Günstige Titel für Schnäppchenjäger
Foto: Börsenmedien AG
03.12.2018 Börsen. Briefing.

Amazon und Zalando: Einfach unglaublich!

-%
Zalando

Amazon und Zalando: Das ist um es salopp zu sagen einfach unglaublich! Ausgerechnet die beiden eCommerce-Riesen hat ein Mann jetzt ins Spiel gebracht, um die Stärke seines eigenen, noch entstehenden Unternehmens in den Vordergrund zu stellen. Größenwahn? Realitätsverlust? Müssen sich Amazon und Zalando jetzt etwa warm anziehen?

Stephan Fanderl, in Ingolstadt geboren, Sohn eines bayerischen Edeka-Händlers, hat Karriere gemacht bei Metro, Kienbaum und Wal-Mart. Jetzt sieht er sich für die Zukunft mit und gegen Amazon und Zalando gut gerüstet. Er ist gerade dabei die Deutsche Warenhaus AG zu formen, wie der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof landläufig genannt wird. 

Der Chef von Karstadt hat Großes vor. Nicht nur, dass er Karstadt und Kaufhof zusammenführen muss, er möchte auch im Online-Geschäft punkten. Punkten gegen flexible, rasend schnell wachsende Kontrahenten wie die genannten. Amazon etwa hat seinen Umsatz seit 2004 alle drei Jahre verdoppelt. Zalando ist ähnlich flott. Und Karstadt? Stand mehrfach am Rande des Abgrunds. Wie Kaufhof. Wird aus zwei Blinden jetzt ein Sehender? Einer, der Top-Konzernen wie Amazon den Rang ablaufen kann? Fanderl sagt: "Wir sind bekannter als Amazon und Zalando." 

Das mag sein, aber was nützt es? Die Aussage offenbart die zweifelhafte Einstellung einer Branche, die eines verschlafen hat: Die Digitalisierung. Aus Marktsicht spricht vieles für eine erfolgreiche Zukunft von Amazon und Zalando, aber wenig bis nichts für jene von Karstadt und Kaufhof als eCommerce-Anbieter. Betrachtet man beispielsweise die Liste der zehn führenden Online-Handels-Unternehmen in Deutschland, fällt eines auf: Hier tummeln sich überwiegend Online-Pure-Player. Platz 1 geht an Amazon (das so viel umsetzt wie die nachfolgenden zehn Händler in Summe), Platz 3 an Zalando. Dazwischen: Otto. Ein Unternehmen, das mit Versandhandel groß geworden ist, mit analogem Versandhandel wohlgemerkt. In die gleiche Kategorie fällt Conrad (Elektronik, Platz 9). Auch Bonprix ist da vertreten (#7; gehört zu Otto). Und sonst? notebooksbilliger.de (#4), Cyberport (#8) und Alternate (#10) sind reine Online-Versender. Damit haben 5 der Top 10 keine Wurzeln außerhalb des Internets, drei weitere kommen aus dem analogen Versandhandel, sind also schon immer nah dran gewesen.

Galeria Kaufhof rangiert im Übrigen auf Platz 49 (!) mit einem Umsatz von 128 Millionen Euro. Und Karstadt? Findet gerade noch so den Weg in die Top100, landet mit mit 59,8 Millionen Euro auf Platz 96 (!). Selbst in Summe würden es die beiden Urgesteine der deutschen Kaufhausketten nicht in die Top10 schaffen.

Und vor ihnen sollen sich Amazon, Zalando und & Co nun fürchten? Nein. Denn da oben ist die Luft dünn, und es gewinnt derjenige, der ein gutes Angebot hat, und wird dabei nur noch von demjenigen übertrumpft, der seine Kunden noch besser kennt. Amazon ist nicht groß geworden, weil es ein so großes Sortiment hat. Amazon ist groß geworden, weil es so viel (bis alles) über seine Kunden weiß. Was wissen Karstadt und Kaufhof im Vergleich dazu über ihre zwar in den Handelsgeschäften präsenten, aber in Wahrheit vollkommen anonymen Kunden? 

Wenn das Beispiel Deutsche Warenhaus AG einen eines lehrt, dann das: Es gibt in der Wirtschaft einen Point-of-no-return. Die beiden Kaufhausketten haben ihn – jede für sich – schon vor Jahren überschritten. Dass Fanderl nun feststellt, dass die Filialen (es gibt unzählige Doppelstandorte) "das Herzstück sind und bleiben" und es "umfangreiche Schließungen" nicht geben werde, zeigt welch Geistes Kind er ist, nämlich das eines Offline-Managers. Viel interessanter wäre es gewesen, wenn die Signa Holding von Rene Benko einen Online-Manager an der Spitze installiert hätte. Vielleicht hätten Amazon und Zalando dann zumindest einmal gezuckt. So brauchen sie sich gar nicht erst weiter mit dem vermeinlich neuen Kontrahenten auseinandersetzen. Er ist einfach zu unbedeutend.

Eine Einschätzung der AKTIONÄR-Redaktion zu Amazon finden Sie hier.

Eine zu Zalando finden Sie hier.

Dieser Beitrag ist erschienen im Börsen.Briefing. – dem neuen täglichen Newsletter des Anlegermagazins DER AKTIONÄR. Registrieren Sie sich jetzt kostenfrei für das Börsen.Briefing. und starten Sie täglich bestens informiert in den Handelstag.

Der Newsletter ist unverbindlich und kostenlos. Zum Abbestellen reicht ein Klick auf den Abmelde-Link am Ende des Newsletters.

Buchtipp: Post Corona: Von der Krise zur Chance

Der Ausbruch von Covid-19 hat Schlafzimmer in Büros verwandelt, Jung gegen Alt ausgespielt und die Kluft zwischen Arm und Reich, Maskenträgern und Maskenhassern vergrößert. Einige Unternehmen, wie Amazon und der Hersteller von Videokonferenzsoftware Zoom, fanden sich unter einer Lawine der Verbrauchernachfrage erdrückt. Andere, wie die Restaurant-, Reise-, Hotel- und Live-Entertainment-Branche, kämpften darum, nicht unter die Räder zu kommen. Die Pandemie war ein Beschleuniger von Trends, die bereits in vollem Gange waren. In „Post Corona“ skizziert Galloway die Konturen der Krise und die Chancen, die vor uns liegen. Galloway kombiniert seinen unverkennbaren Humor und frechen Stil mit messerscharfen Einblicken und bietet Warnung und Hoffnung gleichermaßen.
Post Corona: Von der Krise zur Chance

Autoren: Galloway, Scott
Seitenanzahl: 272
Erscheinungstermin: 15.07.2021
Format: Softcover
ISBN: 978-3-86470-779-7