Die Krypto-Börse Coinbase gibt sich im Wettbewerb mit der klassischen Finanzwelt gelassen. Trotz der wachsenden Präsenz von Schwergewichten wie BlackRock oder Fidelity sieht das Management keine Gefahr für das eigene Geschäftsmodell. Katie Harries, Head of Policy für Europa bei Coinbase, betonte in einem Interview, dass die zunehmende Beteiligung großer Finanzinstitute den Markt insgesamt stärke. Ihr Argument: Eine steigende Flut hebt alle Boote.
Hinter der demonstrativen Zuversicht stehen jedoch harte finanzielle Realitäten. Die jüngste Bilanz enttäuschte die Märkte deutlich. Statt des von Analysten erwarteten Gewinns von 0,27 Dollar pro Aktie meldete Coinbase einen Verlust von 1,49 Dollar. Entsprechend defensiv agiert das Unternehmen bei den Kosten: Anfang Mai kündigte die Börse einen Abbau der Belegschaft um 14 Prozent an.
Die Macht der Community
Coinbase setzt nun verstärkt auf die politische Karte. Mit der Initiative „Stand With Crypto“ (SWC) mobilisiert das Unternehmen weltweit Unterstützer. Laut Coinbase beteiligen sich Menschen an über 500 Standorten an Aktionen, um für klare regulatorische Rahmenbedingungen zu werben. Der Grund: Die Branche will zeigen, dass hinter der Technologie eine loyale Community steht, die traditionelle Banken so nicht vorweisen können.
Während Kritiker bezweifeln, dass Krypto-Themen Wahlen entscheiden, verweist Harries auf konkrete Zahlen. Die SWC-Organisation zählt mittlerweile über 3,7 Millionen Mitglieder in sechs Märkten. Diese hätten ihre Abgeordneten bereits mehr als 2,5 Millionen Mal kontaktiert. Auch wenn eine Umfrage unter US-Wählern zeigt, dass nur ein Prozent das Thema Krypto als oberste Priorität sieht, warnt Coinbase die Politik davor, diese Wählergruppe zu unterschätzen.
Faryar Shirzad, Chief Policy Officer bei Coinbase, fordert eine globale Anstrengung bei der Regulierung. Es dürfe nicht nur auf Washington gewartet werden. Die Forderung ist eindeutig: Sinnvolle Regeln müssen jetzt her, um Rechtssicherheit für Unternehmen und Nutzer zu schaffen. Coinbase positioniert sich hierbei als Vorreiter, der den Dialog mit der Politik sucht, während die Wall Street gerade erst beginnt, den Sektor für sich zu entdecken.
Coinbase flüchtet nach vorne. Während die Bilanz durch Verluste und Stellenabbau belastet ist, versucht das Unternehmen, seine Relevanz über die politische Mobilisierung und die Stärke seiner Community zu sichern. Der Kampf um die Vorherrschaft im Krypto-Sektor wird längst nicht mehr nur über Handelsgebühren, sondern über den Einfluss auf die Gesetzgebung entschieden.
Coinbase flüchtet nach vorne. Der Kampf um die Vorherrschaft im Krypto-Sektor wird längst nicht mehr nur über Handelsgebühren, sondern über den Einfluss auf die Gesetzgebung entschieden. Ein Einstieg drängt sich derzeit nicht auf.
Heute, 11:30