Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus treiben WTI zurück über die Marke von 100 Dollar. Aus Elliott-Wellen-Sicht steht der Ölpreis vor dem Abschluss seiner Aufwärtsbewegung. Danach rückt eine ausgeprägte Korrektur in den Fokus.
Der Ölmarkt ist zurück im Krisenmodus. Nach Daten des Analysehauses Kepler wurden in der Straße von Hormus binnen zwei Wochen mindestens 18 Tanker angegriffen. Die Ölmenge, die den Persischen Golf verlässt, ist auf 8,5 Millionen Barrel pro Tag eingebrochen, nach mehr als 20 Millionen Barrel zwei Wochen zuvor. Hinzu kommen Angriffe der Huthi auf die Energieinfrastruktur Saudi-Arabiens. Brent notiert auf dem höchsten Stand seit fünf Monaten. Die nächste Weichenstellung folgt am 1. November: Dann beraten die sieben OPEC+-Staaten, die ihre Förderziele für Oktober und November eingefroren haben.
Charttechnik: Welle (5) nimmt Kurs auf das Ziel
Seit dem Julitief bei 66,93 Dollar arbeitet WTI eine fünfteilige Aufwärtsstruktur ab. Welle (3) endete Mitte September knapp unter 106,70 Dollar, Welle (4) fand Anfang Oktober bei [86,85 Dollar] ihren Boden, knapp oberhalb der 38,2-Prozent-Marke. Seitdem läuft Welle (5). Mit dem Anstieg auf 100,78 Dollar hat der Kontrakt das 61,8-Prozent-Retracement der Abwärtsbewegung vom Aprilhoch bei 117,52 Dollar bis zum Julitief zurückerobert. Es liegt bei 98,20 Dollar. Das Ziel der Welle (5) liegt bei [ZIEL WELLE (5)].
Bulle vs. Bär: Die Szenarien im Überblick
Solange das Tief der Welle (4) bei [86,85 Dollar] hält, bleibt Welle (5) intakt. Ein Rückfall darunter invalidiert die aktuelle Zählung und erfordert eine Neubewertung.
Mit dem Abschluss der Welle (5) dreht das Bild. Die Zählung erwartet dann eine ABC-Korrektur. Die A-Welle zielt auf 98,20 Dollar, die B-Welle führt als Gegenbewegung zurück an die 78,6-Prozent-Marke bei 106,70 Dollar. Die C-Welle reicht bis Anfang 2027 in den Bereich von 78,87 Dollar, der 23,6-Prozent-Marke des Fibonacci-Rasters zwischen Aprilhoch und Julitief. Gemessen am aktuellen Kurs entspräche das einem Abschlag von knapp 22 Prozent.
Fundamental passt dieses Szenario zur Einschätzung der Internationalen Energieagentur. Bereits im August hielt die IEA bei einer Deeskalation steigende Ölströme und gegen Ende 2026 sogar einen Angebotsüberschuss für möglich.
Kurzfristig hat der Ölpreis Rückenwind, getragen von einer hohen geopolitischen Risikoprämie. Die Analysten der ING verweisen darauf, dass diese Prämie erst mit dauerhaft stabilen Ölflüssen schwindet. Genau dieser Übergang spiegelt sich im Chart: Welle (5) ist die letzte Etappe der Aufwärtsbewegung, die anschließende ABC-Korrektur das größere Bewegungspotenzial.
Heute, 17:23
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