Das ist Ihre Erfolgsstrategie für schwache Börsen
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01.04.2022 Andreas Deutsch

DAX stabil – doch Top-Manager in großer Sorge

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Der DAX gewinnt am Freitag 0,3 Prozent. Seit dem Tief vor drei Wochen hat der Index 16 Prozent zugelegt. Das passt nicht recht zu den warnenden Stimmen aus der deutschen Wirtschaft: Deutschland könnte in eine schwere Krise rutschen, sollte Russland die Gaslieferungen einstellen, so BASF-Chef Martin Brudermüller.

„Das könnte die deutsche Volkswirtschaft in ihre schwerste Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs bringen“, sagte Brudermüller im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Forderungen nach einem europäischen Energie-Importboykott gegen Russland wies der BASF-Chef zurück: "Wollen wir sehenden Auges unsere gesamte Volkswirtschaft zerstören? Das, was wir über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben? Ich glaube, ein solches Experiment wäre unverantwortlich", sagte Brudermüller. Die Risiken eines Boykotts würden von vielen Bürgern in Deutschland unterschätzt.

Ein vollständiger Verzicht auf russische Erdgaseinfuhren sei in Deutschland erst mittelfristig möglich. "Wenn wir uns beeilen, dann können wir das in vier bis fünf Jahren hinbekommen", sagte der BASF-Chef. Andere Energieimporte, etwa von Flüssiggas aus den USA, könnten "nicht auf Knopfdruck" erhöht werden.

Auch die Bau- und Energie-Expertin Lamia Messari-Becker, die die Bundesregierung berät, warnte für den Fall eines Stopps russischer Gaslieferungen vor verheerenden Folgen. "Wenn Grundstoff-Industrien zum Erliegen kämen, würde ein Dominoeffekt entstehen, der nicht mehr aufzuhalten und nur schwer reparabel wäre", sagte sie der dpa.

Siemens-Energy-Chef Christian Bruch sagte dem "Handelsblatt", bei einem kurzfristigen Boykott seien die negativen Auswirkungen für Deutschland größer als der Effekt auf Russland. Für manche Branchen sei die Gasversorgung existenziell. „Nehmen Sie nur die Glasindustrie. Wenn die Anlagen einmal kalt fallen, sind sie hinüber."

Westliche Staaten wie Deutschland müssen nach russischer Darstellung von Freitag an Konten bei der Gazprombank eröffnen, um weiter Gas zu erhalten. Andernfalls würden die Lieferungen für "unfreundliche Länder" eingestellt, hatte Präsident Wladimir Putin angekündigt.

DAX (WKN: 846900)

Ein potenzieller Gas-Stopp ist einer der aktuell größten Unsicherheitsfaktoren für die Börse. Deutet sich ein solcher an, sind Anleger gut beraten, ihr Depot defensiv zu besetzen.

(Mit Material von dpa-AFX)


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