17.03.2019 Michael Schröder

AKTIONÄR Top-Tipp Nanogate: Vorstand Zastrau über Game Changer, Großaufträge, Profitabilität, Wachstum und Ziele

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Nanogate
Trendthema

DER AKTIONÄR hat bereits erklärt: Nanogate hat sein Umsatzziel für 2018 übertroffen und die Prognose für das operative Ergebnis (EBITDA) erreicht. Für das laufende Jahr erwartet der Spezialist für Oberflächenbeschichtung aufgrund besonderer Belastungen ein negatives Konzernergebnis. Ab 2020 soll sich die Profitabilität der Saarländer aber deutlich verbessern. Nach langer Talfahrt greifen erste Investoren wieder beherzt zu. DER AKTIONÄR fragte nach bei Vorstand Ralf Zastrau.

DER AKTIONÄR: Herr Zastrau, Nanogate hat in den vergangenen Jahren ein hohes Wachstumstempo vorgelegt, das Sie in diesem Jahr auf einen Konzernumsatz von über 250 Millionen Euro bringen soll. Im Geschäftsjahr 2012 waren es erst 38 Millionen Euro. Welche Rolle spielt die Unternehmensgröße generell für Sie und welche Vorteile bringt sie mit?

Ralf Zastrau: Nanogate hat sich als ein weltweit führendes Technologieunternehmen für designorientierte, multifunktionale Komponenten und Oberflächen fest etabliert. Wir sind in Europa und in den USA mit eigener Produktion vertreten und beliefern zudem den asiatischen Markt. Aufgrund unserer Größe sind wir als Innovationspartner, der die Wertschöpfungskette breit abdeckt, bei internationalen Konzernen wie Daimler, Ford oder Airbus fest etabliert. Dabei profitieren wir unserem umfassenden Leistungsportfolio rund um hochwertige Kunststoffkomponenten und Oberflächen etwa mit glasartigen oder metallartigen Eigenschaften. Zugleich adressieren wir im Bereich der New Mobility und Smart Surfaces äußerst attraktive Zukunftsfelder.

Bis zum Jahr 2025 peilen Sie eine nochmalige Umsatzverdopplung auf dann mehr als 500 Millionen Euro an. Wie hoch schätzen Sie dabei das organische Wachstum und welchen Anteil sollen neue Akquisitionen beisteuern?

 Einen großen Anteil werden unsere angestoßene Innovationsoffensive und das erweiterte Technologieportfolio haben. Parallel möchten wir die internationale Markterschließung beschleunigen und neben Nordamerika die asiatischen Märkte vermehrt adressieren. Aktuell sind daher keine größeren M&A-Projekte geplant. Übernahmen und Beteiligungen zur Ergänzung des Technologieportfolios werden weiterhin selektiv geprüft. Wir setzen aber verstärkt auf organisches Wachstum.

Welche Bedeutung haben neue intelligente Oberflächen, die sogenannten Smart Surfaces?

Die zukünftige Integration von elektronischer Funktionalität unmittelbar in designorientierte Kunststoffkomponenten bietet erhebliche Chancen. Die Entwicklung neuer und wirtschaftlich effizienter Bedienkonzepte für Geräte aller Art wird die Produktentwicklung erheblich verändern – das ist ein echter Game Changer. Nanogate hat diesen neuen Markt frühzeitig erkannt, Kompetenz aufgebaut und bearbeitet mit Partnern bereits erste spannende Projekte.

Der internationale Expansionskurs, der Mitteleinsatz im Rahmen der umfangreichen Innovationsoffensive sowie der Kapazitätsaufbau drücken jedoch auf das Ergebnis. Im laufenden Geschäftsjahr erwarten Sie ein negatives Konzernergebnis. Haben Sie die Kosten für das rasante Wachstum unterschätzt?

 Nanogate möchte 2019 weiter wachsen und den Umsatz überwiegend organisch auf mehr als 250 Millionen Euro steigern. Parallel sehen wir mehrere Effekte, die das Ergebnis mindern. Dazu zählen steigende Anlaufkosten für den Start zahlreicher neuer Großaufträge, die Umsetzung des Zukunftsprogramms NXI sowie mögliche nicht cash-wirksame Belastungen. Daher erwartet Nanogate im Übergangsjahr 2019 ein negatives Konzernergebnis im niedrigen einstelligen Millionenbereich. Gleichwohl gehen wir davon aus, dass sich das operative Ergebnis EBITDA stabil entwickeln wird. Dabei stützen wir uns auf unsere exzellente Auftragsbasis. Nanogate ist weiterhin strategisch klar positioniert. Unsere Wachstumspfeiler sind intakt.

