Der Iran-Krieg eskaliert weiter: Amazon hat am Dienstag erneut Alarm geschlagen und schwere Ausfälle bei Amazon Web Services (AWS) gemeldet. Grund dafür sind gezielte Drohnenangriffe, die zentrale Teile der Infrastruktur getroffen und massive Schäden angerichtet haben. DER AKTIONÄR beleuchtet, wie Amazon jetzt auf die dramatische Entwicklung reagiert.
Im Detail ereigneten sich die Vorfälle in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Bahrain. Während in den Emiraten gleich zwei AWS-Einrichtungen direkt von Drohnen getroffen wurden, verursachte in Bahrain ein Einschlag in unmittelbarer Nähe eines Rechenzentrums ebenfalls erhebliche Schäden. In der Folge kam es zu massiven Ausfälle bei Apps und digitalen Diensten im Nahen Osten.
Der Online-Riese will die Probleme schnellstmöglich beheben. Gegenüber CNBC erklärte ein AWS-Sprecher: „Wir arbeiten eng mit den lokalen Behörden zusammen und priorisieren während der Wiederherstellungsmaßnahmen die Sicherheit unseres Personals.“ Um die Ausfälle zu begrenzen, hat Amazon seine Kunden bereits aufgefordert, ihre Anwendungen in alternative AWS-Regionen zu verlagern, um die Betriebsfähigkeit sicherzustellen.
Achillesferse AWS
Für Amazon ist AWS die wichtigste Gewinnmaschine. Dass der Iran im Zuge seiner Vergeltungsschläge gegen Israel und die USA nun offenbar auch die digitale Infrastruktur westlicher Konzerne ins Visier nimmt – oder zumindest deren Beschädigung billigend in Kauf nimmt –, stellt ein neues Risiko dar. Geopolitische Risiken lassen sich nur schwer in Algorithmen pressen, doch die physische Bedrohung von Rechenzentren ist ein Szenario, das Anleger bisher kaum auf dem Schirm hatten.
Für Amazon selbst dürften sich die langfristigen Folgen des Ausfalls jedoch in Grenzen halten, sofern es dem US-Konzern gelingt, die drei betroffenen AWS-Standorte schnellstmöglich wieder ans Netz zu bringen. Zwar gibt es keine offizielle Gesamtzahl der AWS-Rechenzentren, Amazon selbst gibt jedoch an, in Bahrain, Saudi-Arabien, Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten insgesamt zwölf sogenannte Availability Zones zu betreiben. Dies entspricht zehn Prozent der weltweit 120 verfügbaren Availability Zones, die in 38 geografischen Regionen verteilt sind.
Nicht nur der Iran-Konflikt setzt AWS unter Druck, auch die Konkurrenz schläft nicht: Im Wettkampf um die Marktführerschaft in der Cloud gewinnt Microsofts Azure mit höheren Wachstumsraten spürbar an Boden. Zwar bleibt AWS klarer Marktführer, doch die Dynamik verschiebt sich zunehmend zugunsten der Rivalen. DER AKTIONÄR bleibt dennoch für beide Titel bullish.
Heute, 11:12