24.05.2017 Markus Horntrich

Der 230%-Hot-Stock: Exklusivinterview

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mVise
Trendthema

In Ausgabe 28/2013 empfahl DER AKTIONÄR die Aktie der mVise AG, ehemals Convisual AG, als Hot Stock der Woche zum Kauf. Die Spekulation ging auf, mittlerweile stehen knapp 230 Prozent Kursgewinn zu Buche. Für weitere Fantasie ist gesorgt, wie Vorstandschef Manfred Götz im Interview mit dem AKTIONÄR erläutert.

DER AKTIONÄR: Herr Götz, die mVISE AG setzt Ihre Buy-&Build-Strategie mit der Übernahme von 75,1 % an der elastic.io GmbH fort. elastic.io bietet „eine Plattform mit einem einfach zu bedienenden Entwickler-Toolkit und einem Marktplatz mit standardisierten Konnektoren zu verschiedenen SaaS-Anbietern.“ Was kann man sich als IT-Laie darunter vorstellen?

Unser neues Tochterunternehmen elastic.io ist Anbieter einer sogenannten Integration-Platform-as-a-Service, kurz iPaaS-Lösung. Ich denke dies lässt sich am besten als „Mehrfachstecker“ für vereinzelte IT-Geschäftsanwendung beschreiben. Bildlich gesprochen: statt Strom fließen hier Daten. Schon ein kleines mittelständisches Unternehmen in Deutschland nutzt aktuell mehr als 16 verschiedene IT-Anwendungen. Unser Produkt dient hier als eine Art Datendrehscheibe zwischen unternehmensinternen Infrastrukturen und externen Cloud-Systemen, womit sich die Integration der Systeme schneller, sicherer und kosteneffektiver gestalten lässt. So rechnen wir gewöhnlich bei der Nutzung unserer iPaaS-Plattfrom mit einer Senkung der Integrationskosten um bis zu 75 Prozent.

Warum ist diese Technologie von besonderem Interesse für mVISE?

iPaaS ist ein sehr dynamischer Markt, der nach Einschätzung von Gartner in 2015 mit 35 % und in 2016 sogar mit 45 % gewachsen ist. Vor dem Hintergrund der weiterhin hohen Dynamik in diesem Bereich sehen wir das Produkt von elastic.io als neuen, zusätzlichen Wachstumsmotor für den gesamten Konzern.

Inwiefern ergänzt elastic.io dabei das bestehende mVISE-Cloud-Portfolio?

Wir sehen hier eine optimale Ergänzung sowohl zu unserem Produkt-Portfolio als auch bei unserem Angebot an Professional Services. Unsere Produkte ICC Cloud und SalesSphere müssen intensiv in Kundenprozesse und Systeme integriert werden. elastic.io ist hierfür eine ideale Ergänzung. Auch bei unseren großen Beratungskunden aus den Bereichen Telekommunikation und Finanzdienstleistung sind wir mit komplexen Integrationsaufgaben insbesondere im Kontext von Cloud-Infrastrukturen konfrontiert. Elastic.io ist als Technologie nicht nur Cloud-nativ, es ist auch wie der Name sagt elastisch skalierbar und bietet eine sehr geringe Verarbeitungslatenz. Die Kombination aus diesen drei Faktoren ist eine ideale Voraussetzung für unsere Projekten bei Industriekunden insbesondere in den Bereichen IoT (Internet der Dinge) oder auch Autonomes Fahren.

Welche Synergie- und Cross-Selling-Effekte erwarten Sie durch die Integration von elastic.io in die mVISE-Gruppe?

Cross-Selling-Effekte sehen wir insbesondere zu unserem Professional-Services-Bereich. elastic.io-Kunden können bei ihren komplexen Integrations-Projekten von der Beratungsexpertise unserer mVISE-Experten in den Bereichen Mobility, Cloud und Security profitieren.
Umgekehrt kann auch die mVISE sehr stark vonm Know-how der elastic.io profitieren. Mit der weltweiten Kundenbasis hat elastic.io eine sehr gut funktionierende Online-Sales- und Marketing-Organisation aufgebaut. Diese Erfolgsstory möchten wir auch sehr gerne auf unsere Produkte ICC Cloud und SaleSphere übertragen.

Wer zählt bereits jetzt zum Kundenkreis von elastic.io und welche weiteren Zielgruppen haben Sie im Visier?

Bereits jetzt gehören große Retail-, Telekommunikations- und Technologieunternehmen zum renommierten Kundenkreis der elastic.io. Es ist aber davon auszugehen, dass unser Zielfokus bald auch auf die Branchen Produktion, Finanzdienstleister und Logistik ausgeweitet wird.

Elastic.io ist seit 2015 Partner der Telekom-Tochter T-Systems. Welche Vorteile erwarten Sie aus dieser Partnerschaft? Kann zukünftig die gesamte mVISE Gruppe von dieser Partnerschaft profitieren?

T-Systems und elastic.io stellen gemeinsam einen Cloud-Integrationsdienst für Geschäftskunden bereit. T-Systems hostet hierbei in ihren deutschen Cloud-Rechenzentren ein Vielzahl von Cloud-Apps von unabhängigen Software-Anbietern. Hierzu gehören z. B. verschiedene CRM-Systeme oder auch Kommunikationssysteme beispielsweise für Contact Center, die über elastic.io untereinander und auch mit unternehmenseigenen Systemen wie Salesforce oder SAP integriert werden. Dieses Ökosystem bietet sich aus unserer Sicht auch perfekt für unsere Produkte ICC Cloud und SaleSphere an.

