03.12.2016 Michael Schröder

DAX vor dem Referendum in Italien: Droht ein Börsenbeben? Das müssen Anleger jetzt wissen

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Italien ist die drittgrößte Volkswirtschaft in der Eurozone. Nun steht die Republik vor einem Referendum zur weitreichendsten Verfassungsänderung ihrer Geschichte - oder deren Scheitern. Auch an der Börse zittern die Investoren vor dem Ausgang der Abstimmung. DER AKTIONÄR zeigt, was bei dem Referendum wirklich auf dem Spiel steht.

Die Reform, die am Sonntag zur Abstimmung steht, sieht unter anderem vor, dass der Senat verkleinert wird, ehrenamtlich arbeiten und nicht mehr über alle Gesetze abstimmen können soll. Die breite Front der Reformgegner befürchtet, dass die Regierung zu viel Macht bekäme. Sie kritisiert außerdem, dass die Souveränität des Volkes untergraben würde, weil es den Senat nicht mehr direkt wählen soll. Befürworter hoffen dagegen, dass das blockadeanfällige Zwei-Kammern-System des Landes überholt und die politische Lähmung des Landes beendet wird. Dies könnte Auswirkungen auf die ganze Eurozone haben. 

Laut den letzten Meinungsumfragen haben die Reformgegner zwar einen beachtlichen Vorsprung. Meinungsumfragen können jedoch irren, wie die jüngsten Erfahrungen in den USA und Großbritannien beweisen.

Was kommt auf DAX und Co zu? Entscheiden sich die Italiener zugunsten der Verfassungsreform, dann wird die Position von Premierminister Matteo Renzi gestärkt. Die Rekapitalisierung italienischer Banken dürfte vereinfacht werden. Nach einem „Nein“ ist dagegen vieles möglich.

Hintergrund: Italiens Großbanken brauchen zusätzliche Kapitalpuffer. Die Krisenbank Monte dei Paschi (MPS) plant eine Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro, Unicredit von bis zu 13 Milliarden Euro. Mehrere kleinere Banken müssen ebenfalls ihre Kapitaldecke festigen. Jetzt rächt sich, dass es die Regierung und der italienische Bankensektor in den letzten Jahren verpasst haben, nötige Kapital- und Strukturmaßnahmen bei den Geldinstituten durchzuführen. Italiens Banken verfehlen die von der Bankenaufsicht geforderte Kernkapitalquote von 10,75 Prozent. Für Abschreibungen fehlt die Basis, denn jeder fünfte italienische Kredit ist faul.

Ein abgelehntes Referendum und die dann bis zu einer möglichen Neuwahl oder einer anderen Lösung zur Regierungsbildung anhaltende Verunsicherung würde die Rekapitalisierung der systemrelevanten Banken verzögern oder unmöglich machen. Die europäische Politik müsste zur Rettung möglicherweise Regeln deutlich ausdehnen oder sogar brechen und italienische Banken mit Staatsgarantien stützen.

Rober Halver von der Baader Bank hat noch eine andere Alternative: „Die EZB könnte das Abschreibungs- bzw. Eigenkapitalproblem italienischer Banken über die Hintertür lösen. Sie könnte einen umfangreichen Aufkauf von Not leidenden italienischen Unternehmens- und Bankanleihen praktizieren. Auch die Verbriefung von uneinbringlichen Bankkrediten mit anschließender Veräußerung an die Notenbank ist eine mögliche Rettungsvariante. Ein unberechenbarer Dominoeffekt auf andere europäische Banken, die mit italienischen geschäftlich verbunden sind - also ein europäischer Lehman-Effekt - muss unbedingt verhindert werden. Dazu ist jedes auch instabile Mittel recht“, so der Kapitalmarktexperte.

Was bedeutet das alles? Investoren müssen sich Anfang der kommenden Woche vermutlich auf einen volatilen Handel einstellen. Doch selbst wenn es zu größeren Verwerfungen am Aktienmarkt kommt, müssen Anleger den Kopf nicht in den Sand stecken und ihre Aktien auf den Markt werfen. Bei aller Verunsicherung gibt es aus heutiger Sicht Lösungen und Wege, mit denen DAX und Co auch diese Klippe ohne größeren Schaden umschiffen können. DER AKTIONÄR wird am Montag an dieser Stelle wie gewohnt über Ausgang, Auswirkungen und mögliche Chancen des Referendums berichten.

(Mit Material von dpa-AFX)