Investieren wie Peter Lynch - So geht's
05.12.2020 Markus Hechler

Natural-Gas-Future: Wie ein Hedgefonds explodierte

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BVT Knock-Out Henry Hub Erdgas Future 01/2021 (NYMEX) USD

Am Donnerstag, 03.Dezember 2020, crashte der Natural-Gas-Januar-Future um knapp zehn Prozent und Erinnerungen an einen verrückten Winter vor zwei Jahren wurden wach. Die aktuelle Volatilität im Natural Gas Market ist im Vergleich zu anderen Asset-Klassen relativ hoch, Tagesschwankungen von fünf Prozent sind mittlerweile normal, doch im Vergleich zu den Bewegungen, die wir von November 2018 bis Ende Dezember 2018 bestaunen durften, handelt es sich um einen ruhigen Markt. Der Hedgefonds OptionsSellers.com dachte, er hätte ein ziemlich „sicheres“ Geschäftsmodell um relativ risikolos Geld zu verdienen.

Eine der größten Fehlspekulationen im Energiemarkt war sicherlich die Pleite des Hedgefonds Amaranth, der zeitweise den Erdgasmarkt kontrollierte und 2006 zusammenbrach. Ursprünglich konzentrierte sich der Fonds auf eine marktneutrale Convertible-Arbitrage-Strategie, die kleine Gewinne einbrachte (Hier kauft der Hedge Fonds eine Wandelanleihe und verkauft gleichzeitig die Aktie- oder umgekehrt). 2004 und 2005 verlagerte der Fonds seinen Schwerpunkt jedoch hin zum Energiehandel, angetrieben durch den damals im Natural-Gas-Futures sehr erfolgreichen Trader Brian Hunter. 

Amaranth verfolgte eine relativ simple Strategie, die auch im Jahr 2005 sehr erfolgreich war: der Fonds handelte die Saisonalität, indem er Winter-Erdgas-Futures kaufte und Frühjahrs-Erdgas-Futures verkaufte. Dieser Spread wurde dem Fonds durch einen vergleichsweise milden Winter 2006 zum Verhängnis, da sich der Spread nicht wie erhofft ausweitete, sondern kollabierte. Zu diesem Zeitpunkt kontrollierte Amaranth die Hälfte des US- und circa zehn Prozent des weltweiten Energiemarktes. Durch die gehebelte Position entstand ein Verlust von über sechs Milliarden US-Dollar und der Fonds wurde aufgelöst.

Im November 2018 konnten wir den Zusammenbruch des Fonds Optionsellers.com live miterleben, der durch eine riskante Options-Verkaufs-Strategie gezwungen war, seine immer größer werdende Short Position in einem steigenden Markt zu covern. Der Natural-Gas-Future stieg in nur 2 Wochen um mehr als 40 Prozent, um dann innerhalb von nur vier Wochen wieder um 40 Prozent zu fallen. In einem bizarren Interview gestand der Gründer des Fonds, James Cordier, unter Tränen ein, eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. Für Alle Interessierten – hier das „Entschuldigungsvideo“:

Griff in das fallende Messer?

Die momentane Situation im Natural-Gas-Future ist mehr als schwierig, um ein vernünftiges Trade Set-up aufzusetzen. Der Markt ist stark gefallen und überverkauft, in das berühmte fallende Messer zu greifen scheint lukrativ, bedeutet aber wiederum eine goldene Börsenregel zu verletzen.  


Der Natural-Gas-Future steht weiter unter Druck
GenesisFT

Produzenten trotz des niedrige Kursniveaus immer noch short

Die Commitments-of-Traders Daten zeigen, dass die Produzenten immer noch short sind (-50.567 Kontrakte) und die großen Fonds mit den privaten Anlegern mit jeweils etwa +25.000 Kontrakten long positioniert sind. Gegen die Profis zu handeln kann funktionieren, auf lange Sicht gehen wir aber davon aus, dass die Produzenten einen gewissen „Informationsvorsprung“ besitzen und sich gerade in hochkomplexen Märkten, wie dem Natural Gas besser schlagen.

Produzenten sind nach wie vor short
GenesisFT

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