04.11.2019 Michael Schröder

SÜSS Microtec: Auftragseingang sticht Marge – Aktie startet nach Gewinnwarnung durch

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SÜSS Microtec
Trendthema

SÜSS Microtec musste heute die EBIT-Prognose für das Gesamtjahr anpassen. Der Schreck der Gewinnwarnung war aber nur von kurzer Dauer. Die Investoren haben sich nach den vorübergehenden Produktivitätsverlusten schnell auf die prall gefüllten Orderbücher konzentriert. Die Aktie legte nach einem kurzen Rücksetzer überproportional zu.

Wie erwartet konnte SÜSS Microtec zuletzt konjunkturbedingte Schwächen in einzelnen Marktsegmenten durch äußerst positive Entwicklungen in anderen Segmenten mehr als ausgleichen. Aber: Der für das vierte Quartal sehr stark erwartete Umsatz wird aufgrund damit einhergehender Produktivitätsverluste im dritten und vierten Quartal nicht ausreichen, um die bisher angestrebte untere Ende der EBIT-Marge zwischen 6,5 und 8,0 Prozent (Vorjahr: 5,3 Prozent) noch zu erreichen. Anders als noch zum Halbjahr erwartet, konnten im dritten Quartal noch keine positiven EBIT-Beiträge erzielt werden. Einige erwartete Aufträge zu vorproduzierten Maschinen wurden erst gegen Ende des dritten Quartals erteilt, wodurch sich die Auslieferung und Umsatzwirksamkeit in das vierte Quartal verschieben wird. Der Vorstand geht zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die EBIT-Marge für das Gesamtjahr nun zwischen 4,0 und 5,0 Prozent liegen wird.

„Ausschlaggebend für die Rücknahme der EBIT-Marge für das Geschäftsjahr 2019 sind insbesondere Produktivitätsverluste in den ersten Quartalen mit geringer Auslastung, die nicht wie zunächst erwartet bereits im dritten Quartal aufgeholt werden konnten. Der geringer als geplante Umsatz im dritten Quartal wird in den kommenden Wochen durch Überstunden und den zusätzlichen Einsatz externer Kräfte zwar weitgehend ausgeglichen werden können, bei der Produktivität ergeben sich durch diese Maßnahmen aber Abstriche. Zusätzlich belasten negative Währungseffekte in der Größenordnung von etwa einer Millionen Euro das Ergebnis“, sagt Finanzvorstand Robert Leurs.

Doch die viel zitierte Talsohle könnte nun durchschritten sein. „Der ungewöhnlich starke Auftragseingang im dritten Quartal, vor allem in den Bereichen Fotomasken-Equipment und Mikrooptik, stimmt uns sehr optimistisch für das vierte Quartal und darüber hinaus“, sagt Konzernchef Franz Richter. „Zudem deuten die aktuell veröffentlichten Investitionsbudgets der großen Auftragsfertiger (OEM) darauf hin, dass die neuen technologischen Entwicklungen, allen voran die Umstellung auf den 5G-Mobilfunkstandard, an Fahrt gewinnen.“

Der Auftragseingang im dritten Quartal hat sich mit 66 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum um satte über 40 Prozent erhöht. Die Gesellschaft geht daher davon aus, dass die bisher veröffentlichte Prognose von 95 Millionen Euro Auftragseingang im zweiten Halbjahr 2019 deutlich übertroffen wird. Zum 30. September beträgt der Auftragsbestand 115,3 Millionen Euro und liegt damit um rund 28 Prozent über den 90 Millionen Euro am Vorjahresstichtag.

Aufgrund der vorliegenden Aufträge und des Bestands an versandfertigen Maschinen wird der Umsatz im Geschäftsjahr 2019 am oberen Rand der bereits angekündigten Bandbreite von 200 bis 215 Millionen Euro (Vorjahr: 203,9 Millionen Euro) erwartet. Weitere Details gibt es mit den endgültigen Zahlen für das dritte Quartal 2019 am kommenden Mittwoch (6. November). Vielleicht gibt es dann auch neue Wasserstandsmeldungen zur Entwicklung am US-Standort.

Die SÜSS-Aktie sackte nach Veröffentlichung der Prognoseanpassung zunächst knapp zehn Prozent auf 8,72 Euro ab. Im Anschluss drehte die Aktie aber auf und schoss 10,50 Euro nach oben.

SÜSS Microtec (WKN: A1K023)

Die gut gefüllten Orderbücher kommen in einem von Investitionszurückhaltung geprägten Marktumfeld bei den Investoren gut an und stechen die überraschend schwache EBIT-Marge aus. Die zunehmende Anwendung der 5G-Technologie, die wachsende Elektromobilität sowie das autonome Fahren spielen der Gesellschaft in die Karten und sollten auch in Zukunft für starkes Wachstum sorgen. 2020 dürfte der Gewinn wieder anziehen – vor allem, wenn es gelingt, die Verluste bei der Scanner-Fertigung am US-Standort Corona zu reduzieren.

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