04.07.2017 Markus Horntrich

USU-Software-Chef exklusiv: "Niemals weniger als im Vorjahr ausschütten"

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USU Software
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Herr Oberschmidt, etwas martialisch ausgedrückt sind Daten „das Schwert des 21. Jahrhunderts“ – mit welchen Argumenten überzeugen Sie Ihre Kunden, bei der Analyse ihrer „Big Data“ auf das Know-how der USU Software AG zu setzen?  

Bernhard Oberschmidt: Das schlagendste Argument ist sicherlich der konkrete Vorteil des Kunden. Und den können wir nachweisen. Bei den Heidelberger Druckmaschinen läuft gerade das aus unserer Sicht europaweit größte Projekt im Bereich „Predictive Maintenance“. Hierbei geht es u. a. darum, durch die Verarbeitung und Analyse von Massendaten Erkenntnisse über Maschinenzustände zu gewinnen. Dadurch lassen sich z. B. Ausfallzeiten teurer Maschinen minimieren. Heidelberger Druckmaschinen hat das Geschäftsmodell erweitert und bietet Kunden seit kurzem sehr erfolgreich diese datengetriebenen neuen Services an – mit Hilfe von USU-Technologie und -Expertise.

Welches Wachstumspotenzial sehen Sie für USU speziell in den Bereichen Big Data, Wissensdatenbanken, Smart Data und Industrie 4.0?

Gerade mit diesen brandaktuellen Themen erwarten wir in den kommenden Jahren zweistellige Wachstumsraten, da der Markt noch recht jung und ungesättigt, der Bedarf bei den Unternehmen aber sehr groß ist.

Ein wichtiger Garant für die anhaltende Erfolgsgeschichte von USU Software ist der Themenbereich Lizenzmanagement. Wie erklärt sich die in den letzten Jahren sprunghaft gestiegene Bedeutung des Lizenzmanagements in vielen Unternehmen?

Zum einen schaffen die Unternehmen mit unserer Lösung Rechtssicherheit, da sie strafrechtlich relevante Unterlizenzierungen vermeiden. Und zum anderen erschließen wir unseren Kunden enorme Einsparpotenziale durch die Aufdeckung von Überlizenzierungen oder nicht mehr genutzter Software, für die von ihnen aber noch Wartung gezahlt wird. Dies gilt vor allem auch für den Bereich der Cloud-Lösungen, die im Software as a Service Modell von den Kunden genutzt werden. Entsprechend amortisiert sich die Investition in unsere Software für unsere Kunden bereits innerhalb eines Jahres. Anschließend spart der Kunde weiter und ist bzgl. der Softwarelizenzen rechtssicher aufgestellt. Zusammengefasst kann man sagen: Compliance und Kostenoptimierung sind die beiden zentralen Treiber unseres Lizenzmanagement-Erfolges.

Wie ist die USU-Gruppe nach den Übernahmen von SecurIntegration und EASYTRUST im Bereich Lizenzmanagement aufgestellt? Wie sieht Ihre weitere Expansionsstrategie in diesem Bereich aus?

Wir haben über unsere Konzerntochter Aspera und deren Lizenzmanagement-Lösung ja bereits den breiten Lizenzmanagement-Markt abgedeckt, wobei die Spezial-Expertise von SecurIntegration im SAP-Bereich und von EASYTRUST im Bereich der Oracle-Produkte die Aspera-Lösung ideal ergänzen. Zudem verfügt EASYTRUST über eine eigene Inventory-Lösung, welche USU bisher von Partnerfirmen, zu denen auch EASYTRUST bis zur Übernahme gehörte, bezog. Und diese Inventory-Lösung kann auch die Configuration Management Database (CMDB) der USU-Produktsuite Valuemation befüllen, so dass wir gleich mehrere Vorteile aus der EASYTRUST-Übernahme erzielten. Nunmehr haben wir ein einzigartiges Lizenzmanagement-Portfolio und zählen weltweit zu den Marktführern auf diesem Gebiet. Die weitere Expansionsstrategie könnte sicherlich analog zur EASYTRUST-Übernahme in der Erschließung oder dem weiteren Ausbau der weltweiten Präsenz liegen.

Selbst Branchenexperten waren überrascht, wie schnell es der USU-Gruppe gelungen ist, auf dem US-Markt Fuß zu fassen. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis in Übersee und können Sie die Wachstumsdynamik dort aufrechterhalten?

Wir haben uns im ersten Schritt auf das Thema Lizenzmanagement in den USA fokussiert und profitierten davon, dass dieser Markt extrem ungesättigt war und wir mit unserer einzigartigen Lizenzmanagement-Lösung zugleich auf einen geringen Wettbewerb trafen, der auch technisch nicht so gut aufgestellt war, wie wir. Die Partnerschaft mit Softwarekonzern CA Technologies, der unsere Lizenzmanagement-Software in sein Konzernportfolio als OEM-Version aufgenommen hat und vertreibt, bestätigte dies.

Generell ist die Internationalisierung eine der wesentlichen Wachstumssäulen der USU-Gruppe. Welche weiteren Auslandsmärkte haben Sie neben Frankreich, UK und den USA besonders im Visier und welche Investitionen planen Sie hierfür in Marketing und Vertrieb?

