Hier wird Geschichte geschrieben. Nicht verpassen!
20.05.2015 Andreas Deutsch

Commerzbank und Deutsche Bank: Fitch macht ernst - Aktien unter Druck

-%
Deutsche Bank

Die Ratingagentur Fitch hat mit der erwarteten Massenabstufung von europäischen Banken begonnen. Mehrere deutsche Banken, etwa die Commerzbank, und auch die Deutsche Bank werden nun schlechter bewertet.

Der Grund für die Maßnahme: Europas Regierungen sind nicht mehr bereit, die Geldhäuser im Krisenfall zu stützen. Die Commerzbank wurde von Fitch gleich um vier Noten schlechter bewertet, und zwar mit "BBB" statt „A+“. Das sind nur mehr zwei Stufen über Ramschniveau. Allerdings ist der Ausblick "positiv", das Institut könnte also demnächst heraufgestuft werden. Bei der Deutschen Bank hingegen wurde das Rating zwar nur um eine Stufe auf "A" gesenkt, der Ausblick ist aber „negativ“.

Die Bank-Austria-Mutter UniCredit wurde von "A+" auf "A-" abgestuft. Der deutsche Immobilienfinanzierer Aareal Bank hat nun nur noch ein „BBB+" und kein "A-" mehr. Die Bewertung der britischen Royal Bank of Scotland wurde um eine Stufe auf "BBB+" gesenkt.

Das Rating der deutschen Pfandbriefbank hat sich von „A-" auf „BBB“ verschlechtert, außerdem wurde das Institut mit negativem Ausblick versehen. Auch für deutsche Sparkassen und Genossenschaftsinstitute senkte Fitch die Daumen.

Société Générale heraufgesetzt

Die Agentur hatte für einige Banken aber auch positive Nachrichten: So hob Fitch die Bewertung der britischen Lloyds Banking Group um eine Stufe auf „A+“ an. Bei der französischen Societe Generale wurde immerhin der Ausblick auf "stabil" heraufgesetzt. Bei der ebenfalls französischen BNP änderte Fitch nichts, auch die britische Barclays sowie die beiden schweizerischen Institute Credit Suisse und UBS werden wie bisher bewertet.

Aufgrund der neuen Bankenabwicklungsrichtlinie der EU geht Fitch davon aus, dass Banken im Krisenfall nicht mehr damit rechnen können, dass der Steuerzahler einspringt. Den neuen Regeln zufolge sollen nämlich vor allem die Anleihegläubiger haften - so wie erstmals im Fall der Kärntner Hypo/Heta.

Bisher hat Fitch zwischen einem sogenannten Stand-Alone-Rating und dem tatsächlich Rating unterschieden. Das Stand-Alone-Rating steht für die Widerstandskraft der Banken ohne staatliche Unterstützung. Das offizielle Rating fiel vielfach besser aus, da das schon miteingerechnet ist, dass sie den Staat im Rücken haben.

Beide Aktien haben trotzdem noch Luft

Die Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank geben am Mittwochmorgen leicht nach, was angesichts der Kursgewinne in den vergangenen Tagen nicht Besorgnis erregend ist. Der Schritt von Fitch kommt nicht überraschend und sollte in den Aktienkursen bereits eingepreist sein. Im Branchenvergleich sind die deutschen Großbanken moderat bewertet. DER AKTIONÄR sieht das Kursziel für die Deutsche-Bank-Aktie bei 40 Euro, der Stopp sollte bei 24,50 Euro gesetzt werden. Die Commerzbank-Aktie hat Luft bis 14 Euro. Stopp bei 10,80 Euro setzen!

(Mit Material von dpa-AFX)

Buchtipp: Narrative Wirtschaft

„Tech-Aktien steigen immer!“ „Immobilien­preise fallen nie!“ Stimmt das wirklich? Ob wahr oder nicht, solche Narrative, oder einfacher gesagt Geschichten, beeinflussen das Verhalten von Menschen und somit auch die Wirtschaft massiv. Wie entstehen Narrative? Wie gehen sie viral, wie gewinnen sie an Einfluss, wann verlieren sie diesen wieder? Welche Auswirkungen haben sie? Und, last, but not least: Wie lassen sich mit ihnen ökonomische Zusammenhänge und Entwicklungen besser verstehen und vorhersagen? Diese Fragen untersucht Wirtschafts-Nobelpreisträger Robert J. Shiller in seinem vielleicht wichtigsten Buch.

Autoren: Shiller, Robert J.
Seitenanzahl: 480
Erscheinungstermin: 16.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-666-0