20.04.2020 Michael Schröder

Super-Contango: US-Rohölpreis stürzt auf minus 40 Dollar - historischer Verfall belastet Dow Jones und Co

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Oil WTI

Der starke Verfall der Rohölpreise hat die Stimmung an der Wall Street zum Kippen gebracht. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial, der im Handelsverlauf mehrfach um die Marke von 24.000 Punkten kämpfte, schloss letztlich wieder deutlich darunter.

Nach zwei insgesamt sehr stark verlaufenen Wochen beendete der Dow Jones den Tag mit einem Abschlag von 2,44 Prozent auf 23.650,44 Punkte. Der marktbreite S&P 500 verlor 1,79 Prozent auf 2823,16 Zähler. Der Nasdaq 100 büßte 1,20 Prozent auf 8726,51 Punkte ein.

DowJones (ISIN: DE000DB2KFA7)

In den USA ist der Ölpreis erstmals in seiner Geschichte ins Minus gestürzt. Da am Dienstag der Future-Kontrakt auf WTI-Öl für den Monat Mai - der also eine physische Öllieferung im Mai vorsieht - ausläuft, versuchten viele Händler, die diese Finanzinstrumente am Markt nur spekulativ handeln, diese zum Wochenstart um jeden Preis - also auch mit Verlusten - zu verkaufen. Sonst würde ihnen die Lieferung des Öls drohen. Der nachfolgende Terminkontrakt kostete zeitgleich wesentlich mehr als der Mai-Kontrakt. Für das enorm hohe Angebot an Papieren fanden sich aber keine Käufer, die diese haben wollten.

Das sorgte dafür, dass der Preis für den Terminkontrakt auf die US-Sorte WTI für Mai in der Spitze um rund 60 Dollar auf minus (!) 39,55 Dollar je Barrel (159 Liter) einbrach. Marktteilnehmer sprechen von einem "Super-Contango", also einem riesigen Abstand des Preises für physisches Öl und jenes, das erst in einigen Wochen geliefert wird.

Oil WTI (ISIN: XC0007924514)

Der Preis für US-Öl zur Lieferung im Mai hat bereits am späten Nachmittag die Tagesverluste deutlich ausgeweitet. Auslöser dieser ungewöhnlichen Lage war, dass vor allem in den USA immer noch viel Öl gefördert wird, es zugleich aber wegen des Wirtschaftsstillstandes aufgrund der Corona-Krise kaum mehr Abnehmer findet. Folge: Die Lagerkapazitäten könnten schon bald überschritten werden.

Während der Dow Jones am charttechnischen Widerstand bei 24.000 Punkten abgeprallt ist, kann der charttechnische DAX die Hürde bei 10.700 Zählern nicht überwinden.

DAX (WKN: 846900)

(Mit Material von dpa-AFX)