11.03.2017 Florian Söllner

Schatzsuche in Sachsen mit Solarworld

-%
Solarworld
Trendthema

Wenn sich Kanadier nach Sachsen verirren, dann meist zum Besuch der Semperoper oder des Zwingers. Peter Secker, CEO von Bacanora Minerals, hat etwas weit Spannenderes ins Erzgebirge gelockt: Lithium – der Stoff, der Elektro­autos die Power gibt, Drohnen abheben lässt und Solarstrom speicherbar macht. Ein gewaltiges Geschäft: Die Nachfrage nach dem Rohstoff für Batterien wird sich laut Morningstar von 2015 bis 2025 von 175.000 auf 775.000 Tonnen mehr als vervierfachen. Konsequenz daraus: Der Preis für Lithium hat sich bereits vervielfacht. Dies macht die Förderung nun auch in exotischen Regionen lukrativ – wie in Sachsen.

Solarworld-Chef Frank Asbeck wurde 2011 belächelt, als er im Erzgebirge nach Lithium suchen ließ. 40.000 Tonnen im Wert von knapp 400 Millionen Euro sollen sich irgendwo auf der deutschen Seite im Osterzgebirge verbergen. Doch Hunderte Meter tiefe Probebohrungen und die Infrastruktur, um das laut Goldman Sachs „neue Öl“ schließlich zu fördern sind teuer. So wird das lithiumhaltige Erzmineral nach dem Abbau zerkleinert. Mittels Magnetscheidung trennt sich das lithiumhaltige Erzmineral dann vom Roherz. Schließlich wird mit Hitze und Laugen gearbeitet, um Lithium aus dem Mineral zu lösen. Bacanora Minerals aus Kanada kennt sich mit solchen Verfahren bestens aus – und bringt frisches Geld mit.

Deal: Solarworld-Aktie haussiert

Dieser Deal bringt den Bergbau zurück nach Sachsen: Wie Solarworld am Dienstag, den 21. Februar, meldete, wird der Konzern 50 Prozent an diesem Projekt in Altenberg-Zinnwald an Bacanora Minerals veräußern. Für seinen Anteil werde der neue Partner fünf Millionen Euro an Solarworld zahlen. Zudem kümmern sich die Kanadier darum, die bestehende Machbarkeitsstudie in 18 bis 24 Monaten zu vertiefen und abzuschließen. Gut für die klamme Solarworld: Sämtliche finanziellen Investitionen werden von Bacanora getätigt. Darüber hinaus hat der Lithium-Projektierer die Option, innerhalb von 24 Monaten die übrigen 50 Prozent für einen Betrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich zu erwerben. „Nachdem wir die ersten Schritte getan haben, werden nun das Know-how und die finanziellen Mittel unseres Partners das Projekt weiter voranbringen“, so Frank Asbeck.

Der Solarworld-Chef hatte recht: Es gibt wertvolles Lithium in Deutschland. Die ausgebombte Solarworld-Aktie reagierte auf diese Meldung spontan mit einem fast 60-prozentigen Kurssprung.

Doch die Zahlungen für die Abgabe von Rechten an dem Projekt lösen nicht die strukturellen Probleme des Solarmodulherstellers, der Lithium auch für seine Batteriespeicher einsetzt. Zuletzt lagen die Gesamtverbindlichkeiten der defizitären Solarworld bei rund 650 Millionen Euro. Ganz anders Bacanora Minerals. Die Kanadier hatten bei quasi keinen Schulden zum Bilanzstichtag 30. September 25 Millionen Dollar Barmittel zur Verfügung. Noch größer als der Cashberg sind die Pläne von Peter Secker. Zum einen ist hier das neue Projekt in Sachsen. Der Bacanora-Vorstandschef sprach gegenüber dem aktionär von den „aufregenden Möglichkeiten“, das in Deutschland geförderte Lithium „direkt in neue Batteriefabriken für neue Elektro- und Hybridautos zu liefern“. Konkrete Namen nennt er nicht. Doch klar ist, dass Samsung SDI und LG Chem in Osteuropa gewaltige Fabriken für Elektroautobatterien bauen und ein Joint Venture um Firmen wie Manz direkt in Deutschland ähnliche Pläne haben soll. Der Bedarf ist groß: Daimler, Volkswagen und BMW wollen in zwei Jahren Dutzende Tesla-Jäger in den Markt drücken. Schon jetzt geht Lithium zu 38 Prozent in die Batterieproduktion. Und der Bedarf steigt rasant: Bis 2025 dürfte sich der Absatz von Elektro- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen glatt versiebenfachen.

Tesla und China

Elektroautohersteller Tesla ist Vorreiter dieser Entwicklung und will seine Verkäufe im kommenden Jahr auf 500.000 Autos mehr als versechsfachen. Schon 2015 wurde bekannt, dass sich die Firma von Elon Musk die langfristige Versorgung mit Lithium aus der Bacanora-Förderstätte namens Sonora in Mexiko gesichert hat. Auf die Beziehung zu Tesla angesprochen wich Secker aus. Offenbar ist der stark wachsende chinesische Markt für Batteriespeicher und Elektroautos wichtiger geworden. „Das Sonora-Projekt ist komplett darauf fokussiert Lithium für den Verkauf nach Asien zu produzieren“, so der CEO.

Die mexikanische Förderstätte Sonora ist bereits wesentlich weiter erschlossen als das Projekt in Sachsen. „2020 erwarten wir, hier jährlich 17.500 Tonnen Lithium zu produzieren.“ Bei einem Kurs von 9.000 Dollar pro Tonne würden hieraus Projektumsätze von rund 155 Millionen Dollar pro Jahr erzielt. Da die operativen Kosten weniger als die Hälfte betragen, wäre der Rohgewinn entsprechend beeindruckend. Doch den Bodenschatz zu erschließen ist teuer. „Die geschätzten Kosten, das Projekt aufzubauen, liegen bei 250 bis 300 Millionen Dollar“, so Secker gegenüber dem aktionär.

Klar ist: Das aktuell vorhandene Cash deckt nur einen Bruchteil der Investitionen, was weitere Kapitalmaßnahmen und eine Verwässerung wahrscheinlich macht. Sorgen, dass der Finanzmarkt das Vertrauen in Bacanora verliert, scheinen aber unbegründet. So hat sich etwa 2016 mit Blackrock der größte Vermögensverwalter der Welt in die Aktie eingekauft.

Rare Earth Minerals war mit einem Übernahmeversuch abgeblitzt. Doch Bacanora dürfte – auch für noch größere Rivalen – ein begehrtes Ziel bleiben.

Wette auf Lithium-Boom

Das Papier von Bacanora ist nach dem Solarworld-Deal angesprungen. Der faire Wert der Bacanora-Aktie hängt jedoch am Ende vom volatilen Lithium-Preis ab. Zudem sind die tatsächlichen Kosten für den Abbau des Batterierohstoffes schwer prognostizierbar. Dennoch bietet sich aufgrund des attraktiven Chance-Risiko-Verhältnisses eine Wette auf den Erfolg des Sonora-Projektes und des Bergbaus im Erzgebirge an. Schließlich doch: eine Asbeck-Idee mit Zukunft.

(Dieser Artikel ist in der AKTIONÄR-Ausgabe 09/2017 in der Rubrik "Hot Stock der Woche" erschienen.)