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11.02.2020 Maximilian Völkl

Deutsche Telekom: Sieg vor Gericht – alle Aktien springen an – Sprint +75%

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Deutsche Telekom

Die amerikanische Telekom-Tochter T-Mobile hat sich im wichtigen US-Kartellrechtsprozess um die Fusion mit dem kleineren Rivalen Sprint durchgesetzt. Der zuständige Richter Victor Marrero stimmte dem mehr als 26 Milliarden Dollar teuren Deal zu, wie aus seinem am Dienstag veröffentlichten Urteil hervorgeht. Die Unternehmen hatten ihren Zusammenschluss bereits im April 2018 vereinbart.

Die Entscheidung sei ein „großer Sieg“, verkündete T-Mobile-Chef John Legere in einem Statement. „Jetzt sind wir endlich in der Lage, uns darauf zu konzentrieren, die letzten Schritte dieser Fusion abzuschließen.“ Der Zusammenschluss der dritt- und viertgrößten Anbieter, die künftig zusammen als New T-Mobile agieren wollen, dürfte den US-Mobilfunkmarkt kräftig aufmischen und den Druck auf die Branchenführer Verizon und AT&T deutlich erhöhen.

T-Mobiles deutscher Mutterkonzern Telekom begrüßte das Urteil in einer Ad-hoc-Mitteilung, wies allerdings darauf hin, dass die Kläger durchaus noch Rechtsmittel einlegen könnten. So oder so ist Marreros Entscheidung für die Telekom ein großer Erfolg. Die Zustimmung der US-Behörden hatte jedoch einen hohen Preis. Um zu verhindern, dass der Wettbewerb zu stark leidet, mussten T-Mobile und Sprint weitreichende Zugeständnisse machen. Der Kompromiss mit dem Justizministerium vom Juli sieht neben einem starken Engagement beim 5G-Netzausbau den Verkauf umfassender Geschäftsteile und Funkfrequenzen an den Satelliten-TV-Betreiber Dish vor.

Die Fusion hat enorme Dimensionen. Laut früheren Angaben von T-Mobile und Sprint ergäbe sich bei gemeinsamen rund 127 Millionen Kunden ein kombinierter Jahresumsatz von mehr als 70 Milliarden Dollar. T-Mobile hatte zuletzt einen Börsenwert von gut 72 Milliarden Dollar, Sprint brachte es auf knapp 20 Milliarden. Die Telekom kalkuliert wegen geringerer Kosten etwa beim Netzausbau mit Einsparungen von mehr als sechs Milliarden Dollar jährlich.

Der Zusammenschluss soll über einen Aktientausch ablaufen, die Telekom will mit 42 Prozent den größten Anteil am fusionierten Unternehmen übernehmen. Das Aktienpaket, das Sprint-Aktionäre im Tausch für ihre Anteile bekommen sollen, war bei Ankündigung des Plans gut 26 Milliarden Dollar wert. Eine herbe Schlappe ist das Urteil für das von den großen US-Staaten New York und Kalifornien angeführte Klägerbündnis, das sich mit dem Rechtsstreit auch gegen die Regierung von US-Präsident Donald Trump in Washington gestellt hatte.

Einige Fragezeichen bleiben jedoch. So könnte T-Mobile angesichts der mauen Geschäftsentwicklung von Sprint in den vergangenen knapp zwei Jahren versuchen, den Preis noch zu drücken. Die ursprüngliche Fusionsvereinbarung lief in November aus und wurde angesichts der hohen Ungewissheit um den Deal bislang nicht erneuert. Zudem steht auch noch die Genehmigung einer regionalen Aufsichtsbehörde in Kalifornien aus, was sich womöglich als Hindernis erweisen könnte.

Deutsche Telekom (WKN: 555750)

An der Börse sorgt das Urteil für eine seltene Entwicklung, denn die Aktien aller beteiligten Unternehmen steigen. Sowohl die Deutsche Telekom als auch die Sprint-Mutter Softbank profitieren von der neuen Stärke der Töchter. T-Mobile US und Dish als die künftigen Player im US-Mobilfunkmarkt legen knapp zweistellig zu. Und Sprint, das ohne Fusion von der Pleite bedroht wäre, springt sogar satte 70 Prozent nach oben. Auch DER AKTIONÄR hat bereits mehrfach betont: Die Fusion schafft Werte und sorgt für neue Fantasie bei Telekom und Co.

Sprint (WKN: A1W1XE)

(Mit Material von dpa-AFX)

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Deutsche Telekom.