18.10.2019 Benedikt Kaufmann

Vivendi will Musiksparte an Tencent verkaufen

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Vivendi
Trendthema

Vivendi hat am Donnerstag seine Zahlen zum dritten Quartal veröffentlicht und konnte erneut ein sattes Umsatzwachstum verzeichnen. Der Hauptgrund für das starke Ergebnis war erneut die Universal Music Group – doch die Konzernperle soll verkauft werden.

Starke Umsatzentwicklung

Vivendi steigerte seinen Umsatz im dritten Quartal überraschend kräftig. Bereinigt um Währungseffekte sowie den Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen legten die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um gut sieben Prozent auf 3,97 Milliarden Euro zu. Das mehr als von Analysten im Schnitt erwartet.

Für das hervorragende Ergebnis war zu großen Teilen die Universal Music Group (UMG) verantwortlich. Der Umsatz der Musiksparte stieg um fast 16 Prozent. Hervorzuheben ist mit einem Wachstum von knapp 20 Prozent das Streaming-Geschäft.

Quelle: Vivendi Q3-Präsentation

Dem größten Plattenlabel der Welt hilft der Trend hin zum Musik-Streaming, denn die Musikstudios erhalten Lizenzgebühren von Spotify, Amazon oder Apple Music. Vorbei sind die Zeiten der Umsatzeinbußen durch Raubkopien. Der gesamten Branche gelang es vor drei Jahren, den seit der Jahrtausendwende bestehenden negativen Umsatztrend umzukehren und wieder wachsende Erlöse zu verzeichnen.

Verkauf von UMG wird vorangetrieben

Vivendi plant jedoch, sich von weiteren Anteilen seiner von UMG zu trennen. Es gebe Kaufinteresse von möglichen Partnern, teilte das Unternehmen im Rahmen der Q3-Konferenz mit. Die Prüfung der UMG-Bücher durch den bisherigen Interessenten, den chinesischen Internetkonzern Tencent, werde in den kommenden Wochen beendet.

Tencent will mit zehn Prozent bei UMG einsteigen und soll nun zudem das Recht erhalten, innerhalb eines Jahres weitere zehn Prozent zu erwerben. Vivendi hatte bereits früher mitgeteilt, bis zu 50 Prozent an Universal abgeben zu wollen. Bei den weiteren Kaufinteressenten, mit denen Vivendi nun spricht, soll es ebenfalls um Minderheitsanteile gehen. Der Kaufpreis soll auf dem Niveau dessen liegen, den Tencent bezahlen will.

In einer „Sum of the parts“-Analyse kommt DER AKTIONÄR bei einer konservativen UMG-Bewertung von 32 Milliarden Dollar auf rund 25 Euro je Aktie. Das entspricht ungefähr dem Kursniveau der vergangenen Monate und bildet eine gute Ausgangsbasis für die Empfehlung in Ausgabe 11/2019.

Geht man jedoch, wie die Analysten von JPMorgan von einer UMG-Bewertung in Höhe von 44 Milliarden Dollar aus, ergibt sich im Rahmen der „Sum of the parts“-Analyse ein äußerst bullishes Kursziel von 42 Euro. Dies dürfte jedoch zu optimistisch sein. DER AKTIONÄR geht unverändert von einem Kursziel von 34 Euro aus.

Damit heißt es weiterhin abwarten, welchen Preis Tencent und andere Interessenten für die UMG-Anteile Zahlen wollen. Anleger bleiben dabei.

Vivendi (WKN: 591068)

Mit Material von dpa-AFX.