Eine Abspaltung wirft einige Fragen auf. Ich habe sie dem Unternehmen gestellt. Leider unbefriedigende Antworten. Aus diesem Grund gehe ich jetzt an die Öffentlichkeit. Machen Sie sich gern selbst ein Bild. Meine Gedanken zur Lage bei BioNTech.
Manches muss man zweimal lesen. So wie das hier: Uğur Şahin und Özlem Türeci verlassen BioNTech – und gründen neu. Nun sind die beiden nicht irgendwer: Gründer von BioNTech und dadurch Milliardäre. Träger des Bundesverdienstkreuzes. Und jetzt bald: Chefs eines Start-ups. Mit Technologien, Rechten und Know-how, das sie in wesentlichen Teilen bei der börsennotierten BioNTech aufgebaut haben. Mit Geld, das deren Aktionäre ihnen anvertraut haben. Und in einem Tempo, das kaum Zeit lässt für kritische Nachfragen. Was hier abläuft, riecht nach einem sorgfältig arrangierten Neustart – auf Kosten der freien Aktionäre.
Die Vereinbarung klingt auf den ersten Blick ausgewogen. BioNTech überträgt dem neuen Unternehmen bestimmte mRNA-Technologien und Rechte – zu „marktüblichen Konditionen“ (im Fachjargon „arm’s length“), wie es heißt. Im Gegenzug erhält der Mainzer Konzern eine Minderheitsbeteiligung, Lizenzgebühren und Meilensteinzahlungen. Am 10. März 2026 wurde die Transaktion angekündigt. Die Verträge sollen noch in diesem Halbjahr stehen – also 30. Juni, das sind noch wenige Tage. Offenbar will man keine Fragen. Zumindest keine kritischen. Die Kernfrage zuerst: Droht BioNTech der Abfluss von Wissen ohne entsprechende Gegenleistung? Werden Anleger und Unternehmen ihrer Zukunft beraubt? Haben wir es mit einem Restrukturierungsfall zu tun, bei dem die Gründer zur Unzeit von Bord gehen? Und ganz generell gefragt: Warum muss man eine neue Firma gründen und belässt das Geschäft und die Forschung nicht einfach da, wo sie jetzt sind? In BioNTech?
Şahin und Türeci haben BioNTech zur Weltmarke gemacht. Das verdient Respekt – und bleibt unbestritten. Aber die gerade schon angedeuteten Fragen müssen gestellt und dann bitte auch beantwortet werden. Gerade weil die beiden so viel Vertrauen genießen, haben sie eine besondere Verpflichtung gegenüber ihren Mitarbeitern und Aktionären: vollständige Transparenz, faire Bewertung, ausreichend Zeit. Was ich stattdessen sehe: Eile, Intransparenz, Interessenkonflikte – und einen CEO, der nicht einmal in seiner Abschiedsrede im Rahmen der Hauptversammlung konkret auf die Modalitäten der Abspaltung eingeht.
Aus diesem Grund habe ich dem Unternehmen vor einigen Tagen einen Brief geschrieben. Darin enthalten: mehr als ein Dutzend Fragen, auf die ich Antworten möchte. Als BioNTech-Aktionär. Als Herausgeber mehrerer Anlegermagazine. Als Interessenvertreter der freien Aktionäre – auf dieser und auch auf der anderen Seite des Atlantiks. Ich erhielt Antworten. Leider aber nur Phrasen. Auf meine Detailfragen könne man nicht eingehen. Ich bleibe aber dabei: Ich möchte Antworten. Und stelle nun Öffentlichkeit her. Darum finden Sie meine Detailfragen in dieser Ausgabe von DER AKTIONÄR. Zudem einige Gedanken rund um den ganzen Ablauf, den Status quo bei BioNTech und meine Erwartungshaltung gegenüber Unternehmen und Gründern. Die ist einfach: Beenden Sie das Trauerspiel und nehmen Sie alle Aktionäre mit an Bord!
18.06.2026, 08:16