Im Winter 2019 war die Welt noch in Ordnung. Die Kurse standen auf Rekordniveau, die Stimmung war bestens, und kaum jemand dachte ernsthaft über Viren nach, die nur in Fernost Schlagzeilen machten. Bisher ging ja immer alles gut beziehungsweise blieben Pandemien doch immer weit weg.
Dann kam der März 2020, und plötzlich ging es nicht mehr um Quartalszahlen, sondern um die Frage, ob die Welt einfach zum Stillstand kommt.
Die Panik war schnell da. Lockdowns, geschlossene Grenzen und menschenleere Innenstädte sorgten für Bilder, die man sonst nur aus Katastrophenfilmen kannte.
Auch an der Börse herrschte das Schaudern. Der DAX stürzte innerhalb weniger Tage um rund 40 Prozent ab. Anleger verkauften, was sie nur verkaufen konnten. Begriffe wie Kurzarbeit, Liquidität, Inzidenz und Rettungspaket wurden plötzlich Alltagsvokabular.
Dann passierte etwas, mit dem kaum jemand gerechnet hatte. Die Notenbanken pumpten Geld in die Märkte, als gäbe es kein Morgen. Die Zinsen gingen praktisch auf null, Staaten legten gigantische Hilfsprogramme auf, und die Börse drehte schneller, als viele es für möglich hielten. Die Devise lautete: Wer jetzt verkauft, verpasst den Aufschwung.
Während Restaurants, Reisebüros und Veranstalter kämpften, gab es andere Gewinner. Videokonferenzen wurden zum Standard, Onlinehändler boomten, und Pharmawerte wie BioNTech und Moderna erlebten Kursfeuerwerke. Manche Aktien stiegen, weil sie den Alltag im Lockdown erleichterten, andere, weil sie Hoffnung auf einen Impfstoff versprachen.
Ein Paradebeispiel für den Boom war Clorox. Der Hersteller von Bleichmitteln und Desinfektionstüchern meldete im Frühjahr 2020 ein Umsatzplus von 15 Prozent. Die Regale waren teils leergekauft, und man rechnete mit Lieferengpässen bis 2021. Die Aktie legte in der ersten Jahreshälfte 2020 um 42,9 Prozent zu. Im Sommer 2020 erreichte sie ihr Hoch bei rund 240 Dollar. Doch als die Corona-Sorgen nachließen, verlor die Aktie rund 40 Prozent gegenüber dem Rekordhoch. Im Juni 2022 markierte sie ein Zwischentief bei 120,50 Dollar. Die Lehre: Ein Ausnahmejahr ist kein Geschäftsmodell für die Ewigkeit.
An den Börsen wich die Panik schnell wieder der Zuversicht. Schon im Laufe des Jahres 2021 klettere der DAX wieder auf neue Rekordstände.
Die Krise war nicht vorbei, aber die Märkte hatten sich mit ihr arrangiert. Der Kern der Lektion? Panik ist ein schlechter Ratgeber, Geduld und Liquidität sind die besseren Verbündeten.
Und die Moral von der Geschicht’? Die Börse hat ein gutes Gedächtnis für Krisen, aber ein noch besseres für Chancen. Wer das 2020 verstanden hatte, durfte sich später über seine guten Nerven freuen.
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01.08.2026, 10:29
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