Die Comebacks nach Corona
03.11.2020 Andreas Deutsch

Amazon: Kosten explodieren

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Amazon.com

Der E-Commerce- und Cloud-Konzern Amazon hat zwar hervorragende Zahlen für das dritte Quartal und zudem einen fantastischen Ausblick auf Q4 bekanntgegeben. Allerdings haben die Lieferkosten im Berichtszeitraum stark zugenommen. Die Amazon-Aktie geriet am Montag ins Straucheln und fiel kurzzeitig unter 3.000 Dollar.

Im dritten Quartal beliefen sich die Lieferkosten bei Amazon auf 15 Milliarden Dollar. Im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum war dies ein deutliches Plus von 57 Prozent. Allerdings legte auch der Umsatz um 37 Prozent auf 96,1 Milliarden Dollar zu. Das operative Ergebnis kletterte auf 6,2 Milliarden Dollar (Vorjahr: 3,2 Milliarden).

Damit belief sich die operative Marge im dritten Quartal auf 6,5 Prozent. Im bedeutenden US-Geschäft stieg die Marge laut den Analysten von Moody’s auf zehn Prozent, was angesichts der höheren Ausgaben wirklich imposant ist.

Indes bleiben die Kosten ein schwer kalkulierbarer Faktor. Amazon will sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen und blieb bei der Prognose für Q4 sehr vage: Das operative Ergebnis sieht der Konzern zwischen einer und 4,5 Milliarden Dollar – nach 3,9 Milliarden im Q4/2019.

Nichtsdestotrotz steht Amazon vor einem historischen Quartal, indem mit dem Prime Day, dem Black Friday und dem Cyber Monday drei Top-Shopping-Events stattfinden. Um der Bestellflut Herr zu werden, stellt Amazon 100.000 Saisonkräfte allein in Nordamerika ein.

Amazon.com (WKN: 906866)

Während etliche Einzelhändler die Coronakrise wahrscheinlich nicht überleben werden, kann sich Amazon vor Kundenaufträgen kaum retten. Das Unternehmen muss aufstocken, was die Kosten in die Höhe treibt. Doch dafür baut Amazon seine Marktmacht im Rekordtempo weiter aus. Das Einzige, was Amazon in der westlichen Welt gefährlich werden kann, ist die Politik, falls sie Amazon irgendwann zerschlägt. Aber soweit ist es noch nicht. Die aktuelle Kursschwäche ist nach Einschätzung des AKTIONÄR eine klare Kaufchance. 

Buchtipp: The Four

Cambridge Analytica, Datenleaks, Steuerflucht: Die Tech-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google – oder wie Marketing-Guru Scott Galloway sie nennt: die vier apokalyptischen Reiter – werden von Skandalen geplagt. Und doch sind sie mächtiger und erfolgreicher als je zuvor. Man kann sie weder ignorieren noch boykottieren. Sie haben mit ihren Geschäftsmodellen die Regeln des Wirtschaftslebens und die Voraussetzungen für Erfolg neu definiert. Scott Galloway führt vor, wie die Vier unsere grundlegenden emotionalen Bedürfnisse mit einer Schnelligkeit und in einem Ausmaß manipulieren, an die andere nicht herankommen. Und er zeigt, welche Lehren man aus ihrem Aufstieg für sein eigenes Unternehmen oder seinen eigenen Job ziehen kann. Ob man mit ihnen konkurrieren, mit ihnen Geschäfte machen oder einfach in der Welt leben will, die von ihnen beherrscht wird – man muss die Vier verstehen

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