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Innoscripta: Durchsuchungen – Aktie crasht

Innoscripta: Durchsuchungen – Aktie crasht
Foto: iStockphoto
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Jan-Paul Fóri Heute, 10:52 ‧ Jan-Paul Fóri
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Die Börse ist kein Ort für Emotionen. Weder Gier noch FOMO oder Euphorie sind auf lange Sicht gute Ratgeber. Bewährt haben sich dagegen zwei einfache Weisheiten: breit streuen und gelegentlich abwarten. Beides kann sich im Nachhinein als äußerst lukrativ erweisen. Ein aktuelles Beispiel dafür ist der Fall Innoscripta.

Erst am vergangenen Wochenende hatte DER AKTIONÄR ein Exklusiv-Interview mit Innoscripta-CFO Alexander Meyer und COO Sebastian Schwertlein anlässlich der vergangenen Quartalszahlen veröffentlicht. Doch trotz des starken Wachstums im ersten Halbjahr und der Pläne für die weitere Expansion crashte die Aktie am Donnerstag um 57 Prozent. Damit nicht genug: Am Freitag geht es um weitere vier Prozent abwärts. Der Grund: Per Ad-hoc-Nachricht teilte Innoscripta mit, dass im Zusammenhang mit einem steuerstrafrechtlichen Ermittlungsverfahren zwei Durchsuchungen in jüngster Vergangenheit durchgeführt wurden. 

Schwerwiegender Vertrauensverlust

Der Verdacht, der letztlich zu den Durchsuchungsbeschlüssen des Amtsgerichts Schwäbisch Gmünd vom  3. August 2026 und 15. September 2026 führte, lautet: Beihilfe zur Erlangung eines nicht gerechtfertigten Steuervorteils bei der Beantragung von Forschungszulagen durch Kunden der Gesellschaft.

Für ein Unternehmen, dessen Kerngeschäft gerade die Beratung von Kunden bei Fragen rund um die Beantragung von Fördermitteln ist, ein absolutes Worst-Case-Szenario. 

Zwar beteuert das Unternehmen, dass „nach dem derzeitigen, noch vorläufigen Kenntnisstand der Gesellschaft sich die in den Durchsuchungsbeschlüssen konkret beschriebenen operativen Vorgänge auf mögliches Fehlverhalten einzelner Mitarbeiter bei der Bearbeitung bestimmter Kundenmandate beziehen“ und die Kunden letztlich die Verantwortung für die Richtigkeit und Vollständigkeit der gegenüber Behörden gemachten Angaben tragen. Trotzdem kann noch nicht abgeschätzt werden, welche finanziellen sowie sonstigen Auswirkungen der Vorfall auf das Unternehmen insgesamt hat.

Innoscripta SE (WKN: A40QVM)

An der Börse reagierten nicht die Anleger panisch auf die Nachricht. Auch Analysten zogen ihre Schlüsse aus den Ereignissen: Warburg Research setzte das Rating sowie das Kursziel aus. Beim IPO hatte die Privatbank M.M.Warburg & CO gemeinsam mit Hauck Aufhäuser noch als Joint Bookrunner fungiert. In einer Nachricht schrieben die Analysten: „Die möglichen Folgen reichen von einem begrenzten Ausmaß – etwa einzelnen Fällen und überschaubaren Rückerstattungen von Gebühren – bis hin zu erheblichen Auswirkungen. Dazu zählen eine strengere Prüfung von Anträgen, die mit Unterstützung von innoscripta eingereicht wurden, Kundenverluste, Haftungsforderungen, die Einziehung von Erlösen oder Unternehmensstrafen.“ 

Zudem ergänzten sie: „Unser auf einem DCF-Modell basierendes Kursziel von 225 Euro setzt ein intaktes Geschäftsmodell voraus. 56 Prozent des Unternehmenswerts entfallen auf den Terminal Value, zudem unterstellt das Modell eine nachhaltig erzielte EBIT-Marge von 55 Prozent. Da sich die Risiken für diese Annahmen derzeit nicht quantifizieren lassen, setzen wir unser „Buy“-Rating und das Kursziel aus. Unsere Schätzungen werden derzeit überprüft. Eine Neubewertung erfolgt, sobald Klarheit darüber besteht, wie viele Mandate und Mitarbeiter betroffen sind, ob das Unternehmen selbst Partei des Verfahrens ist und welche Auswirkungen sich auf Auftragspipeline, Bewilligungsquoten und Rückstellungen ergeben.“

DER AKTIONÄR hatte Innoscripta zuletzt als interessantes Unternehmen und Profiteur des KI-Trends eingeordnet, zugleich aber von einem Einstieg abgeraten. Stattdessen lautete die Empfehlung, die Aktie zunächst nur auf die Watchlist zu setzen. Rückblickend war dies die richtige Einschätzung. Bis Klarheit über die weiteren Folgen für Innoscripta besteht, machen Anleger einen großen Bogen um die Aktie.

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