++ Bitcoin 11.000 USD: Jetzt startet Bitcoin-Boom 2.0! ++
01.07.2020 Nikolas Kessler

Wirecard-Ende naht: Insolvenzverwalter rechnet mit Zerschlagung

-%
Wirecard

Infolge des Bilanzskandals hat Wirecard in der Vorwoche Insolvenz angemeldet. Jetzt hat sich Insolvenzverwalter Michael Jaffé geäußert: Er geht davon aus, dass der Zahlungsabwickler zerschlagen wird. Der Wirecard-Aufsichtsrat hat derweil den früheren CEO Markus Braun entlassen.

„Es haben sich bereits eine Vielzahl von Investoren aus aller Welt gemeldet, die Interesse am Erwerb des Kerngeschäfts (oder) der davon unabhängigen und eigenständig erfolgreich am Markt agierenden Geschäftsbereiche haben“, teilte Jaffé am Dienstagabend nach einer Sitzung des Gläubigerausschusses mit. Dazu gehören Insidern zufolge Finanzinvestoren, aber auch Rivalen wie die französische Worldline.

Die Gläubiger hätten bereits grünes Licht für die Mandatierung von spezialisierten Investmentbanken gegeben, die sich um den Verkauf der einzelnen Firmenteile kümmern sollen, erklärte der Insolvenzverwalter. Die US-Tochter Wirecard North America hatte sich bereits am Dienstag selbst zum Verkauf gestellt – und dabei die weitgehende Unabhängigkeit vom skandalumwitterten Mutterkonzern betont (DER AKTIONÄR berichtete).

Die Kreditgeber hoffen offenbar darauf, zumindest einen Teil des Geldes wiederzusehen, dass sie dem Unternehmen geliehen haben. Denn die Verkaufserlöse kämen den Gläubigern der Wirecard AG zugute. Fraglich ist allerdings, wie viel potenzielle Käufer angesichts der misslichen Lage zu zahlen bereit sind.

Nach dem Skandal um Luftbuchen im Asien-Geschäft werden Interessenten zudem ganz genau hinschauen müssen, ob nicht auch in anderen Geschäftsbereichen noch böse Überraschungen warten. Nach Einschätzung des AKTIONÄR gilt dies insbesondere auch für die Wirecard Bank.

Vertrag mit Ex-CEO Braun gekündigt

Wirecard selbst hat derweil am Dienstagabend mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat den Anstellungsvertrag des früheren Vorstandschefs Markus Braun „mit sofortiger Wirkung (…) außerordentlich gekündigt“ hat.

Der langjährige Unternehmenschef war bereits am 19. Juni als Mitglied des Vorstands zurückgetreten und wenige Tage später festgenommen worden. Während Braun gegen Zahlung von fünf Millionen Euro Kaution auf freien Fuß kam, gilt sein Vorstandskollege Jan Marsalek nach wie vor als untergetaucht.

Wirecard (WKN: 747206)

Reines Zocker-Papier

Bei der Wirecard-Aktie sorgen Spekulanten für enorme Kurskapriolen. Alleine am gestrigen Dienstag war der Kurs in der Spitze auf mehr als neun Euro geklettert, bis zum Handelsschluss aber wieder auf 5,73 Euro zurückgekommen. DER AKTIONÄR rechnet auch weiterhin mit extremen Kursbewegungen in beide Richtungen.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6