Die aktuellen AKTIONÄR-Schätzungen:

Ergebnisbelastend wirkt auch die Umsetzung des Zukunftsprogramms Nanogate Excellence International (NXI). Könnten Sie uns die wesentlichen Punkte dieses Zukunftsprogramms kurz vorstellen?

Mittelfristig werden die zahlreichen Projekte unsere Profitabilität steigern. Zu den wichtigsten Maßnahmen zählen eine stärkere Zentralisierung von wichtigen Prozessen wie etwa die standortübergreifende Führung von Geschäftsfeldern und „Lean Management“ sowie eine vereinfachte Unternehmensstruktur. So stehen beispielsweise die Standorte in Neunkirchen und Schwäbisch-Gmünd unter einer gemeinsamen Führung. Damit beschleunigen wir Entscheidungen und richten uns zugleich weniger standortbezogen, sondern klar branchenfokussiert aus. Zugleich stärken wir das gemeinsame Branding und intensivieren Marketing und Vertrieb international.

Die EBITDA-Marge wollen Sie bis 2025 auf 15 Prozent verbessern. Was sind neben den erwarteten Skaleneffekten aus der angepeilten Umsatzverdopplung die größten Ertragstreiber in Ihren Planungen?

Einerseits rechnen wir mit erheblichen Effizienzgewinnen. So zählt der Aufbau eines konzernweiten Supply Chain Managements für die Beschaffung zu den Kernprojekten unseres Zukunftsprogramms. Schließlich vereinen wir mittlerweile eine ordentliche Einkaufsmacht, die wir nun stärker nutzen werden. Parallel sehen wir den Trend zu höheren Margen in ausgewählten Zielmärkten und Projekten.

Vor Kurzem haben Sie einen Großauftrag über rund 50 Millionen Euro aus der Automobilbranche für Glazing-Komponenten erhalten. Erwarten Sie in den nächsten Monaten weitere Order für diesen Bereich?

Wir stehen in aussichtsreichen Gesprächen für eine Vielzahl von Projekten. Dies gilt sowohl für den Markt Mobility als auch für unser Industriegeschäft. Somit bin ich zuversichtlich, dass wir 2019 noch die eine oder andere gute Nachricht für unsere Investoren veröffentlichen können.

Wie lange wird Nanogate noch im Freiverkehrssegment Scale notieren? Ist bei der nun erreichten Unternehmensgröße ein Wechsel in den Regulierten Markt nicht der nächste logische Schritt?

Aktuell sehen wir uns im Scale-Segment gut aufgehoben. Unsere Aktionärsstruktur mit namhaften nationalen und internationalen Investoren und Fondsgesellschaften bestätigt das. Gleichwohl prüfen wir kontinuierlich, ob und wann ein Wechsel in den Geregelten Markt sinnvoll ist. Dafür bereiten wir uns im Hintergrund schon seit längerer Zeit sukzessive vor und strukturieren Reporting und weitere Prozesse entsprechend. Gewissen Vorgaben wie beispielsweise eine Bilanzierung nach IFRS oder Veröffentlichungen in englischer Sprache erfüllen wir ohnehin schon seit vielen Jahren.

Nach der enttäuschenden Kursentwicklung in 2018 müssen sich Ihre Aktionäre nun auf ein Übergangsjahr 2019 einstellen. Wann und woher erwarten Sie wieder positive Impulse für die Nanogate-Aktie?

Nanogate erwartet für 2020 einen Profitabilitätsschub. Ab 2020 möchten wir wieder einen klar profitablen Wachstumskurs erreichen und erwarten eine deutliche Verbesserung des operativen Ergebnisses (EBITDA) sowie ein positives Konzernergebnis. Entsprechend haben wir Ende Februar die bereits im November 2018 veröffentlichten Mittelfristziele bestätigt: Bis zum Jahr 2025 soll der Umsatz auf mehr als 500 Millionen Euro steigen, während das EBITDA deutlich stärker steigen und mindestens 75 Millionen Euro erreichen soll. Unsere hohe Auftragsbasis im dreistelligen Millionenbereich stimmt mich dafür optimistisch.


Das Fazit hat Bestand: Die Aussichten sind unverändert gut. Nanogate und Zastrau müssen jetzt aber liefern und nach dem Übergangsjahr auch unterm Strich die PS auf die Straße bringen. Anleger, die an der langfristigen Wachstumsstory des Spezialisten für Oberflächenbeschichtung teilhaben wollen, können weiter einen ersten Fuß in die Tür stellen und die Position an schwachen Tagen sukzessive ausbauen.