12.03.2019 Jochen Kauper

VW-Großaktionär macht Druck: „Kernmarke ist reformbedürftig“

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Volkswagen
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Volkswagen stellt sich auf hartes Jahr ein. Herbert Diess hat mit seinem Team mit vielen Baustellen zu kämpfen: Dieselkrise, Prüfstandardumstellung auf WLTP und der seit wenigen Monaten schwächelnde chinesische Automarkt. Jedoch sehen viele Analysten auch positive Signale. Für den AKTIONÄR ist VW jedenfalls auf einem guten Weg. Den Umbruch weg von den Verbrennern hin zu Elektroflitzern, Wasserstoffautos, Hybriden und Mobilitätsdiensten zu meistern.

Umbau läuft
44 Milliarden Euro wird Vorstand Herbert Diess mit seinem Team in die Hand nehmen, diesen Umbruch zu stemmen. Die letzten Deals waren ein erster Vorgeschmack: Die Zusammenarbeit mit Ford, Microsoft, WirelessCar und Baidu.

Reformbedürftig
Die Zahlen 2018 waren im Rahmen der ErwartungenAllerdings warnte Großaktionär Wolfgang Porsche: Er hält die Kernmarke Volkswagen Pkw für reformbedürftig, sprach von Verkrustungen in Wolfsburg und griff damit den bei VW traditionell starken Betriebsrat frontal an. Die Verwaltungskosten im Unternehmen seien zu hoch, die Fertigungstiefe müsse auf den Prüfstand, so der Sprecher der Eigentümerfamilie, die über die Porsche-SE-Holding die Mehrheit der Stimmrechte am Volkswagen-Konzern kontrolliert. Auch die Tochter Audi ist ihm nicht mehr profitabel genug - hier soll gespart werden.

Milliarden futsch

Fehler machte der VW-Konzern vor allem bei der WLTP-Einführung. Über Monate waren - und sind teilweise noch - bei mehreren Konzernmarken viele Modelle nicht verfügbar. Aus Arbeitnehmerkreisen war im Spiegel von bis zu 3,6 Milliarden zu lesen, die dem Konzern durch die Pannen durch die Lappen gingen.

Auch die Dieselaffäre kostete im vergangenen Jahr erneut viel Geld - die Abgasrechnung für die Softwaremanipulation bei Dieselmotoren kletterte vergangenes Jahr um weitere 3,2 Milliarden Euro auf rund 29 Milliarden Euro. Jetzt geht es darum, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Und hier hat VW mit mehreren guten Partnern wie Microsoft und Baidu die Weichen gestellt.

5 Prozent plus

2019 will VW 235,8 Milliarden Euro stemmen. Fünf Prozent mehr als 2018. Bei der Umsatzrendite des operativen Gewinns rechnet der Konzern mit einem Wert zwischen 6,5 und 7,5 Prozent, sie lag um Sondereinflüsse bereinigt im Vorjahr bei 7,3 Prozent.

Die Optimisten unter den Analysten trauen den VW-Vorzügen beim Kurs ein Aufwärtspotential von rund 50 Prozent zu, die Pessimisten liegen rund 15 Prozent unter dem aktuellen Kurs.  Besonders positiv ist Analyst Robin Zhu von Bernstein Research. Nachdem das Geschäft dort im vergangenen Jahr dramatisch zurückgegangen war, gebe es Signale der Besserungen. Die Zulassungszahlen vom Januar deuteten darauf hin. Er bestätigte daher seine Kaufempfehlung bei einem Kursziel von 220 Euro je Aktie.

Wichtige Chartmarken
Es bleibt dabei: Die VW-Aktie hat vor Kurzem mit dem Sprung über die wichtige 200-Tage-Linie ein Kaufsignal geliefert. Zuletzt hat das Papier auf dieses Ausbruchsniveau zurückgesetzt. Es gilt nun, diese wichtige Marke zu verteidigen. Gelingt dies, wartet die nächste wichtige Hürde im Bereich von 160 Euro. Anleger, die auf eine weitere Erholung spekulieren wollen, sollten ihre Position in jedem Fall mit einem Stopp absichern. Sollte das Papier wieder unter die Unterstützung zurückfallen, könnte es durchaus zu einem Rücksetzer bis in den Bereich von 137 Euro kommen.

(Mit Material von dpa-AFX).