Die Absatzzahlen von Volkswagen zeigen, wie schwer es der Konzern derzeit hat. Weltweit verkaufte Volkswagen im zweiten Quartal 2,08 Millionen Autos. Fast neun Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Vor allem in China lief es erneut schlecht: Die Verkäufe gingen im wichtigsten Automarkt der Welt um mehr als ein Drittel zurück - auf nur noch 424.300 Fahrzeuge.
Volkswagen will nun Werke schließen und die Modellpalette deutlich zusammenstreichen. Die Zahl der Modelle im Konzern solle schrittweise um bis zu 50 Prozent schrumpfen, die Anzahl möglicher Ausstattungsoptionen um bis zu 75 Prozent sinken, kündigte der Volkswagen-Konzern nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg vergangene Woche an.
Der Konzern wolle sich in Zukunft auf die attraktivsten Marktsegmente konzentrieren, begründete Europas größter Autobauer den Vorstoß. Damit würden Investitionen und Entwicklungsressourcen auf Produkte und Technologien fokussiert, die den größten Mehrwert für Kundinnen und Kunden sowie den höchsten Wertbeitrag für den Konzern lieferten, hieß es. Die weltweite Produktionskapazität solle von einst zwölf auf neun Millionen Fahrzeuge sinken, bekräftige Konzernchef Oliver Blume.
Hoffnung mache die neue Elektroflotte, sagte Blume der Bild am Sonntag: "Von unserer neuen Einstiegsfamilie um den ID. Polo haben wir über 50.000 Autos in den ersten vier Wochen verkauft. Wir sind klarer Marktführer in Europa - bei Verbrennern und vollelektrischen Fahrzeugen." Sorgen bereitet dem VW-Chef die Weltlage: "Unser Umfeld war noch nie so anspruchsvoll und risikobehaftet wie heute. Geopolitische Spannungen, Handelsbarrieren, Regulatorik, Marktumbrüche und intensive Konkurrenz."
Ähnlich sieht die aktuelle Situation des VW-Konzerns UBS-Analyst Patrick Hummel. Volkswagens Pläne für massive Stellenstreichungen und mögliche Werksschließungen könnten laut Hummel zu einer Restrukturierungsbelastung in Milliardenhöhe führen. „Restrukturierung ist das A und O für europäische Automobilhersteller, doch Volkswagen steht vor der größten Herausforderung", so Hummel in einer Telefonkonferenz mit den Medien.
Das bisherige Geschäftsmodell von VW, in Europa zu entwickeln und zu produzieren, funktioniert nicht mehr. Der Konzern muss sich neu aufstellen. Ein erster Schritt ist die Fertigung „In China, für China“ zusammen mit Xpeng und Horizon Robotics. Ob die gemeinsam entwickelten Modelle die erhoffte Wende im wichtigsten Automarkt der Welt bringen, bleibt abzuwarten. In Europa baut VW ebenfalls um und reduziert die Kapazitäten um bis zu 1,5 Millionen Einheiten. Auch hier werden die Karten neu gemischt: BYD, Xpeng und 2027 auch Xiaomi rollen ihre E-Autos aus. Sicherlich existiert in Europa noch eine höhere Markentreue, jedoch wird Volkswagen auch hier Marktanteile verlieren. Anleger warten ab.
FAQs:
Warum steht die VW-Aktie so stark unter Druck?
Die Gewinnwarnung von BMW hat die deutschen Automobil-Titel belastet. Zudem verliert VW nach wie vor Marktanteile in China.
Wie will VW gegensteuern?
VW wird in Zukunft "In China für China" produzieren. Die E-Autos werden zusammen mit Xpeng aufgebaut.
Wie stellt sich die Situation in Europa dar?
In China hat VW starke Konkurrenz von heimischen Marken wie BYD, Xpeng, Xiaomi und Co bekommen. Diese rollen ihre innovativen E-Autos mittlerweile auch in Europa aus. Zwar gibt es in Europa noch eine starke Markentreue der Käufer, jedoch werden Chinas Autobauer auch in Europa den deutschen Herstellern Marktanteile abnehmen.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Volkswagen Vz..
Enthält Material von dpa-AFX
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