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Anthropic: IPO in Gefahr?

Anthropic: IPO in Gefahr?
Foto: Anthropic
Philipp Schleu Heute, 19:32 ‧ Philipp Schleu
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Der geplante Mega-Börsengang des KI-Entwicklers Anthropic gerät unter Druck. Ein scharfer Ausverkauf an den US-Börsen zwingt Investoren zum Umdenken. Statt neuer Rekorde steht nun Schadensbegrenzung im Fokus. Vor dem Start der offiziellen Vermarktung in der kommenden Woche peilen potenzielle Geldgeber nur noch eine Bewertung von 1,2 bis 1,3 Billionen Dollar an.

Noch Anfang Oktober reichten die Schätzungen für das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude bis an die Marke von 2 Billionen Dollar heran. Nach Vorlage erster Geschäftszahlen sank diese Erwartung bereits auf 1,4 bis 1,5 Billionen Dollar. Der jüngste Kursrutsch an den Finanzmärkten besiegelte nun den nächsten Dämpfer.

Der Grund: Am Donnerstag brach der Technologieindex Nasdaq 100 um 6,4 Prozent ein. Der Markt vernichtete an nur einem Tag 2,3 Billionen Dollar an Wert – ein historischer Rekord. Auch die US-Politik drückt auf die Euphorie. Nach den jüngsten Kongresswahlen wächst die Sorge vor strengeren Vorgaben für den massiven Ausbau von Rechenzentren. Entsprechend nervös reagieren die Anleger. Der Cboe-Volatilitätsindex kletterte auf das höchste Niveau seit April 2025.

Infront Tech 100 (WKN: A0AE1X)

Angst vor dem Kater nach dem Debüt

Experten mahnen nun zur Zurückhaltung beim Preis. Stephan Kemper, Chefanlagestratege bei BNP Paribas Wealth Management Deutschland, hält Abschläge von 10 bis 15 Prozent auf frühere Ziele für unvermeidbar. David Rainville vom Vermögensverwalter Sycomore sieht bei 1,2 Billionen Dollar hingegen gute Chancen, ausreichend Käufer zu finden.

Andere Stimmen plädieren für noch mehr Zurückhaltung. Max Kettner von HSBC Holdings hält eine Bewertung um eine Billion Dollar für das gesündere Niveau. Ein niedrigerer Startpreis nimmt die Luft aus dem Kessel und senkt das Risiko harter Rückschläge nach dem Handelsstart.

Frische Beispiele mahnen zur Vorsicht. Sowohl der Halbleiterhersteller Cerebras Systems als auch das Design-Softwarehaus Figma stockten ihre Angebote beim Börsengang auf. Beide Papiere notieren heute jedoch spürbar unter ihrem Ausgabepreis. Anthropic könnte die Notierung deshalb vorsichtig eröffnen oder den Zeitplan verschieben, um frische Quartalszahlen abzuwarten.

Der Realitätscheck am Tech-Markt erreicht auch die großen Hoffnungsträger der Branche. Für Anthropic ist der Bewertungsdämpfer auf 1,2 Billionen Dollar zwar eine herbe Korrektur, aber kein Beinbruch. Nach dem Platzen überzogener Erwartungen bietet ein moderaterer Preis dem Papier Raum zum Atmen. Für den ersten großen KI-Börsengang ist ein vorsichtiger Auftakt am Ende mehr wert als ein kurzer Hype mit anschließendem Kurssturz.

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Buchtipp: Klüger als wir

Billionen fließen in die Künstliche Intelligenz. Die Schlagzeilen dazu versprechen entweder das Paradies … oder den Untergang. Um die beiden Thesen einordnen zu können, muss man wissen, wie neuronale Netze funktionieren. Geoffrey Hinton hat diese Netze ein halbes Jahrhundert lang erforscht und dafür im Jahr 2024 den Physik-Nobelpreis erhalten.

In „Klüger als wir“ erklärt er ohne Fachchinesisch, wie Maschinen sehen, Sprache verstehen und lernen – und warum sie uns bald überholen. Hinton analysiert die Auswirkungen, die wir schon heute erleben: Jobverlust, Desinformation, autonome Waffen. Und er fragt, wie der Mensch neben einer überlegenen Intelligenz bestehen kann.

Dieses Buch ist essenziell für alle, die in Sachen KI mitreden und mitentscheiden wollen, denn: Wenn der führende KI-Forscher warnt, sollten wir genau hinhören.

Klüger als wir

Autoren: Hinton, Geoffrey Barss, Patchen
Seitenanzahl: 280
Erscheinungstermin: 15.07.2027
Format: Klappenbroschur
ISBN: 978-3-68932-155-0

Preis: 29,90 €