Das erste Treffen zwischen Lars Klingbeil und UniCredit-Chef Andrea Orcel ist geschafft. Der Finanzminister formulierte erneut klare Erwartungen an die italienische Großbank. Die Fronten bleiben damit verhärtet. Orcel bewertete das Gespräch dennoch als „gut und konstruktiv“.
- Das erste Treffen zwischen Lars Klingbeil und Anrea Orcel brachten keine konkreten Fortschritte.
- Klingbeil fordert den Erhalt der eigenständigen Commerzbank.
- Weitere Gespräche sollen zeitnah folgen.
Im Streit um eine mögliche Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit bleiben die Fronten verhärtet. Nach dem gestrigen Gespräch mit UniCredit-Chef Andrea Orcel in Berlin pocht Finanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil weiter auf zentrale Bedingungen der Bundesregierung.
„Wir erwarten, dass die Commerzbank eine börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bleibt und ihr starkes Mittelstandsgeschäft fortsetzt – sowohl in Deutschland als auch international“, erklärte Klingbeil im Anschluss an das Treffen.
Die Commerzbank müsse ihre wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und insbesondere des Mittelstands auch künftig erfüllen können. Zudem betonte Klingbeil, dass die Bundesregierung an der Seite der mehr als 40.000 Mitarbeiter der Bank stehe.
Orcel bewertete das Gespräch hingegen als „gut und konstruktiv“. Zeitnah sollten weitere Gespräche folgen. „Nun liegt es an beiden Seiten, dieses erste Gespräch zu reflektieren, damit wir einen Weg finden können, der den Interessen aller Stakeholder und Anteilseigner bestmöglich gerecht wird“, erklärte der UniCredit-Chef.
UniCredit war vor rund zwei Jahren bei der Commerzbank eingestiegen und hat sich inzwischen den Zugriff auf fast 50 Prozent der Anteile gesichert. Die italienische Großbank wirbt offensiv für eine Übernahme des Frankfurter DAX-Konzerns.
Der deutsche Staat hält nach der Rettung der Commerzbank während der Finanzkrise noch gut zwölf Prozent an dem Institut und ist damit zweitgrößter Aktionär. Bei einer möglichen Übernahme kommt der Bundesregierung daher eine wichtige Rolle zu. Ob Klingbeil seine Forderungen allerdings dauerhaft durchsetzen kann, ist angesichts der Beteiligungsverhältnisse und des Einflusses der UniCredit fraglich.
Orcel sieht bei einer Übernahme ein erhebliches Einsparpotenzial in Milliardenhöhe. Damit verbunden wäre voraussichtlich auch der Abbau Tausender Stellen. Zudem will der UniCredit-Chef das Auslandsnetz der Commerzbank beschneiden.
Bei der Commerzbank sorgen die Pläne für Unruhe. In Frankfurt gibt es unter anderem Befürchtungen, dass ein Zusammenschluss zu einem umfassenden Stellenabbau führen könnte. Zudem steht die Sorge im Raum, dass die Commerzbank perspektivisch mit der UniCredit-Tochter HypoVereinsbank verschmolzen werden könnte. In diesem Fall könnte auch München als künftiger Hauptsitz an Bedeutung gewinnen.
Das erste Treffen hat vor allem die unterschiedlichen Interessen beider Seiten bestätigt. Klingbeil verlangt den Erhalt der eigenständigen Commerzbank mit Sitz in Frankfurt, während UniCredit-Chef Orcel die wirtschaftlichen Vorteile einer Übernahme betont. Das Gespräch hat damit keine konkreten Fortschritte im Ringen um eine mögliche Übernahme der Commerzbank gebracht. Das war bei einem ersten Gespräch aber auch nicht zu erwarten. Die Einschätzung zur Commerzbank-Aktie bleibt dementsprechend unverändert. Investierte Anleger halten an ihren Positionen fest.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
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