07.11.2013 Markus Horntrich

Stratec-Chef: „Motor für die Marge“

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STRATEC blickt auf ein erfolgreiches drittes Quartal zurück: Der TecDAX-Konzern konnte die EBIT-Marge auf 16,2 Prozent steigern. Vor allem das wieder anziehende Serviceteilegeschäft gibt Rückenwind. Und ein weiterer bedeutender Entwicklungs- und Lieferauftrag steht kurz vor dem Abschluss. DER AKTIONÄR traf STRATEC-Vorstandschef Marcus Wolfinger zum Interview.

DER AKTIONÄR: Herr Wolfinger, in den ersten neun Monaten konnte STRATEC den Umsatz um Sondereffekte bereinigt um 7,2 Prozent steigern, das operative Ergebnis lag leicht über dem Vorjahreswert. Wie fällt Ihr Fazit für die ersten neun Monate aus?

Marcus Wolfinger: Mit der Umsatzentwicklung waren wir zufrieden. Bei den Produkten, die wir neu auf den Markt gebracht haben, befinden wir uns noch in der Phase des Hochfahrens der Fertigung. Insofern konnten wir die Erlöspotenziale, die aus diesen Produkten resultieren, bisher nur in einem geringen Umfang realisieren. Erfreulich stellt sich die Ergebnisentwicklung dar. Hier konnten wir insbesondere im dritten Quartal einen deutlichen Aufholeffekt bei unserem margenstarken Serviceteilegeschäft beobachten. Dies ist ein positives Signal auch für die kommenden Quartale. Ein weiterer Beleg für unsere wirtschaftliche Leistungsfähigkeit ist der außerordentlich hohe operative Cashflow, der in den ersten neun Monaten bei 13,8 Mio. Euro lag. Im laufenden Geschäftsjahr ist unser Cashbestand bisher um über 40 Prozent auf 18,7 Mio. Euro gestiegen.

Welche Rolle spielte der Hochwasserschaden am Standort Birkenfeld bei der Ergebnisentwicklung?

Vom Hochwasserschaden waren sowohl Fertigungs- wie auch Lagerbereiche betroffen. Durch die erforderlichen Trocknungsmaßnahmen war die Luftfeuchtigkeit zwischenzeitlich angestiegen, so dass insbesondere im Serviceteilebereich Nachtests erforderlich waren, die wiederum Lieferschwierigkeiten zur Folge hatten. Diese Lieferverzögerungen arbeiten wir nach wie vor ab, rund die Hälfte konnten wir bisher bereits nachliefern.

Mit welchen Erwartungen blicken Sie auf das kommende Geschäftsjahr?

Ich bin zuversichtlich, dass sich die jüngsten Ergebnisverbesserungen auch im kommenden Jahr fortsetzen werden und wir im Geschäftsjahr 2014 eine steigende EBIT-Marge ausweisen können. Hierzu beitragen sollen u. a. eine höhere Auslastung unserer Systeme, positive Skalierungseffekte durch höhere Stückzahlen und Effizienzsteigerungen in der Fertigung.

Sie sprechen die Auslastung an: Wie steht es aktuell mit der Auslastung Ihrer im Einsatz befindlichen Analysensysteme?

Aktuell sind wir noch nicht auf dem Niveau, auf dem wir im Jahr 2011 waren, aber die jüngste Entwicklung stimmt uns zuversichtlich. Gegenüber dem deutlichen Rückgang im zweiten Halbjahr 2012, in dem der Umsatzanteil des Serviceteilegeschäfts auf rund 20 Prozent gesunken war, könnten wir insbesondere im dritten Quartal 2013 eine spürbare Erholung verzeichnen. Wir gehen davon aus, dass sich dieser positive Trend auch in den Folgequartalen fortsetzen wird. Das Serviceteilegeschäft ist für uns der Motor für die Marge.

Überschattet wurden die ersten neun Monate von der Beendigung eines Entwicklungs- und Liefervertrages. Wann erwarten Sie eine Einigung mit Ihrem Kunden über eine Kompensationszahlung?

