Investieren wie Peter Lynch - So geht's
12.06.2020 Jochen Kauper

IVU Traffic profitiert von den Megatrends Mobilität und Digitalisierung – Aktie bei Rücksetzern kaufen!

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IVU Traffic

Die Aktie von IVU Traffic Technologies hat sich zuletzt hervorragend entwickelt. Die Zahlen lagen sogar einen Tick über den hoch gesteckten Erwartungen. DER AKTIONÄR sprach mit Vorstand Martin Müller-Elschner über den Stand der Dinge.

DER AKTIONÄR: Herr Müller-Elschner, der Lockdown hat sich nicht auf ihr Geschäft ausgewirkt – andere Firmen ächzen dagegen unter den Beschränkungen. Was macht die IVU krisenresistent?



Martin Müller-Elschner: Ganz konkret profitieren wir in der aktuellen Situation davon, dass wir ein sehr digitales Unternehmen sind. Wir können unsere Projekte im Prinzip von überall aus durchführen. Mein Dank gilt hier den Kollegen, die sich sehr schnell auf die neue Situation eingestellt haben. Und dann sind da noch die großen Megathemen Mobilität und Digitalisierung. Diese Trends sind langanhaltend und bleiben auch über die Krise hinweg aktuell. Zumal gerade jetzt deutlich wird: Unsere Lösungen – Effizienzeinsparungen und die Fähigkeit, schnell auf Änderungen reagieren zu können – sind für Verkehrsunternehmen wichtiger denn je.

Q1-Zahlen IVU Traffic Technologies
ivu.de

Das EBIT haben sie für das Gesamtjahr sogar nach oben geschraubt – mit welcher Begründung?

Martin Müller-Elschner: Das ist wie immer eine Mischung aus verschiedenen Faktoren. Zum einen haben wir im Mai die IVU.elect GmbH, unsere Tochter für Wahlsoftware, verkauft. Zum anderen sind wir jetzt schon weiter im Jahr vorangeschritten und können sowohl die Auftragslage, als auch die Auswirkungen von Corona besser überblicken. Im Ergebnis kommen wir erfreulicherweise auf ein positives Fazit und eine entsprechend höhere Gewinnerwartung.

„Scheuer will Milliarden in den Nahverkehr stecken“, „Geldregen für Busse und Bahnen“, muss sich IVU bei diesen Schlagzeilen noch Sorgen um die Zukunft machen?

Martin Müller-Elschner: Wir sind in der Tat sehr optimistisch, was die künftige Nachfrage nach unseren Produkten angeht. Digitalisierung und Mobilität bleiben wichtig. Außerdem verändert sich der Verkehr zurzeit rapide, Beispiel Elektromobilität und „New Mobility“. Unsere Produkte unterstützen Verkehrsunternehmen dabei, sich auf diese Entwicklungen einzustellen und sind entsprechend gefragt.

Welcher Bereich wird für IVU in Zukunft besonders an Bedeutung gewinnen?

Martin Müller-Elschner: Das Geschäft mit nationalen und internationalen Eisenbahnen ist schon jetzt wichtig für uns und wird in Zukunft sicher noch wachsen. Aktuell machen wir damit etwa 40 % unserer Wertschöpfung, das wollen wir noch ausbauen. Daneben sehen wir in Dienstleistungen rund um unsere Produkte noch Wachstumspotenzial. In erster Linie betrifft das natürlich die IVU.cloud, die uns hilft, unsere wiederkehrenden Umsätze zu steigern und damit auch unser Geschäft planbarer zu machen.

IVU Traffic (WKN: 744850)

Mit IVU.rail haben sie einen hohen Marktanteil in Deutschland. Ist das Projekt HS2 in England für IVU ein Thema?

Martin Müller-Elschner: Wir sind in Großbritannien mit einer Niederlassung präsent und arbeiten bereits mit zwei Bahnunternehmen zusammen. Natürlich sind wir auch daran interessiert, den Betreiber der Hochgeschwindigkeitsstrecke bei der Zug- und Personaleinsatzplanung zu unterstützen.

Welche Projekte werden für IVU in den nächsten Monaten von Bedeutung sein?

Martin Müller-Elschner: Der Rollout bei DB Regio kommt gut voran und auch bei DB Fernverkehr gehen in diesem Jahr erste Module in den produktiven Betrieb, das wird uns sicherlich sehr beschäftigen – und auch finanziell wird sich das Projekt dieses Jahr erstmals signifikant bemerkbar machen. Der Projektstart mit der Dänischen Staatsbahn ist trotz Corona gut geglückt und wird uns ebenfalls fordern. Ansonsten gibt es noch viele kleinere spannende Projekte, zum Beispiel mit der BVG, wo wir unser System um Funktionalitäten für die Planung von Elektrobussen erweitern, oder in Wiesbaden, wo wir mit Daimler Buses ein Lademanagement für Elektrobusse aufbauen.

Die Regierung hat die Märkte massiv gestützt. Wie sehen sie die Geschäftsentwicklung über das Jahr 2020 hinaus?

Martin Müller-Elschner:Angesichts der Einnahmeausfälle im öffentlichen Verkehr wären Konjunkturprogramme für unsere Kunden eine wichtige Stütze, um einen regelmäßigen Betrieb aufrecht erhalten zu können. Auf lange Sicht ist es für unsere Kunden aber auch wichtig, dass die Menschen das Vertrauen in öffentliche Busse und Bahnen zurückgewinnen. Im Moment gehen wir davon aus, dass sich die Situation zunehmend normalisieren wird – sowohl gesamtwirtschaftlich als auch im Bereich des öffentlichen Verkehrs.

IVU Traffic (WKN: 744850)

Wie lautet das langfristige Ziel von IVU – wo wollen Sie in Bezug auf Umsatz und Gewinn in den nächsten fünf Jahren stehen?

Martin Müller-Elschner: Ich bin für qualitatives Wachstum, gepaart mit Profitabilität. Und das bereits geschilderte Momentum aus den Megatrends „Smart Cities“, Klimaschutz und Digitalisierung spricht schon sehr für eine weiterhin gute Geschäftsentwicklung – übrigens auch am zunehmend anspruchsvollen Bewerbermarkt. Grundsätzlich haben wir in den vergangenen Jahren immer das Ziel von 7 % Rohergebniswachstum bei einer EBIT/Rohergebnis-Marge von 12,5 % ausgegeben – und regelmäßig übertroffen. Ich denke, das ist sicherlich auch aktuell noch ein guter Rahmen für die weitere Entwicklung der IVU in den nächsten Jahren.

Langfrisitig top!

Fazit: IVU Traffic ist für die Zukunft glänzend aufgestellt. Der Langfristchart von IVU ist beeindruckend. Rücksetzer bieten auf lange Sicht immer wieder hervorragende Kaufgelegenheiten.