So investieren Sie wie Peter Lynch
19.01.2021 Leon Müller

Wirecard: Das ist einfach unglaublich

-%
Wirecard

Hätte Wirecard gerettet werden können? Einem Bericht zufolge prüfte das Bundesfinanzministerium von Olaf Scholz (SPD) die Option, den DAX-Konzern aus Aschheim bei München, der heute für den größten Betrug der deutschen Wirtschaftsgeschichte steht, mit Steuermitteln sowie einem Kredit zu retten. Der Vorgang wirft zahllose Fragen auf, die bisher unbeantwortet geblieben sind.

Das gibt dem Skandal um Wirecard einen neuen Twist: Das Bundesfinanzministerium unter Olaf Scholz (SPD) hat offenbar unmittelbar nach der Pleite von Wirecard Möglichkeiten geprüft, den Konzern zu retten. Das berichtet Business Insider unter Verweis auf einen Sprecher des Ministeriums.

Wirecard musste Ende Juni des Jahres 2020 als erstes DAX-Unternehmen der Geschichte die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragen. Zuvor gestand das Unternehmen ein, dass bilanzierte Vermögenswerte in Höhe von 1,9 Milliarden Euro gefälscht seien. Ernst & Young hatte das Testat unter den Jahresabschluss verweigert.

Kreative Verwendung von Steuergeldern

Offenbar hat das Bundesfinanzministerium eine Aktivierung von Mitteln aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) erwogen. Gelder aus diesem Fonds sollen eigentlich nur Unternehmen  zugutekommen, die wegen der Coronakrise in Schieflage geraten sind. Nicht minder interessant mutet die zweite Variante an: ein Kredit der öffentlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) an Wirecard. Beide Optionen wurden schließlich verworfen und so ein Engagement des deutschen Staates bei dem insolventen Unternehmen vermieden.

Wirecard (WKN: 747206)

Unverständnis bei der Opposition

Die Erwägung derartiger Maßnahmen seitens des Bundesfinanzministeriums ruft Unverständnis bei der Opposition hervor. Bundestagsabgeordneter Fabio De Masi (Linke) schreibt auf seinem Twitter-Profil, der Vorgang sei "befremdlich". De Masi sitzt im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss im Bundestag.

Auch Florian Toncar, Bundestagsabgeordneter (FDP), äußert sich als Mitglied des Ausschusses immer wieder kritisch zu den Entwicklungen rund um Wirecard. Zu den Erkenntnissen um mögliche staatliche Hilfen für Wirecard hat er sich noch nicht geäußert.

Steuergelder für ein insolventes, des Betrugs verdächtiges Unternehmen? Dem Bundesfinanzministerium schien selbst das nicht zu abwegig. Dass man von diesen Gedanken nach anfänglicher Prüfung abgekommen ist, ist nur zu begrüßen. Dass man überhaupt daran gedacht hat, ist erschreckend und befremdlich zugleich. Oder anders gesagt: Einfach nur unglaublich.

Buchtipp: Die Geschichte der Spekulationsblasen

Eigentlich sind wir alle ziemlich schlau. Nur das mit dem Geld klappt nicht so recht … und manchmal geht es sogar richtig schief. Doch warum nur? Mit „Die Geschichte der Spekulationsblasen“ macht sich John Kenneth Galbraith, einer der ganz großen Ökonomen des 20. Jahrhunderts, auf die Suche nach der Antwort. Und er sucht an den richtigen Stellen – den Finanz­katas­trophen der letzten vier Jahrhunderte: der Tulpenmanie des 17. Jahrhunderts, der Südseeblase im 18. Jahrhundert, den Hochrisiko-Anleihen im 20. Jahrhundert. Mit Geist und Witz erklärt Gal­braith die psychologischen Mechanismen hinter diesen Blasen … damit der Leser sie durchschaut und sich dagegen wappnen kann. Dieses Meisterwerk zum Thema Finanzpsychologie war vergriffen und wird nun im Börsenbuchverlag wieder aufgelegt.

Autoren: Galbraith, John Kenneth
Seitenanzahl: 128
Erscheinungstermin: 19.03.2020
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-86470-677-6