teil der Belegschaft soll Kurzarbeit beantragt werden. Spohr rief die Mitarbeiter zu Solidarität und Verzicht auf, "um die Zukunft der Lufthansa-Gruppe zu sichern". Ziel sei, möglichst alle Beschäftigten an Bord zu halten.

Flug-Angebot wird zusammengestrichen

Die Führungsspitze der spielt zudem bereits Möglichkeiten durch, wie sie Teile des Flugbetriebs im Extremfall zeitweise stilllegen könnte. Spohr nannte "auch potenzielle temporäre Schließungen" von Flugbetrieben oder einzelner Drehkreuze. Als Drehkreuze - sogenannte Hubs - gelten bei der Lufthansa die großen Flughäfen in Frankfurt, München, Wien und Zürich.

Angesichts der weltweiten Reisewarnung der Bundesregierung streicht die Lufthansa zunächst ihr Flug-Angebot weiter zusammen. Demnach soll nur noch jeder zehnte geplante Fernflug stattfinden und ungefähr jede fünfte Nah- und Mittelstreckenverbindung. Ursprünglich hatte das Unternehmen im Sommerflugplan rund 26.000 Flüge in der Woche geplant. Die Tochter Austrian Airlines (AUA) will ihren regulären Flugbetrieb von diesem Donnerstag an zunächst bis 28. März komplett einstellen.

Lufthansa-Aktie mit neuem 8-Jahres-Tief

Der Aktienkurs der Lufthansa-Aktie kommt trotz der Maßnahmen nicht nachhaltig auf die Beine. Nach einem starken Handelsstart mit einem Kursaufschlag von etwa fünf Prozent, sackte der DAX-Wert am Vormittag wieder bis auf 8,02 Euro ab - der tiefste Stand seit Juni 2012. Zuletzt berappelte sich der Kurs wieder ein wenig.

Deutsche Lufthansa (WKN: 823212)

Gestützt hatte eine Hochstufung der Lufthansa-Aktie durch die französische Großbank Société Générale (SocGen). Der Airline stehe wegen der Coronavirus-Krise ein schlimmer Sommer bevor, schrieb Analyst Michael Kuhn in einer aktuellen Studie. Allerdings sei die Fluggesellschaft mit Blick auf den Flottenanteil im Eigenbesitz in Europa führend. Zudem dürfte das Geschäft der Lufthansa abseits des Flugbetriebs stabilisieren. Kuhn stufte die Lufthansa von "Hold" auf "Buy" hoch, senkte jedoch das Kursziel deutlich von 18 auf 11 Euro.

Die Lage bei der Kranich-Airline ist zweifellos ernst. Dennoch dürften nur wenige Fluggesellschaften in ganz Europa derart gute Chanen wie die Lufthansa haben, diese historische Krise zu überstehen. Die günstig bewertete Aktie sollten Anleger daher unbedingt auf ihrer Watchlist belassen. Vor einem Einstieg sollte eine Stabilisierung des Börsenumfelds abgewartet werden.

(Mit Material von dpa-AFX)

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