Sam Altman war lange der lauteste Kritiker von KI-Werbung – jetzt liefert bald auch OpenAI sie aus. Ab Montag, 24. August, aktiviert OpenAI Werbung in ChatGPT für 31 europäische Märkte und bläst damit zum Angriff auf Alphabet, Meta und den gesamten Werbemarkt. Ein Kommentar.
- OpenAI will Werbung in Europa einführen.
- Meta erzielte 2025 mit Werbung rund 196 Milliarden Dollar Umsatz, Alphabet rund 295 Milliarden Dollar.
- OpenAI will den Gesamtumsatz in vier Jahren auf 100 Milliarden Dollar steigern.
Der Hintergrund für den Einbau der Werbeanzeigen unterhalb der KI-Antworten ist klar: Mehr als 80 Prozent der inzwischen über einer Milliarde monatlich aktiven ChatGPT-Nutzer verwenden die kostenlose Version. Bislang verursachte diese riesige Nutzerbasis vor allem hohe Rechenkosten. Mit der Einführung von Werbung will OpenAI diese Reichweite nun in eine neue Einnahmequelle verwandeln.
Das langfristige Ziel von OpenAI ist ambitioniert: Innerhalb der kommenden vier Jahre soll der Jahresumsatz auf 100 Milliarden Dollar steigen. Jedoch verblasst diese Zahl im Vergleich zu den US-Platzhirschen: Die Alphabet-Tochter Google erzielte 2025 alleine einen Werbeumsatz von rund 295 Milliarden Dollar, wobei auf die Google-Suche 225 Milliarden Dollar auf YouTube rund 40 Milliarden Dollar und das Google-Werbenetzwerk rund 30 Milliarden Dollar einbrachten. Rivale Meta erzielte mit seinen zahlreichen Apps (unter anderem Facebook, Instagram und WhatsApp) rund 196 Milliarden Dollar durch Werbeeinahmen.
KI bald noch nerviger
Ab kommender Woche wird ChatGPT in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Spanien, Italien und den skandinavischen Ländern also noch ein Stück nerviger. Als würden die teilweise völlig absurden KI-Antworten, die einem ChatGPT mitunter auftischt, nicht schon reichen. Jetzt gibt’s für Nutzer der kostenlosen Version auch noch Werbung dazu. Der Brainrot nimmt offenbar einfach kein Ende. Hinweis: Im Buch 10 harte Wahrheiten über Künstliche Intelligenz lesen Sie übrigens, was in den nächsten Jahren in puncto KI noch auf uns zukommt.
Werbung ja, aber mit Grenzen
Zum europäischen Marktstart kooperiert OpenAI mit großen Werbeagenturen wie Publicis, WPP, Omnicom, MediaPlus und Havas. Ein Self-Service-Tool für kleinere Unternehmen soll folgen. Die Werbeanzeigen erscheinen zukünftig unterhalb der eigentlichen KI-Antwort, abgetrennt durch eine graue Linie. Werbepartner erhalten keinen Zugriff auf Chatverläufe oder persönliche Unterhaltungen.
Ein schwacher Trost: Wer mehr zahlt, sieht keine Werbung: Die teureren Abos Plus, Pro und Enterprise bleiben werbefrei. Im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz will OpenAI zunächst keine personalisierten Anzeigen ausspielen – der Inhalt des aktuellen Chats kann aber dennoch die Anzeigenauswahl beeinflussen.
Werbung in ChatGPT – für alle, die die Gratis-Version nutzen. DER AKTIONÄR hat schon vor geraumer Zeit einen anderen Weg eingeschlagen: Fremdwerbung hat auf deraktionaer.de keinen Platz mehr. Was zählt, ist die Qualität der Analyse – nicht das Anzeigenvolumen. Auf unsere eigenen Produkte weisen wir gelegentlich hin, das lässt sich nicht immer vermeiden. Die wirksamste Empfehlung bleibt ohnehin eine persönliche: Wenn Sie mit uns zufrieden sind, freuen wir uns, wenn Sie das weitersagen.
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