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04.07.2019 Michael Schröder

Infineon: Ruhe vor dem Sturm

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Infineon

Die Infineon-Aktie hat den „Übernahme-Schock“ verdaut. Als der Konzern am 2. Juni den geplanten Kauf des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor ankündigte, notierte der Kurs knapp über der 16-Euro-Marke. Im Anschluss sackte der Titel im Tief auf 13,52 Euro ab. Nach Bekanntgabe des Platzierungspreises für die notwendige Kapitalerhöhung erfolgte eine ebenso dynamische Erholung. Wie geht es weiter?

Am 18. Juni hat sich Infineon einen Teil der benötigen Milliarden für die Übernahme des US-Konkurrenten Cypress Semiconductor durch eine Kapitalerhöhung gesichert. Dazu wurden knapp 113 Millionen neue Aktien zu je 13,70 Euro in einem beschleunigten Verfahren bei institutionellen Investoren platziert. Vor Kosten und Provisionen nahm der Konzern so 1,55 Milliarden Euro ein. Die gesamte Übernahe soll rund neun Milliarden Euro kosten.

Der Kurs konnte sich im Anschluss schnell von den Tiefstständen lösen. Rückenwind bekamen die Bullen durch die Wiederaufnahme der Gespräche im Handelsstreit zwischen den USA und China. Bis zum 1. Juli legte der Titel 25 Prozent zu und notierte wieder bei 16,80 Euro. Im Anschluss ist die Aktie wieder in den Konsolidierungsmodus übergegangen.

Infineon (WKN: 623100)

Die Lage an vielen Endmärkten bleibt insgesamt unsicher. Das trifft aber die Wettbewerber ebenso wie Infineon. Ob es bereits ab dem zweiten Halbjahr wieder zu einer Erholung der Nachfrage kommt, ist unklar. Die direkten Auswirkungen des Handelsstreits zwischen den USA und China sind für Infineon dagegen eher gering. Die (Straf-)Zölle auf die direkten Produkte sind für den Konzern überschaubar. Dennoch dürfte sich die bisherige Entwicklung des Streits auch nach der Wiederaufnahme der Gespräche negativ auf die globale Konjunkturentwicklung ausgewirkt haben. Das gilt besonders für die Halbleiterbranche, deren globale Vernetzung im Vergleich zu anderen Industrien deutlich höher ist.

Aktuelle Geschäftszahlen zum dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2018/19 gibt es bei Infineon am 1. August. Der Vorstand erwartet bei einem angenommenen Euro/Dollar-Wechselkurs von 1,15 einen Umsatzanstieg von einem Prozent mit einer Spanne von plus oder minus zwei Prozentpunkten. In der Mitte der Umsatzspanne wird die Segmentergebnis-Marge etwa 15 Prozent betragen. Die zuvor bereits gesenkte Jahresprognose sollte dabei bestätigt werden.

Die Infineon-Aktie dürfte ihre Gegenbewegung im Vorfeld der Zahlen weiter fortsetzen. Anleger mit Weitblick können das aktuelle Niveau daher weiter zum Auf- oder Ausbau einer Position nutzen, sollten sich dabei aber auch auf kleinere Rücksetzer einstellen. Die erste Zielzone, die die Aktie zeitnah anlaufen sollte, liegt zwischen 17 und 18 Euro.

Hinweis nach §34 WPHG zur Begründung möglicher Interessenkonflikte: Akien oder Derivate, die in diesem Artikel besprochen / genannt werden, befinden sich im "Real-Depot" von DER AKTIONÄR.