Bei der Commerzbank könnte es schneller gehen als gedacht. UniCredit-Chef Andrea Orcel will die Commerzbank einem Medienbericht zufolge früher als bislang vorgesehen unter Kontrolle bringen. Danach dürfte ein weitreichender Umbau folgen.
- UniCredit will die Commerzbank laut Financial Times schon im Januar 2027 kontrollieren.
- Bisher war der Kontrollwechsel für das zweite Quartal 2027 vorgesehen.
- Genehmigungen mehrerer Stellen stehen aber noch aus.
Statt erst im zweiten Quartal 2027 will UniCredit-Chef Andrea Orcel laut einem Bericht der Financial Times bereits im Januar die Kontrolle über den deutschen Wettbewerber übernehmen. Sobald die erforderlichen Genehmigungen vorliegen, wolle er eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf mit den Plänen vertraute Personen.
Dort soll der Aufsichtsrat neu aufgestellt werden: UniCredit wolle alle zehn Anteilseignervertreter im 20-köpfigen Gremium austauschen und damit eine faktische Mehrheit erreichen. Auch Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp soll laut Bericht gehen. UniCredit hält nach einem Übernahmeangebot inzwischen 47,6 Prozent an der Commerzbank.
Unter Orcel soll die Commerzbank deutlich schlanker werden. Geplant sind dem Bericht zufolge Einschnitte im internationalen Geschäft und der Abbau von rund 20 Milliarden Euro an Unternehmenskrediten außerhalb der Kernmärkte Deutschland und Polen. Kredite, die für Mittelstandskunden wichtig sind, sollen davon ausgenommen werden.
Zudem will UniCredit die Kosten senken. Frühere Angaben der Bank sahen rund 7.000 gefährdete Stellen vor. Gewerkschaftsaussagen, wonach bis zu 15.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten, hat Orcel zurückgewiesen.
Auch Ausgaben für externe Berater und Marketing sollen sinken. Zudem sollen Vergünstigungen für Führungskräfte gestrichen und deren Reisen zu Konferenzen begrenzt werden. Die Einsparungen sollen dem Kerngeschäft in Deutschland und Polen zugutekommen.
Bis die UniCredit tatsächlich die Kontrolle ausüben kann, sind allerdings noch mehrere Hürden zu nehmen. Erforderlich sind Genehmigungen der Europäischen Zentralbank, der EU-Kommission und der polnischen Finanzaufsicht. Der im Bericht genannte Zeitplan ist daher noch nicht in trockenen Tüchern.
Ob der Kontrollwechsel im ersten oder zweiten Quartal 2027 erfolgt: Dass die Commerzbank bei der UniCredit landen wird, ist so gut wie sicher. Für Anleger, die bereits investiert sind, bleibt eine möglicherweise erhöhte Übernahmeprämie ein Haltegrund.
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Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Commerzbank.
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