09.04.2019 Nikolas Kessler

Bitcoin & Co: China droht mit radikalem Verbot

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Die chinesische Regierung ist bekanntlich kein Fan von Kryptowährungen wie dem Bitcoin. Bereits 2017 wurden Initial Coin Offerings (ICOs) zur Finanzierung von Kypto-Projekten verboten und lokale Handelsplätze für Digitalwährungen geschlossen. Laut einem Dokument der staatlichen Planungsbehörde könnte es als nächstes der Mining-Industrie an den Kragen gehen.

In einer Liste der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission (NDRC) wird das Mining von Kryptowährungen als eine der Industrie-Aktivitäten aufgeführt, die nun geprüft und möglicherweise verboten werden sollen. Im Zuge einer breiteren Industriereform sollen nämlich sämtliche Aktivitäten gestrichen werden, die Gesetze verletzen, unsicher sind, Ressourcen verschwenden und die Umwelt übermäßig belasten.

Der als Mining bezeichnete Prozess zur Verschlüsselung von Transaktionen mit Digitalwährungen verschlingt große Mengen an Energie und steht deshalb in der Kritik. Dank extrem niedriger Stromkosten haben sich einige der größten Mining-Pools der Welt in China angesiedelt. Experten schätzen, dass derzeit rund die Hälfte der Rechenpower im Bitcoin-Netzwerk von chinesischen Rechencentern zur Verfügung gestellt wird.

Mit Bitmain und Canaan stammen zudem die beiden größten Anbieter von Mining-Hardware aus China.  Die Hochleistungsrechner der beiden Unternehmen werden speziell zum Lösen der kryptografischen Gleichungen gebaut und kommen weltweit zum Einsatz. Wegen der Flaute am Kryptomarkt ist das Geschäft im vergangenen Jahr jedoch dramatisch eingebrochen. Bitmain hatte deshalb im März angekündigt, weitere 200.000 seiner Mining-Geräte selbst in Betrieb zu nehmen.

Die chinesische Bevölkerung kann nun bis zum 7. Mai zu den Entwürfen der Behörde Stellung nehmen. Ob und wann genau ein Mining-Verbot anschließend in Kraft treten könnte, ist allerdings ungewiss – ebenso wie die Folgen für den Kryptomarkt. Zumindest kurzfristig würde ein beachtlicher Teil der Rechenleistung im Netzwerk wegfallen, was zu steigenden Transaktionszeiten und –kosten führen könnte. Mittel- und langfristig würden nach Einschätzung von Branchenexperten jedoch neue Mining-Pools in anderen Ländern mit vergleichsweise niedrigen Energiekosten entstehen.

Bitcoin klar über 5.000 Dollar

Der Kryptomarkt reagiert am Dienstag gelassen auf die Meldung. Der Bitcoin notiert am Nachmittag kaum verändert knapp oberhalb von 5.200 Dollar. In der Nacht hatte der Kurs aber erneut am 5-Monat-Hoch bei 5.318 Dollar gekratzt. In der Vorwoche hat sich der Bitcoin mit einem satten Kurssprung aus dem Winterschlaf zurückgemeldet und notiert heute rund 25 Prozent beziehungsweise über 1.000 Dollar höher als noch vor einer Woche. Zwar hat die Dynamik in den vergangenen Tagen nachgelassen, die befürchteten Gewinnmitnahmen sind bislang aber ausgeblieben.

Aktie der Bitcoin Group korrigiert

Noch deutlich stärker als der Bitcoin selbst hatte in den vergangenen Tagen die Aktie der Bitcoin Group zugelegt. Innerhalb einer Woche ging es für die Papiere des Kryptobörsen-Betreibers in der Spitze um fast 75 Prozent nach oben. Im Vergleich dazu ist der heute Abschlag von rund vier Prozent nahezu als moderat zu bezeichnen. Risikobewusste Anleger sollten hier einen größeren Rücksetzer abwarten, ehe sie einen Einstieg in Betracht ziehen.

Hinweis auf Interessenkonflikt:

Der Vorstandsvorsitzende und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die durch die durch die Publikation resultierende Kursentwicklung profitieren: Bitcoin.

Autor Nikolas Kessler hält unmittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate, die durch die durch die Publikation etwaig resultierende Kursentwicklung profitieren: Bitcoin.