China hat verkündet, ein landesweites Blockchain-Netzwerk aufbauen zu wollen. Die Nachricht klingt zunächst nach Rückenwind für Bitcoin. Tatsächlich verfolgt Peking jedoch einen anderen Ansatz: Gefördert wird eine staatlich kontrollierte Infrastruktur für Wirtschaft und Verwaltung – nicht eine dezentrale Kryptowährung an sich. DER AKTIONÄR beleuchtet, was China plant.
- Chinas neuer 19-Punkte-Plan sieht nationales Blockchain-Netz vor.
- Der Bitcoin wird im Dokument nicht erwähnt.
- Chinas Krypto-Verbot und der Fokus auf den digitalen Yuan bleiben bestehen.
Das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei und der Staatsrat haben am 9. Oktober einen Wirtschaftsplan mit 19 Maßnahmen veröffentlicht. Ziel ist es, traditionelle Industrien stärker mit digitalen Technologien zu verknüpfen. Außerdem sollen Daten effizienter ausgetauscht und Rechenkapazitäten im ganzen Land besser genutzt werden. Dazu passt der Name des Programms: „East Data, West Computing“. Daten aus den wirtschaftsstarken Regionen im Osten sollen in Rechenzentren im Westen verarbeitet werden. Auch Regeln für Eigentum, Handel und Gewinnverteilung bei digitalen Daten sind geplant.
Für Bitcoin ergibt sich daraus aber kein direkter Vorteil. Das geplante Netzwerk dürfte, wie andere chinesische Blockchain-Projekte auch, auf zugelassene Teilnehmer und staatlicher Kontrolle beruhen. Bitcoin funktioniert dagegen offen, dezentral und ohne zentrale Genehmigung. Genau diese Eigenschaften stehen im Widerspruch zu Pekings Finanzpolitik.
Kein Hinweis auf eine Öffnung für Bitcoin
China betreibt bereits seit 2020 das Blockchain-based Service Network (BSN). Die Infrastruktur soll Unternehmen bei der Entwicklung von Blockchain-Anwendungen unterstützen, erlaubt nach Angaben des DigiChina-Projekts der Stanford-Universität aber keine unabhängigen Kryptowährungen wie Bitcoin.
Ob das neue nationale Netzwerk auf dem BSN aufbaut oder separat entsteht, ist noch offen. Eine Verbindung zum Bitcoin-Netzwerk lässt sich aus den bisherigen Ankündigungen nicht ableiten. Im Plan wird Bitcoin zudem nicht erwähnt. Stattdessen warnen die Behörden vor Spekulation und virtuellen Geschäftsmodellen zulasten der Realwirtschaft.
Digitaler Yuan statt Bitcoin
Am grundsätzlichen Kurs ändert sich damit nichts. Die chinesische Zentralbank und sieben weitere Behörden haben das Verbot von Krypto-Geschäften im Februar erneut bestätigt. Auch nicht genehmigte Yuan-Stablecoins und bestimmte Formen der Tokenisierung realer Vermögenswerte stehen im Fokus der Behörden.
Peking setzt auf eine eigene Alternative: den digitalen Yuan. Die staatliche Digitalwährung soll weiterentwickelt und stärker in das Finanzsystem integriert werden. Damit bleibt die Linie klar: Blockchain als kontrollierte Infrastruktur, digitale Währungen nur unter staatlicher Aufsicht.
Auch wenn der Bitcoin nicht direkt von den chinesischen Blockchain-Plänen profitiert, behauptet sich die Kryptowährung zum Wochenauftakt weiter komfortabel über der 80.000-Dollar-Marke. Solange dies so bleibt, kann sich die Rally mittelfristig fortsetzen. Der Bitcoin bleibt in Kauf.
Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Bitcoin.
Heute, 08:25
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