30.07.2019 Lars Friedrich

Letzter im MDAX: Grenke-Aktie kollabiert nach Zahlen – das sind die Gründe

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Grenke
Trendthema

Eine höhere Risikovorsorge des Finanzdienstleisters Grenke hat am Dienstag die Anleger verschreckt. Der Kurs der im MDAX enthaltenen Aktie brach um mehr als 15 Prozent auf 80,50 Euro ein und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar. Die Aktie war mit weitem Abstand die größten Verlierer im Index der mittelgroßen deutschen Börsentitel.

Das Unternehmen wird pessimistischer für das laufende Geschäftsjahr. Weil sich die Gesamtwirtschaft eintrübe und damit Zahlungsausfälle von Kunden zunehmen, erhöhte der Konzern die Risikovorsorge und rechnet mit weniger Gewinn als ursprünglich geplant.

Im zweiten Quartal sei die Risikovorsorge von Grenke um fast 60 Prozent gestiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, schrieb Christoph Blieffert von der Commerzbank. Mit rund 32 Millionen Euro liege sie zudem um fast 15 Prozent über der Markterwartung.

„Die konjunkturelle Abschwächung hat erst begonnen und auf Grenke dürfte noch mehr zukommen, sollte Europa in eine Rezession fallen“, warnte der Analyst. Mit Großbritannien und Italien sei das Unternehmen in besonders risikoreichen Märkten aktiv.

Grenke (WKN: A161N3)

Was für ein schlechter Einstand! Die Grenke-Aktie ist erst seit diesem Juni im MDAX notiert. Sie hatte Wacker Chemie ersetzt. Der Absturz könnte zwar kurzfristig Schnäppchenjäger und Spekulanten auf der Long-Seite anlocken, wahrscheinlicher ist aber, dass der Kurs in den kommenden Tagen weiter sinkt. Wenn die 80-Euro-Marke nicht hält, könnte das Tief vom Jahresanfang bei 70,00 Euro in den Blickpunkt rücken. Die erste Gewinnwarnung des Unternehmens seit zehn Jahren hat Ursachen, die sich nicht mal beheben lassen. Unter fundamentalen Aspekten drängt sich ein Einstieg angesichts der unsicheren Lage daher auch nicht auf. Anleger sollten die Aktie meiden.

Mit Material von dpa-AFX.