Die heimischen Ausrüster und Zulieferer der Halbleiterbranche wie Aixtron, SUSS Microtec, Siltronic, Jenoptik oder PVA Tepla zählen am heutigen Dienstag zu den größten Verlierern. Eigentlich solide Zahlen von Samsung hatten zu deutlichen Gewinnmitnahmen an den asiatischen Börsen geführt und damit die wachsende Skepsis der Anleger angesichts des KI-Booms befeuert. Eine gesunde Korrektur oder der Beginn einer Trendwende?
Der KI-Hype sorgte im Technologiesektor zuletzt für starkes Wachstum und deutlich steigende Kurse. Nicht nur die Aktien der US-Player konnten überproportional zulegen, auch die Kurse der heimischen Vertreter aus der Chipbranche konnten zum Teil deutlich Boden gutmachen. Doch nach der mehrmonatigen Rally nimmt die Bereitschaft zu Gewinnmitnahmen bei den wachstumsgetriebenen Chip- und Speicheraktien zu. Gleichzeitig wächst die Skepsis, ob die milliardenschweren Investitionspläne vieler Konzerne wirklich nachhaltig belastbar sind oder ob die Erwartungen rund um den KI-Boom kurzfristig nicht doch etwas überzogen sind.
Die Folge: scharfe Rücksetzer, wie wir sie heute wieder sehen. Prozentual zweistellige Kursverluste stehen für die Aktien von Aixtron, Jenoptik, SUSS Microtec, Siltronic und PVA Tepla auf der Kurstafel. Bereits in der Vorwoche hatte ein Kursrutsch bei US- und asiatischen Chipwerten die deutsche Halbleiterbranche belastet.
Doch nicht nur das belastet: Am 10. Juli wagt der koreanische Chip-Gigant SK Hynix den Sprung an die Nasdaq – mit einem Emissionsvolumen von über 28 Milliarden Dollar. Laut Bloomberg wäre es der größte erstmalige Aktienverkauf eines ausländischen Unternehmens am US-Markt. Das könnte am Ende bei Investoren und ETFs für Umschichtungen innerhalb des Halbleitersektors sorgen, so die Befürchtung einiger Marktteilnehmer.
Fakt ist: Bei einigen Chipwerten, Infrastruktur- und KI-Gewinnern reicht es inzwischen nicht mehr, nur gute Zahlen zu liefern. Die Ergebnisse müssen die hohen Erwartungen deutlich übertreffen – sonst kommt es schnell zu Gewinnmitnahmen.
Was bedeutet das für die heimischen Zulieferer und Ausrüster? Unterm Strich spricht derzeit mehr für eine gesunde Korrektur innerhalb eines intakten Trends als für eine fundamentale Trendwende. Die Frage ist nur, wo sich die jeweiligen Aktien stabilisieren können. Nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Monate ist die Fallhöhe in jedem Fall recht hoch.
Investierte Anleger sollten dennoch zunächst Ruhe bewahren. Der KI-Trend ist nicht vorbei, aber die Luft ist dünner und die Ansprüche sind höher geworden. Rücksetzer sind nach der starken Rally gesund und können Chancen bieten. Zumal Unternehmen, die wichtige oder sogar unverzichtbare Produkte zuliefern, weiter hohe Auftragseingänge und hohe Margen erzielen dürften.
Heute, 19:40