Top‑Gewinner im Wandel: E‑Mobilität und Rüstung im Fokus

Top‑Gewinner im Wandel: E‑Mobilität und Rüstung im Fokus
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Michael Schröder Heute, 16:55 Michael Schröder

Heidelberger Druck hat in Zeiten der Digitalisierung in seinem Kerngeschäft mit Druckmaschinen bereits seit längerem zu kämpfen. Der Maschinenbauer will wieder deutlich profitabler werden und hat sich daher ein Standbein mit Ladeboxen für Elektrofahrzeuge aufgebaut und rückt nun in den Rüstungsbereich vor.

Der Umsatz bei Heidelberger Druck soll im laufenden Geschäftsjahr nach Einschätzung des Managements um Konzernchef Jürgen Otto auf dem Vorjahresniveau verharren, nachdem dieser im vergangenen Jahr um ein Prozent auf 2,29 Milliarden Euro gestiegen war. Das Unternehmen hatte bereits Mitte Mai vorläufige Jahreszahlen vorgelegt, die nun bestätigt wurden.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatten gleich mehrere Faktoren auf die Profitabilität gedrückt. Neben vorgezogenen Aufwendungen "insbesondere aufgrund des erfolgreichen Starts im Bereich Verteidigung" bekam der Konzern eine nochmals deutlich abgeschwächte Investitionsbereitschaft unter anderem als Folge des Ende Februar begonnenen Iran-Kriegs zu spüren. Hinzugekommen war auch im vierten Quartal ein ungünstiger Produktmix sowie negative Währungseinflüsse.

Wie Heidelberger Druck mitteilte, soll sich die bereinigte EBITDA-Marge im laufenden Geschäftsjahr 2026/27 (bis Ende März) spürbar im Vergleich zum Vorjahr verbessern. Dazu beitragen soll ein Sparprogramm, aber auch die Verlagerung eines Teils der Produktion ins günstigere Ausland. Wie bereits bekannt, war die operative Marge im vergangenen Geschäftsjahr von 7,1 auf 6,6 Prozent gesunken. An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an: Die Aktie legte deutlich zu.

Um die Kosten zu senken, verlagerte Heidelberger Druck die Produktion der Speedmaster CX 104 vollständig nach China. Auch gründete das Unternehmen einen neuen Standort in Nordmazedonien, um künftig Kosten einzelner Produktgruppen zu reduzieren. "Es sichert unsere Arbeitsplätze", sagte Konzernchef Otto auf der Pressekonferenz in Wiesloch. Denn die Lohnkosten würden in Nordmazedonien in etwa auf chinesischen Niveau liegen. Dort sollen laut Otto Produkte hergestellt werden, deren Herstellung sich in Deutschland aus Kostengründen nicht mehr lohnt.

Zudem läuft schon seit längerem ein Personalabbau in deutschen Standorten. "Wir haben inzwischen mehr als 550 Aufhebungsverträge abgeschlossen, um unsere Personalkostenbasis strukturell für die nächsten Jahre anzupassen", erläuterte der Manager weiter. Bis zu 200 Mitarbeiter aus den Kerngeschäften würden zudem in den neuen Bereich Verteidigungstechnik wechseln. Ob es zu weiteren Stellenstreichungen kommen wird, könne er noch nicht sagen.

Im März hatte der Konzern dazu die Gründung eines Joint-Ventures mit dem US-amerikanisch-israelischen Verteidigungssystem-Hersteller Ondas Autonomous Systems verkündet. Das Gemeinschaftsunternehmen unter dem Namen Onberg entwickelt und betreibt autonome Systeme zur Drohnenabwehr. Noch in dieser Woche soll auf der Messe ILA in Berlin eine Absichtserklärung hinsichtlich einer potenziellen Zusammenarbeit mit einem ukrainischen Unternehmen im Drohnenumfeld veröffentlicht werden, hieß es weiter.

Insgesamt will der Maschinenbauer sein Geschäft mit der Verteidigung in den kommenden Jahren rasch hochfahren. "Wir wollen in dem Bereich im kommenden Jahr einen positiven Cashflow erzielen", sagte Otto bezüglich des Potenzials des Defense-Geschäfts. Zumal die nötigen Vorleistungen gering seien. Der Bereich soll "in ein paar Jahren" mindestens 300 Millionen Euro an Umsatz machen. Darin seien die Erlöse an dem Gemeinschaftsunternehmen Onberg nicht enthalten, weil Heidelberger Druckmaschinen an dem Drohnenhersteller nur die Minderheit halte.

Otto räumte ein, dass der Rüstungsmarkt hart umkämpft sei. Viele Start-ups kämen nicht voran, weil sich bei den Behörden Zulassungsverfahren und Genehmigungen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz stapelten. Heidelberger Druck baue das Geschäft hingegen in "Rekordgeschwindigkeit" von deutlich weniger als den üblichen drei bis fünf Jahren auf.

Gegenüber Autobauern wie Mercedes und Volkswagen sieht sich Heidelberg Druck im Vorteil. "Druckmaschinen bauen ist bei bestimmten Produkten ähnlicher, als ein Auto in der Endmontage zu komplettieren", sagte Otto. "Die Autoindustrie misst in Zehntel Millimetern, wir in Tausendsteln, was die Präzision betrifft." 

Vor einem Jahr war der Maschinenbauer im Zuge einer strategischen Partnerschaft mit Vincorion Advanced Systems in das Geschäft mit der Rüstungsindustrie eingestiegen. Für die ehemalige Militärtechniksparte des ostdeutschen Technologiekonzerns Jenoptik soll Heidelberger Druck Regelungstechnik und Energieverteilungssysteme bauen. 

Heidelberger Druck (WKN: 731400)

Sicher, Rüstung bedeutet Fantasie. Doch zunächst einmal fallen Kosten an. Ob das Geschäftsfeld am Ende wirklich ausreichend Umsatz und Gewinn beisteuern kann, muss sich erst noch zeigen. Mit der Wallbox-Fantasie rund um die E-Mobilität hatte der Konzern früher schon einmal viel Fantasie geweckt, die sich bisher nicht wirklich richtig erfüllt hat. Im traditionellen Print-Geschäft ist die Lage zudem weiter schwierig. Anleger bleiben vorerst an der Seitenlinie. 

(Mit Material von dpa-AFX) 

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