KI soll endlich den Bildschirm verlassen und in Form humanoider Roboter die Fabrik erobern. Für viele klingt das nach dem nächsten Milliardenmarkt. Gartner trat nun allerdings auf die Euphoriebremse. Noch seien Hype und Risiken größer als die belegbaren wirtschaftlichen Erfolge. Vor allem der universell einsetzbare humanoide Roboter dürfte noch auf sich warten lassen. Das heißt allerdings nicht, dass Anleger ebenfalls warten müssen. Drei Unternehmen liefern heute schon wichtige technologische Fähigkeiten für die Roboter-Revolution.
Ein Roboter holt selbstständig Bauteile aus dem Lager, bringt sie ans Fließband und montiert sie. Er kann flexibel dort einspringen, wo gerade zwei Hände fehlen. So sieht die Vision von Physical AI aus und so verkauft sich die nächste KI-Revolution besonders gut. Die Erwartungen sind gewaltig: Goldman Sachs hob seine Prognose im August deutlich an und traut dem weltweiten Markt für humanoide Roboter nun bis 2035 ein Volumen von 138 Milliarden Dollar zu. 6,48 Millionen Einheiten sollen bis dahin verkauft werden. Zuvor war die US-Investmentbank lediglich von 1,38 Millionen Einheiten ausgegangen.
Gartner hält dagegen: Gerade der humanoide Alleskönner dürfte noch einige Zeit brauchen, bis er den Massenmarkt erobert. Bis 2028 erwartet das Marktforschungsunternehmen weniger als 20 Anbieter, die solche Roboter in Fertigung und Logistik überhaupt bis zum produktiven Einsatz skalieren. Zu teuer, zu wenig ausgereift, zu schwierig in unberechenbaren Umgebungen.
Gleichzeitig rechnet Gartner damit, dass bis 2030 bereits 80 Prozent der Beschäftigten in Produktion, Logistik, Einzelhandel, Pflege und anderen operativen Bereichen Unterstützung von Robotern, Drohnen, autonomen Fahrzeugen oder anderen Physical-AI-Systemen bekommen. Dafür müssen humanoide Roboter nicht über Nacht die Welt erobern. Viel wahrscheinlicher ist, dass sich Physical AI ausgehend von einzelnen Fähigkeiten verbreitet: "Um mit Physical AI einen echten Mehrwert zu erzielen, braucht es das Zusammenspiel verschiedener Technologien. Durchbrüche bei KI-Modellen, Robotern oder Edge-Infrastruktur allein reichen nicht", so Gartner-Analyst Bill Ray. Die Roboter-Revolution kommt womöglich also in Einzelteilen.
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