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21.08.2020 Andreas Deutsch

Gazprom: Gruselchart!

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Gazprom

Während viele Aktien neue Rekordhochs markieren oder kurz davor stehen, haben Gazprom-Aktionäre keinen Grund zur Freude. Vom Verlaufshoch im Juni hat sich der Kurs deutlich entfernt, das Minus seit Jahresanfang beläuft sich auf 28 Prozent. In den vergangenen Tagen hat sich das Chartbild noch einmal deutlich eingetrübt.

Erdgas wird im globalen Energiemix zwar eine immer wichtigere Rolle spielen. Und Gazprom verfügt über die mit Abstand größten Reserven der Welt. Trotzdem haben die Anleger derzeit andere Favoriten als das russische Unternehmen.

Ein wesentlicher Grund für die Kursschwäche: das Projekt Nord Stream 2, dessen Zukunft völlig unklar ist. Die Gas-Pipeline ist fast fertig, nur noch 160 Rohr-Kilometer fehlen. Allerdings verhindern die Amerikaner, dass es weitergeht. Sie drohen Unternehmen Strafen an, die sich am Bau beteiligen.

Hintergrund: Die USA wollen verhindern, dass die EU bei der Gasversorgung abhängig von Russland wird.

Die Fronten scheinen verhärtet. Doch CDU-Lokalpolitiker aus Sassnitz geben nicht auf. Sie haben US-Präsident Donald Trump auf die Insel Rügen eingeladen, um ihn für die Erdgasleitung Nord Stream 2 zu gewinnen.

Sie reagieren damit auf Sanktionsdrohungen dreier Senatoren von Trumps Republikanern gegen den Hafen in Sassnitz, sollte der länger als Basis für die Verlegung der Rohre in der Ostsee dienen, schreibt die Welt.

Man wolle, „dass am Bau der Gaspipeline Nord Stream 2, die in rechtsstaatlichen Verfahren in allen europäischen beteiligten Ländern genehmigt ist, ausdrücklich festgehalten wird“.

Ob Trump sich davon beeindrucken lässt, bleibt abzuwarten.

Gazprom (WKN: 903276)

Das Nord-Stream-2-Dilemma spiegelt sich im Kurs von Gazprom wider. Die Aktie droht an der Heimatbörse in Moskau unter die Unterstützung bei 180 Rubel zu fallen. In Euro ist Gazprom nur noch einen Hauch vom 3-Monats-Tief bei 4,11 Euro entfernt. Nur für Mutige.  

(Mit Material von dpa-AFX)  


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