Wacker Chemie blickt vorsichtig auf das laufende Jahr. Immerhin. Eine klare Trendwende in den Märkten sei weiterhin nicht in Sicht, erklärte Vorstandschef Christian Hartel. Umso wichtiger sei es, den eingeschlagenen Kurs konsequent fortzusetzen – intern gelte deshalb weiterhin das Motto „Tempo, Tempo, Tempo“. Die erste Kursreaktion auf die Zahlen fällt positiv aus.
Für das laufende Jahr stellt der Münchner Chemiekonzern bei einem Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 550 bis 700 Millionen Euro in Aussicht. Der Ausblick berücksichtigt allerdings keine möglichen Auswirkungen des aktuellen Kriegs am Persischen Golf. Im vergangenen Jahr war das operative Ergebnis um 43 Prozent auf 427 Millionen Euro eingebrochen. Analysten erwarten im Schnitt für 2026 ein EBITDA von rund 614 Millionen Euro.
JPMorgan-Analyst Chetan Udeshi sieht den Ausblick in etwa auf Höhe der Markterwartungen. Das dürfte kurzfristig für relative Stärke der Aktie sorgen, allerdings müsse sich das Geschäft im Jahresverlauf spürbar verbessern, um die Ziele tatsächlich zu erreichen.
Bereits im Herbst 2025 hatte Wacker ein umfangreiches Sparprogramm gestartet. Bis Ende 2027 sollen jährlich mehr als 300 Millionen Euro eingespart werden. Dazu gehört auch der Abbau von über 1.500 Stellen, vor allem in Deutschland. Ende 2025 beschäftigte der Konzern weltweit rund 16.500 Mitarbeiter, davon etwa 10.750 hierzulande.
Strategisch will sich Wacker stärker auf margenstärkere Spezialchemikalien konzentrieren. Im Polysiliziumgeschäft liegt der Fokus künftig stärker auf Anwendungen für die Halbleiterindustrie, während im Life-Science-Bereich innovative Biotech-Anwendungen im Mittelpunkt stehen sollen. Zugleich fordert Hartel erneut wettbewerbsfähigere Energiepreise und weniger Bürokratie am Industriestandort Deutschland.
Operativ bleibt das Umfeld schwierig. Vor allem die schwache Baukonjunktur belastet weiterhin das Geschäft mit Polymeren und Silikonen, die unter anderem in Klebstoffen, Farben, Bodenbelägen oder für die Auto- und Elektroindustrie eingesetzt werden. Für beide Sparten rechnet der Konzern 2026 lediglich mit stabilen Umsätzen.
Besser läuft es im Geschäft mit Polysilizium für die Halbleiterindustrie, wo die Nachfrage nach hochreinem Material für Chips weiterhin hoch ist. Dagegen bleibt das Geschäft mit Polysilizium für Solaranlagen wegen regulatorischer Unsicherheiten in den USA unter Druck. Insgesamt erwartet Wacker in dieser Sparte ein Umsatzwachstum im niedrigen zweistelligen Prozentbereich.
Unter dem Strich musste der Konzern 2025 wegen Abschreibungen und Kosten für das Sparprogramm einen Verlust von 805 Millionen Euro verbuchen, nachdem im Vorjahr noch ein Gewinn von 261 Millionen Euro erzielt worden war. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 5,49 Milliarden Euro zurück. Aufgrund des Verlusts wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung für 2025 keine Dividende vorschlagen. Im Jahr zuvor hatte Wacker noch 2,50 Euro je Aktie ausgeschüttet.
Am Ende enthält das Zahlenwerk keine negativen Überraschungen. Der Ausblick im Rahmen der Markterwartungen reicht daher aus, um der Aktie positive Impulse zu verleihen. Doch der Vorstand muss die Pläne nun konsequent umsetzen, damit das Geschäft im Jahresverlauf anzieht und die gesteckten Ziele tatsächlich erreicht werden. Dabei ist unklar, ab wann die Weltwirtschaft und damit auch die sehr konjunkturabhängige Chemiebranche wieder Fahrt aufnehmen werden. Nur risikobewusste Anleger setzen einen ersten Fuß in die Tür, der Rest wartet weitere positive Signale ab.
(Mit Material von dpa-AFX)
Heute, 11:00