Zunächst fokussieren wir uns einmal auf die von Ihnen genannten Länder und investieren in das weitere Wachstum dieser Märkte, indem wir das Marketing und den Vertrieb ausbauen und auch das Angebotsportfolio um unsere Lösungen für das Knowledge Management erweitern. Die Erweiterung unserer weltweiten Präsenz ist dann im nächsten Schritt geplant.

EASYTRUST war die erste internationale Akquisition für USU. Prüfen Sie weitere Zukäufe im Ausland?

Das ist eine Option und wir schauen uns auch international tätige Unternehmen an, die wie EASYTRUST über eigene Software-Lösungen und bereits einen umfangreichen Kundenstamm verfügen, was wichtige Voraussetzungen für eine finale Übernahme wären.

Im ersten Quartal 2017 ist die USU-Gruppe um 11,4 Prozent gewachsen. Hat sich diese Dynamik im zweiten Quartal fortgesetzt?

Wir sind zufrieden mit der Entwicklung des zweiten Quartals, wobei ich an dieser Stelle aufgrund der aktienrechtlichen Regelungen noch keine Details zur Geschäftsentwicklung nennen kann.

Das Lizenzgeschäft war im ersten Quartal 2017 hinter dem Vorjahresvolumen zurückgeblieben. Ist eine Folge der Umstellung auf das SaaS-Modell? Welche Erwartungen haben Sie an die Lizenzerlöse im Gesamtjahr 2017?

Das erste Quartal eines Jahres ist traditionell bei uns nicht so stark. Dagegen ist in der Regel das Schlussquartal unser stärkstes Quartal. Dass sich in diesem Jahr das Lizenzgeschäft im Q1 eher verhalten entwickelte, ist entsprechend auch stichtagsbezogen zu betrachten, da wir einige der avisierten Deals – insbesondere im Ausland – entweder in Q2 abschließen konnten oder aber in den Folgequartalen noch finalisieren werden. Daher rechnen wir für das Gesamtjahr insgesamt mit steigenden Lizenzerlösen. Dass Kunden zunehmend auf SaaS setzen, hat zwar auch leichte Auswirkungen auf das Lizenzgeschäft, aber das ist ein längerer Prozess, der zudem auf lange Sicht zu höheren Erträgen führt.

Die Mittelfristplanung der USU-Gruppe sieht für das Jahr 2020 das Erreichen von 140 Millionen Euro Umsatz und den Ausbau des bereinigten EBIT auf über 20 Mio. Euro vor. Setzen Sie sich mit diesen ambitionierten Wachstumsvorgaben nicht zu sehr unter Druck? Was passiert, wenn Sie keine geeigneten Akquisitionskandidaten mehr finden?

Keineswegs. Der Großteil des avisierten Wachstums ist ja organisch – insbesondere aus neuen Produktinnovationen und der zunehmenden Internationalisierung – geplant. Und lediglich 10 bis 15 Millionen Euro sollten aus Akquisitionen herrühren. Daher sehen wir der weiteren Entwicklung der USU-Gruppe sehr optimistisch entgegen. Zumal wir mit den jüngsten Übernahmen der unitB technology GmbH und der EASYTRUST SAS gezeigt haben, dass wir gute Übernahmekandidaten finden und die Akquisitionen auch entsprechend finalisieren können.

Der Hauptversammlung 2017 am 4. Juli werden Sie die Ausschüttung einer Dividende von 40 Cent je Aktie vorschlagen. Dürfen Ihre Aktionäre für die kommenden Jahre weitere Steigerungen bei der Ausschüttung erwarten oder könnte diese bei einer größeren Übernahme in Gefahr sein?

Wir haben eine klare Dividendenpolitik, wonach wir niemals weniger als im Vorjahr ausschütten wollen und die Ausschüttung etwa der Hälfte des erwirtschafteten Gewinnes betragen soll. Ganz wichtig ist dabei der erste Punkt: Nie weniger als im Vorjahr ausschütten! Das wiederum bedeutet Verlässlichkeit für unsere Aktionäre. Und mit der bestehenden Liquidität sowie den zukünftigen Cashflows können wir die avisierten Übernahmen auch gut finanzieren. Bei Bedarf wäre auch die Möglichkeit vorhanden, auf bisher nicht genutzte Kreditlinien zurückzugreifen oder gegebenenfalls eine kleinere Kapitalerhöhung durchzuführen. Wir wollen aber im Sinne der Dividendenkontinuität ein verlässlicher Partner unserer Aktionäre bleiben.

Die Wachstumsziele 2020 der USU-Gruppe kennen wir – und diese wecken Begehrlichkeiten bei Investoren, wie der aktuelle Kursverlauf zeigt. Müssen Sie nicht befürchten, dass die Erwartungen des Kapitalmarktes an die USU Software AG irgendwann zu groß werden?

Diese Befürchtung habe ich nicht. Wir sehen das Mittelfristziel 2020 als positive Fortsetzung des eingeschlagenen Wachstumspfades und insofern als gut erreichbar an. Nicht zuletzt unsere Innovationsstärke wird uns dabei unterstützen. Erst kürzlich wurde USU vom Investment-Forschungsunternehmen ALPORA mit dem TOP INNOVATOR AWARD ausgezeichnet.

Herr Oberschmidt, vielen Dank für das Gespräch.