Zum augenblicklichen Zeitpunkt lässt sich dies noch nicht prognostizieren. Die Verhandlungen haben begonnen, wir haben unsere Erwartungshaltung artikuliert. Ich gehe davon aus, dass die Verhandlungen noch eine Weile andauern werden. An dieser Stelle möchte ich noch einmal darauf hinweisen, dass von dieser Vertragsbeendigung nur ein Produkt betroffen war und dass wir bei weiteren Produkten auch weiterhin mit diesem Kunden erfolgreich zusammenarbeiten.

Welche Fortschritte machen Sie bei der Gewinnung neuer Kunden?

Um unser angepeiltes Wachstum zu realisieren, sind wir nicht zwangsläufig darauf angewiesen, neue Kunden zu gewinnen. Wir arbeiten bereits heute mit 15 Unternehmen der weltweiten Top20 zusammen. Unser vorrangiges Ziel ist es deshalb, mit unseren bestehenden Kunden weitere Projekte zu realisieren. Als Beispiel möchte ich hier den Siemens-Konzern anführen, mit dem wir bisher bei zwei Produkten zusammenarbeiten. Im Siemens-Portfolio befinden sich aktuell jedoch rund zehn Produkte, die für unsere Technologie infrage kommen. Deshalb liegt das primäre Ziel darin, hier die Projekte drei und vier an Land zu ziehen. Aktuell stehen wir kurz vor einem weiteren Vertragsabschluss, der noch in diesem Jahr erfolgen könnte.

Die Planungssicherheit in der weltweiten Diagnostikindustrie ist nicht mehr so hoch wie noch vor ein paar Jahren. Welche Gründe gibt es dafür?

Bei den Analysensystemen selbst ist die Planungssicherheit nach wie vor relativ hoch. Da die Entscheidungen langfristig vorbereitet werden, sind die Forecasts unserer Kunden sehr zuverlässig. Das Service- bzw. Serviceteilegeschäft ist hingegen aufgrund von schwankenden Auslastungen volatiler geworden. Die Auslastung selbst ist u. a. abhängig von Faktoren wie Reformen der Gesundheitssysteme, staatlichen Sparmaßnahmen, aber beispielsweise auch der Höhe der Arbeitslosigkeit in den jeweiligen Marktregionen. Ich gehe jedoch davon aus, dass sich diese Faktoren in den Jahren 2014 und 2015 wieder stabilisieren und damit auch das frühere Niveau an Planungssicherheit wieder zurückkehrt.

Mit welchen Maßnahmen haben Sie auf die größeren Schwankungen in den Abnahmeprognosen Ihrer Kunden reagiert?

Auf der einen Seite sahen wir uns gezwungen, den Korridor unserer Guidance zu verbreitern. Auf der anderen Seite haben wir durch logistische Maßnahmen und die Flexibilisierung unserer Fertigung erreicht, das Risikopotenzial zu senken.

Wie sieht Ihre Dividendenpolitik aus? Welchen Anteil am Jahresüberschuss werden Sie voraussichtlich ausschütten?

Unsere Dividendenpolitik ist auf Kontinuität und Wachstum ausgerichtet. In den vergangenen Jahren lagen unsere Ausschüttungen in der Größenordnung von 45 Prozent unseres Nachsteuergewinns. Für ein Wachstumsunternehmen ist dies eine überdurchschnittliche Ausschüttungsquote. Allerdings möchten wir uns die Option offenhalten, in Sondersituationen auch einmal die Dividende zu kürzen bzw. temporär auszusetzen. Dies könnte zum Beispiel bei einer größeren Akquisition oder der langfristigen Vorfinanzierung eines großen Kundenprojektes mit sehr hohem Volumen der Fall sein. Wir wollen nach wie vor jede lukrative Wachstumschance nutzen und hierzu gehören die entsprechenden Finanzierungsmöglichkeiten.

Wie groß ist aktuell das Interesse von institutionellen Investoren an der STRATEC-Aktie?

Rund 32,7 Prozent und damit mehr als die Hälfte unseres Freefloats von rund 58 Prozent befindet sich aktuell in institutioneller Hand. Einige Investoren haben dabei auch die Meldeschwellen von drei bzw. fünf Prozent überschritten. Insgesamt können wir beobachten, dass das Interesse institutioneller Investoren in den vergangenen Monaten noch einmal zugenommen hat.

Herr Wolfinger, vielen Dank für das Interview.