Darüber hinaus arbeitet die Telekom derzeit an einem Cloud-Partnerprogramm, bei dem neben sogenannten Solution und Product Partnern auch Consulting-Partnerschaften angestrebt werden. Diesen Bereich könnten wir perfekt mit unserer bestehenden Professional Services-Expertise abdecken.

Zur Finanzierung werden Sie eine Wandelanleihe im Volumen von 3 Mio. Euro ausgeben. Warum haben Sie sich für diese Finanzierungsform entschieden?

Aus unserer Sicht konnten wir mit der Ausgabe einer Wandelanleihe eine Win-Win-Situation für uns als Unternehmen und für unsere Investoren schaffen. Für eine Wandelanleihe zahlen wir signifikant niedrigere Zinsen als für eine klassische Anleihe. Darüber hinaus nehmen wir natürlich auch Rücksicht auf die Wünsche unserer Investoren. Hier haben wir in den letzten Wochen vermehrt Rückmeldung bekommen, dass Anleger von den Kursperspektiven der mVISE-Aktie profitieren möchten. Ich denke, die gleichtägige Platzierung der Anleihe hat uns an dieser Stelle Recht gegeben.

Sie haben sich Optionen auf die restlichen Anteile in Höhe von 24,9 % an der elastic.io gesichert. Wie sieht Ihr Zeitplan für eine etwaige Komplettübernahme aus und warum haben Sie nicht in einem Schritt 100 % der Anteile übernommen?

Mit den beiden elastic.io-Gründern, die auch künftig an der Unternehmensspitze bleiben, haben wir auf Basis von Call-/Put-Optionen eine Übernahme der verbleibenden Anteile bis zum Jahr 2020 vereinbart, die beim Erreichen operativer Ziele anfällt. Mit dieser Regelung können die beiden Gründer in starkem Maße von der Entwicklung der Gesellschaft in den nächsten Jahren profitieren. Wir sehen dies daher als wichtiges Bindungsinstrument im Rahmen der Transaktion.

Welches Umsatzniveau wird elastic.io voraussichtlich 2017 erreichen und was bedeutet dies für die Umsatzprognose der gesamten mVISE-Gruppe?

Wir gehen davon aus, dass elastic.io in den nächsten zwölf Monaten einen Umsatzbeitrag von voraussichtlich 1,5 bis 2 Mio. Euro liefern wird. Bisher sind wir für das Jahr 2017 von einer Steigerung der Gesamtleistung von 9 Mio. Euro auf über 14 Mio. Euro ausgegangen. Mit den zusätzlichen Umsätzen der elastic.io wird dieser Anstieg noch größer ausfallen.

Wird elastic.io schon im laufenden Jahr einen positiven Ergebnisbeitrag liefern?

Wir gehen für das Jahr 2017 nicht von einem signifikanten Ergebnisbeitrag der elastic.io aus. Das Unternehmen wurde erst 2013 gegründet und befindet sich aktuell noch in einer sehr starken Wachstumsphase. Diese möchten wir durch gezielte Investitionen in Marketing und Vertrieb weiter fördern und entsprechenden operativen Cashflow für diese Zielsetzung nutzen.

Kommen wir noch auf ein anderes Thema zu sprechen: mVISE ist auch im Bereich „Personalisierung für Automatisiertes Fahren (PAKoS)“ aktiv. Was machen Sie dort konkret?

Im Projekt PAKoS geht es darum, im Kontext des automatisierten Fahrens, die Interaktion zwischen Mensch und Fahrzeug neu zu definieren. mVISE arbeitet hier zusammen mit Unternehmen wie BMW und Bosch sowie verschiedenen Forschungspartnern an entsprechenden Personalisierungskonzepten unter Verwendung von mobilen Endgeräten. Konkret wird hier aus der Beobachtung des Fahrerinnenraums der Fahrerzustand identifiziert und mit einem entsprechend personalisierten Nutzungsprofil abgeglichen, um das aktuelle Leistungsvermögen des Fahrers zu beurteilen. Dieses Nutzungsprofil ist über das Mobilfunkgerät auf verschiedene Fahrzeuge übertragbar. mVISE beschäftigt sich hier mit der Definition der Anforderungen und entsprechender Umsetzung auf mobilen Endgeräten und entsprechender Skalierung in der Cloud. Das Gesamtprojekt hat ein Volumen von über 4 Mio. Euro bei einem Förderanteil von 75 Prozent.

Lassen Sie uns abschließend noch auf die Börsennotierung blicken. mVISE ist nicht vom Entry Standard in das neue Börsensegment Scale gewechselt. Planen Sie dies noch oder wollen Sie sich die Mehrkosten sparen?

Das Marktsegment „Scale“ der Frankfurter Börse für kleine und mittlere Unternehmen ist in der Tat sehr interessant für uns. Die Transparenz des Segmentes sehen wir insbesondere aus Sicht der Investoren positiv. Wir prüfen daher die Option einer Einbeziehung in dieses Segment und würden in diesem Fall auch die entsprechenden Mehrkosten in Kauf nehmen.

Herr Götz, vielen Dank für das Interview.

Hinweis auf mögliche Interessenskonflikte:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, hält unmittelbar und mittelbar Positionen an der mVise AG oder hierauf bezogene Derivate, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren.