Coinbase wagt den Vorstoß in ein Segment, das bislang fast ausschließlich Großinvestoren vorbehalten war. Der Krypto-Riese startet den Handel mit sogenannten Pre-IPO-Futures. Den Anfang macht kein Geringerer als Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX. Damit können Privatanleger auf die Wertentwicklung des Giganten setzen, noch bevor die erste Aktie offiziell an einer klassischen Börse gehandelt wird.
SpaceX wird derzeit mit einer Bewertung von rund 1,8 Billionen Dollar gehandelt. Coinbase ermöglicht es berechtigten Nutzern nun, mit einem bis zu fünffachen Hebel auf diese Bewertung zu spekulieren. Der Grund: Die Nachfrage nach Anteilen an privaten Tech-Schwergewichten ist riesig, das Angebot für normale Trader jedoch minimal. Die neuen Kontrakte werden in USDC abgerechnet und laufen rund um die Uhr.
Demokratisierung mit hohem Einsatz
Während Investitionen in private Unternehmen historisch nur einem begrenzten Kreis von Anlegern vorbehalten waren, öffnet Coinbase nun den Zugang zu diesem Markt. Die Pre-IPO-Futures bieten zwar kein Stimmrecht und keine echten Firmenanteile, bilden aber den Preisverlauf ab. Sobald SpaceX tatsächlich an die Börse geht, werden die Kontrakte automatisch in Standard-Futures umgewandelt. Auch Firmen aus anderen Branchen wie Künstliche Intelligenz und Energie sollen bald folgen.
Doch das neue Angebot birgt erhebliche Gefahren. Da der Markt für private Firmen weniger liquide ist als der Parketthandel, schwanken die Preise teils drastisch. Das zeigte jüngst ein Vorfall bei der Plattform Ventuals. Dort stürzte ein SpaceX-Kontrakt aufgrund fehlerhafter Daten eines Preislieferanten kurzzeitig um 45 Prozent ab. Solche Ausreißer führen bei gehebelten Positionen sofort zur Zwangsliquidation des Kapitals.
Regulatorische Hürden bleiben bestehen
Coinbase selbst mahnt zur Vorsicht. Das Unternehmen betont, dass Pre-IPO-Märkte ein völlig anderes Risikoprofil aufweisen als herkömmliche Derivate. Entsprechend vorsichtig agiert die Börse bei der Zulassung. Das Produkt ist nur für Nutzer von „Coinbase Advanced“ in bestimmten Regionen verfügbar. Wer unter anderem in den USA, Kanada, Deutschland oder Großbritannien lebt, bleibt aufgrund der strengen Finanzaufsicht vorerst komplett ausgeschlossen.
Trotz der Risiken ist die Expansion logisch. Coinbase steht unter Druck, seine Einnahmequellen jenseits des reinen Bitcoin-Handels zu diversifizieren. Der Vorstoß in den Bereich der privaten Firmenbewertungen platziert die Börse direkt im Wettbewerb mit anderen Krypto-Plattformen wie Binance oder OKX, die bereits ähnliche Instrumente für KI-Firmen wie Cerebras gestartet haben.
Coinbase transformiert sich mit den Pre-IPO-Futures weiter zum umfassenden Finanz-Ökosystem. Mit der Zugkraft der Marke SpaceX dürften die Handelsvolumina steigen. Ein Einstieg drängt sich bei der Coinbase-Aktie derzeit allerdings noch nicht auf. Deutsche Zocker können an dem Rekord-IPO voraussichtlich dennoch über diesen Neobroker teilnehmen.
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